Gesucht: eine harmonische Verbindung zwischen Opel Corsa OPC und der Piste. Elf Reifen in 215/45 R 17 stehen an der Startlinie zum diesjährigen Reifentest. Zwei von ihnen sind allen Anforderungen gewachsen – reif für die Rennstrecke.
Wachauring im Spätherbst 2007. Glockenklänge aus dem nahe gelegenen Kloster Melk läuten den Tag ein, als sich das AUTO BILD SPORTSCARS-Testteam in der Boxengasse der kleinen, aber feinen Rennstrecke in der Wachau vor den Toren Wiens häuslich einrichtet. Ihr Testauftrag: Findet den besten Sommerreifen der Dimension 215/45 R 17. Elf Testkandidaten stehen zur Auswahl: die Traditionsmarken Continental, Dunlop, Goodyear, Michelin und Pirelli, die japanischen Hersteller Toyo und Yokohama sowie die koreanischen Reifenbauer Hankook und Kumho, die über die letzten Jahre mit Achtungserfolgen auf sich aufmerksam machen konnten. Auch der finnische Hersteller Nokian war in der Vergangenheit für so manche Überraschung gut. Last but not least der neue Mythos von Marangoni, der als preisgünstiger Reifen unseren Vergleich nach unten abrundet.
Finger weg von den Billigreifen aus Fernost
Boxenstopp für unseren Testwagen: Auch serienmäßig fahren Corsa GSi und OPC auf Reifen in 215/45 R 17.
Bild: U. Sonntag
Ganz bewusst verzichten wir auf ein Billigprodukt aus Fernost, denn alle Erfahrungen der Vergangenheit lassen nur den einen Schluss zu: Finger weg von Billigreifen. Als Testwagen für unseren diesjährigen Reifentest stehen zwei Opel Corsa OPC mit 192 PS an der Startlinie; ihr erster Einsatzbereich: die Aquaplaningversuche. Wegen seiner stattlichen Breite ist der 215er-Reifen grundsätzlich anfällig für Aquaplaning. Die größten Sicherheitsreserven bietet der Michelin Pilot Exalto, er kann das Wasser am effektivsten unter seiner Lauffläche verdrängen. Trotz laufrichtungsgebundenen Profils kann der Marangoni da nicht mithalten, er verliert schon bei deutlich niedrigerer Geschwindigkeit den Kontakt zur Fahrbahn, Punktabzug für den Italiener. Auch bei unserem Bremstest aus Tempo 100 auf nasser Piste können seine Leistungen nicht überzeugen, doch die Aquaplaninggröße von Michelin patzt ebenfalls, rutscht sogar noch am wasserscheuen Marangoni vorbei. Auch für den S.drive von Yokohama ist der Test eigentlich schon gelaufen; mit einem zusätzlichen Bremsweg von fast zwei Fahrzeuglängen ist er aus dem Rennen.
Wer beim Bremsen auf Nässe patzt, ist aus dem Rennen
Kommt es in Kurven zu Aquaplaning, schiebt das Fahrzeug stur geradeaus.
Bild: U. Sonntag
Vorbildlich dagegen die brandneuen Reifen von Hankook und Goodyear, sie liefern sowohl die kürzesten Bremswege als auch die schnellsten Rundenzeiten auf der bewässerten Kreisbahn. Denn ihre Gummimischung besitzt den optimalen Nässegrip, eine wichtige Voraussetzung für die schnelle und sichere Hatz über den bewässerbaren Wachauring. Mit seinen abwechslungsreichen Bergabpassagen, Kuppen und Wechselkurven ist er das ideale Revier für den Reifentester, hier trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Mit den Nässetalenten von Hankook und Goodyear ist der Test-Corsa leicht und sicher auf der Ideallinie zu halten, spurstabil geht er durch die Schikane, und in der schnellen auf die Start-Ziel-Gerade einmündenden Linkskurve sorgt ein wohldosierter Lastwechsel für die korrekte Ausrichtung des Corsa-Hinterteils.
