Produkttest Alu-Räder

Was taugen Billig-Räder? Was taugen Billig-Räder?

Produkttest Alu-Räder

— 13.02.2006

Hier droht Bruch

Wie stabil sind Schnäppchen-Räder? AUTO BILD hat acht Modelle unter 100 Euro getestet. Mit nicht sehr überzeugenden Ergebnissen.

Ein Riß nach nur 3575 Lastwechseln

Hauptsache, billig – Schnäppchenjäger diktieren heute den Preis. Leider auch die Qualität, die häufig alles andere als befriedigend ausfällt. Wie bereits vergangene Woche beim Test der Billigreifen festgestellt, kann Geiz sogar lebensgefährlich sein. Heute folgt nun der Test der billigen Alu-Räder.

Kann man wenigstens hier bedenkenlos ein paar Euro weniger anlegen? Beim TÜV Süd haben wir acht Räder unter 100 Euro – alle mit Allgemeiner Betriebserlaubnis (ABE) oder Teilegutachten – zwei Prüfungen unterzogen. • Der Biegeumlauf-Kurzzeittest simuliert das Fahren von Linkskurven und überprüft die Statik des Rades. • Der Schlagtest Impact ahmt sehr hartes Auffahren auf einen Kantstein nach.

Den Impact-Test bestanden alle acht Billigräder. Die Biegeumlaufprüfung nicht. 200.000 Lastwechsel muß ein Rad zum Bestehen dieser Prüfung schaffen. Das Rad von SMC machte bereits nach 3575 Lastwechseln schlapp. Ein dicker Riß zog sich dann durch eine der Speichen. Hier droht Bruch – kaum auszudenken, was passiert, wenn so ein Rad am Auto montiert ist. Nur ein Einzelfall?

Sparen die Hersteller an Material?

Ein weiteres SMC-Rad wurde in die Maschine gespannt. Wieder Bruch. Nach 25.300 Lastwechseln. Zwar deutlich später, aber immer noch viel zu früh. Erst ein drittes SMC-Rad hielt 200.000 Lastwechseln stand. Aber: Bei der sogenannten Farbeindringprüfung fiel bei diesem Rad ein kleiner Riß in der Speiche auf. Ursache ist ein Fremdkörper im Alu-Guß. Für die Fahrsicherheit hätte keine Gefahr bestanden. Aber auch das heißt durchgefallen.

Da staunt der Laie, der Fachmann aber weiß, worin die Unterschiede bei den SMC-Rädern liegen. Siegfried Elbert vom TÜV Süd: "Wir haben die Räder zum Anfang des Tests gewogen. Die beiden gebrochenen Räder waren rund 400 Gramm leichter." Trotzdem wundert auch er sich. Denn an der KBA-Nummer ist erkennbar, daß alle drei SMC-Räder die selbe ABE haben. Deshalb müßten sie identisch sein. Auch auf der Waage. Eigentlich. Siegfried Elbert: "Man könnte fast glauben, der asiatische Hersteller will zu Lasten des deutschen Anbieters Material und Geld sparen."

Zumindest in unserem Test blieben die SMC-Räder die einzigen schwarzen Schafe. Die sieben anderen bestanden. Elbert: "Das habe ich von allen erwartet. Schließlich haben alle ABE oder Teilegutachten. Hat ein Rad diese strengen Prüfungen bestanden, hält es. Zumindest, wenn der Hersteller nicht etwas ändert." Zum Beispiel Material spart.

Vorsicht, Fälschung!

Fehler im System: Qualitätssicherung beim Hersteller und Nachprüfungen durch das Kraftfahrt-Bundesamt sollen Mängel in der Produktion rechtzeitig aufdecken. Aber KBA-Nachprüfungen finden viel zu selten statt. Denn das Zuberhörangebot ist zu riesig, um häufig genug zu testen. Und manipuliert ein Hersteller seine Räder, wird er sich kaum selber anzeigen.

Ein weiteres Problem: "Aus Fernost tauchen immer wieder Kopien von Rädern namhafter Hersteller mit gefälschten Gutachten auf. Daher besser Finger weg, wenn ein Rad weit unter Preis angeboten wird", erklärt Hans-Jörg Köninger vom Verband Deutscher Automobil Tuner.

Fazit 1: Sieben Räder haben unseren Test bestanden, eines nicht. Fazit 2: Trotz ABE oder Teilegutachten gibt es bei Rädern zu Discountpreisen keine hundertprozentige Sicherheit.

Den kompletten Vergleichstest mit allen Daten und Ergebnissen erhalten Sie für 1,00 Euro in unserem Heftarchiv. Einfach hier klicken, und Sie gelangen direkt in den Download-Bereich.

Kommentar vom TÜV-Experten

Siegfried Elbert, Leiter der Homologation Räder und Fahrwerk bim TÜV Automotive, TÜV Süd: "Das deutsche Zulassungsrecht gibt Autobesitzern die Möglichkeit, andere als vom Fahrzeughersteller vorgesehene Räder an seinem Auto zu fahren. Ein ganzer Industriezweig lebt davon. Nur wie lange wird das noch so bleiben?

Durch die Abwanderung der Produktionsstätten nach Osteuropa, in die Türkei oder nach Asien, sind die Wege weiter, die Lieferzeiten länger und die Dispositionen schwieriger geworden. Oftmals mangelt es dort am Verständnis der Zulassungsverfahren und an der Verantwortungsbereitschaft für eine regelmäßige Fertigungsüberwachung. Das Wissen und die Erfahrung der dortigen Mitarbeiter ermöglichen die Produktion optisch ähnlicher Räder. Unerkannte Konstruktionseinflüsse, abweichende Materialauswahl und -verarbeitung führen jedoch zu vermehrten Qualitätsproblemen.

Im Sinne der Sicherheit wird sich nun die Wirksamkeit der gesetzlich geschaffenen Korrekturmaßnahmen wie unangekündigte Nachprüfung, Kontrolle des Fertigungsbetriebes, Beschränkung oder gar Entzug der Genehmigung zeigen müssen.

Autor: Bernd Volkens

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