Wenn Fahrzeug und Reifen so harmonisch zueinander finden, ist purer Fahrspaß garantiert, der uns auch abseits der Rennstrecke im normalen Verkehrsalltag ein narrensicheres Fahrgefühl vermittelt. Das gilt sowohl für nasse als auch für trockene Fahrbahnoberflächen und erst recht bei einer Vollbremsung am Stauende. Hier zählt jeder Zentimeter. Wir proben den Ernstfall und gehen bei unseren Testkandidaten mit vollem Bremsdruck auf das Bremspedal. Die Reifen von Hankook und Nokian ziehen schwarze Striche auf dem trockenen Asphalt, kommen nach weniger als 36 Meter zum Stehen – eine beeindruckende Leistung. Doch auch die anderen Kandidaten tun etwas für die Sicherheit, bei Michelin und Yokohama als schlechteste Bremser verlängert sich der Bremsweg um gerade mal 1,3 Meter. Um Sicherheit geht es auch in der Königsdisziplin, dem Handling auf trockener Piste.
Sicherheit und Fahrspaß gehen Hand in Hand
Ein niedriger Rollwiderstand hilft beim Spritsparen.
Bild: U. Sonntag
Aufgeschlüsselt nach Lenkverhalten, Spurstabilität, Lastwechselverhalten und Balance werden die dynamischen Qualitäten jedes Kandidaten präzise beurteilt. Zusammen mit der Rundenzeit ergibt sich daraus am Ende die Handling-Gesamtnote. Ein Hauch von Rennatmosphäre liegt in der Luft, als der Corsa OPC endlich zeigen darf, was in ihm steckt. Kumho, Continental, Hankook und Michelin erreichen mit ihren ausgewogen dynamischen Qualitäten eine "gute" Gesamtnote. Mit einer gehörigen Extraportion Fahrspaß wecken Yokohama und Goodyear aber erst das Tier im Corsa. Bestnoten bei der subjektiven Beurteilung, ein Lächeln auf den Gesichtern der Tester und die schnellsten Rundenzeiten sichern ihnen verdient die Bestnoten im Kapitel Trockenhandling.
Fazit des Reifentest-Teams von AUTO BILD
Wir haben ihn gesucht und gleich zweimal gefunden – den besten Sportreifen der Dimension 215/45 R 17. Aus einem insgesamt starken Kandidatenfeld machen am Ende zwei Neuerscheinungen das Rennen: der Goodyear Eagle F1 Asymmetric überzeugt durch seine Spitzenleistungen auf nasser wie trockener Piste, der Hankook Ventus V12 evo mit ausgewogen guter Leistung zum fairen Preis.
Reifentest 215/45 R 17
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Elf Reifen in 215/45 R 17 stehen an der Startlinie zum Test: Zwei von ihnen sind allen Anforderungen gewachsen – reif für die Rennstrecke.
Bild: U. Sonntag
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Boxenstopp für unseren Testwagen, den Opel Corsa OPC: Auch serienmäßig fahren Corsa GSi und OPC auf Reifen in 215/45 R 17. Der Check des Fülldrucks gehört zur täglichen Routine.
Handling trocken: Schnell, sicher und in perfekter Harmonie sprintet der Corsa OPC mit Yokohama- und Goodyear-Bereifung über den Wachauring. Dem Toyo Proxes T1-R mangelt es an der stabilen Seitenführung.
Bremsen trocken – Bremsweg aus 100 km/h in Metern: Ein guter Sportreifen muss gerade beim Bremsen überzeugende Leistungen bieten. Auf Hankook, Nokian und Pirelli steht unser Test-Corsa bereits nach 36 Metern. Michelin Yokohama stehen dagegen erst bei 37,2 Metern.
Abrollkomfort – Subjektiv: Wer auf breiten Reifen unterwegs sein möchte, muss beim Abrollkomfort zu deulichen Abstrichen bereit sein. Goodyear, Continental und Michelin schlucken leichte Unebenheiten und Kanaldeckel am effektivsten.
Vorbeifahrgeräusch: Die Flüsterreifen von Kumho, Goodyear und Hankook schonen die Umwelt mit den geringsten Geräuschemissionen. Hinter dem Lenkrad bringt uns aber der "laute" Conti SportContact 3 auch nicht aus der Ruhe.
Rollwiderstand: Nach Faustformel reduziert der Goodyear Eagle F1 als bester Leichtlaufreifen den Kraftstoffkonsum um etwa drei Prozent. Am schlechtesten schneiden Continental und Marangoni ab.
Aquaplaning in der Kurve: Kommt es in Kurven zu Aquaplaning, schiebt das Fahrzeug stur geradeaus. Kumho und Marangoni bieten die wenigsten Sicherheitsreserven. Testsieger in dieser Disziplin ist ist Michelin.
Aquaplaning längs – Aufschwimmgeschwindigkeit in km/h: Bei Aquaplaning bietet der Michelin die besten Sicherheitsreserven. Erst bei Tempo 84 schwimmen die Vorderräder des Corsa auf. Der Marangoni verliert schon bei 75 km/h den Kontakt zur Piste.
Bremsen nass: Mit Goodyear oder Hankook bereift, steht unser Test-Corsa bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 bereits nach 57 Metern. Auf den Reifen von Yokohama benötigt er zwei zusätzliche Wagenlängen.
Kreisbahn: Die brandneuen Reifen von Goodyear und Hankook können sich klar von den Verfolgern absetzen. Der gerade eingeführte Marangoni Mythos bringt dagegen auf Nässe keine überzeugende Leistung.
Ganz bewusst haben wir auf ein Billigprodukt aus Fernost verzichtet, denn alle Erfahrungen der Vergangenheit lassen nur den einen Schluss zu: Finger weg von Billigreifen. Nun zur Bewertung aller Reifen mit ihren Stärken und Schwächen:
Vorbildlich – Goodyear Eagle F1 Asymmetric 91 Y. Stärken: Spitzenfahrleistungen mit guter Seitenführung und hervorragende Lenkpräzision bei Trockenheit, beste Seitenführung und kurze Bremswege bei Nässe. Schwächen: mäßiger Abrollkomfort. Preis: ca. 165 Euro.
Vorbildlich – Hankook Ventus V12 evo 91 Y. Stärken: sehr gutes Allroundtalent, überzeugende Handlingeigenschaften mit guter Seitenführung bei Nässe und die kürzesten Bremswege auf trockener Fahrbahn. Schwächen: eingeschränkter Komfort. Preis: ca. 125 Euro.
Empfehlenswert – Pirelli P Zero Nero 91 Y. Stärken: ausgewogen sicheres Fahrverhalten auf nasser Piste, kurze Bremswege auf nasser wie trockener Fahrbahn und gute Aquaplaningreserven. Schwächen: mäßiger Abrollkomfort. Preis: ca.140 Euro.
Empfehlenswert – Dunlop SP Sport Maxx 87 V. Stärken: gute Seitenführung und überzeugende Handlingeigenschaften auf nasser Fahrbahn, niedriger Rollwiderstand. Schwächen: verzögertes Lenkansprechen auf trockenem Fahrbahnbelag. Preis: ca. 130 Euro.
Empfehlenswert – Kumho Ecsta KU 19 91 W. Stärken: ausgewogenes Trockenhandling mit hoher Lenkpräzision, kurze Nassbremswege und ein leises Abrollgeräusch. Schwächen: eingeschränkte Sicherheitsreserven bei Aquaplaning in Kurven. Preis: ca. 120 Euro.
Empfehlenswert – Continental SportContact 3 91 W. Stärken: sicheres und stabiles Fahrverhalten auf trockener Piste, gute Sicherheitsreserven bei Aquaplaning. Schwächen: verlängerte Nassbremswege und ein erhöhter Rollwiderstand. Preis: ca. 160 Euro.
Empfehlenswert – Michelin Pilot Exalto 2 91 W. Stärken: dynamisch, sicheres Fahrverhalten auf trockener Piste und die größten Sicherheitsreserven bei Aquaplaning. Schwächen: verlängerte Bremswege und eingeschränkte Traktion bei Nässe. Preis: ca. 170 Euro.
Befriedigend – Nokian NRY 91 Y. Stärken: kurze Bremswege auf trockener Strecke und ein niedriger Rollwiderstand. Schwächen: stark untersteuerndes Fahrverhalten auf trockener Fahrbahn und verlängerte Bremswege bei Nässe. Preis: ca. 125 Euro.
Befriedigend – Toyo Proxes T1-R 91 W. Stärken: harmonisches Fahrverhalten auf nasser Strecke, kurze Trockenbremswege. Schwächen: mäßige Lenkpräzision und eingeschränkte Seitenführung auf trockener Piste, lange Nassbremswege. Preis: ca. 120 Euro.
Befriedigend – Marangoni Mythos 91 Y. Stärken: kurze Bremswege auf trockener Piste und ein leises Vorbeifahrgeräusch. Schwächen: geringe Seitenführung und unausgewogene Fahreigenschaften auf nasser Piste, erhöhter Rollwiderstand. Preis: ca. 95 Euro.
Bedingt empfehlenswert – Yokohama S.drive 91 Y. Stärken: der Spezialist für trockene Pisten, präzises Lenkverhalten. Schwächen: die längsten Bremswege, eingeschränkte Seitenführung und lastwechselanfälliges Fahrverhalten bei Nässe. Preis: ca. 125 Euro.