Reifentest VA 235/35 – HA 295/30 R 19

Reifentest VA 235/35 – HA 295/30 R 19 Reifentest VA 235/35 – HA 295/30 R 19

Reifentest VA 235/35 – HA 295/30 R 19

— 09.04.2009

Auf heißen Reifen

Warum sollte sich Gutes nicht verbessern lassen? AUTO BILD SPORTSCARS greift beim Test für den Cayman zur Tuninggröße 19 Zoll. Sieben extrabreite Schlappen gehen an den Start.

Unbestritten zählt ein Porsche zu den aufregendsten Sportwagen überhaupt. Faszination Porsche: Sobald der Motor grollend erwacht und sich die Räder in Bewegung setzen, entsteht für den Fahrer eine fesselnde Wirkung, die von allen Sinnen Besitz ergreift. Die perfekte Fahrmaschine eben und damit das ideale Testfahrzeug für unseren Reifentest. Serienmäßig rollt der Cayman S auf 18-Zoll-Rädern der Serie 40 (vorn 235/40, hinten 265/40 ZR 18). Doch für unseren Test greifen wir zur Reifendimension des großen Bruders, des Porsche 911 Carrera: 235/35 vorn, hinten 295/30 R 19.

Der 911er ist in jeder Hinsicht ein heißes Eisen

Die Porsche-Bremsen und Pirellis 19-Zöller sind ein starkes Team. Aus 100 km/h steht der Cayman bereits nach 33 Metern.

Kann das gut gehen? Die Fachleute der Reifenindustrie sind skeptisch. "Der 911er ist in jeder Hinsicht ein heißes Eisen", so Christian Mathes von Bridgestone, "aufgrund seiner extrem hecklastigen Gewichtsverteilung funktionieren bei ihm nur speziell auf diese Besonderheit zugeschnittene Reifenkonstruktionen." In der Tat, mit dem schweren Sechszylinder-Boxer im Heck lasten bei der Sportikone aus dem Hause Porsche fast 60 Prozent des Gewichts auf der Hinterachse. Das ist gut für die Traktion, doch in der Kurve drängt es das Heck aus der Kurve. Um in der Spur zu bleiben, muss der Hinterreifen enorme Querkräfte verdauen und gleichzeitig für eine stabile Seitenführung sorgen. Beim Mittelmotor-Sportler Cayman liegt der Motor dagegen zwischen den Achsen, die Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse beträgt nahezu ideale 50 zu 50 Prozent.

Die Seitenführung der Hinterräder sorgt für Stabilität

Bei Aquaplaning längs bietet der markant profilierte Vredestein die besten Sicherheitsreserven.

Wir sind gespannt, als wir zum ersten Mal mit unserem mit 19-Zöllern bereiften Cayman auf den Handlingkurs gehen. Knackig und eine Spur direkter als mit der Serienbereifung geht der Cayman in die Kurve, für die beste Rückmeldung sorgen die Pneus von Hankook und Pirelli. Mit überzeugender Seitenführung punkten die beiden mit "N-Kennung" als Porsche-Spezifikation gekennzeichneten Testreifen von Bridgestone und Michelin. Viel zu soft im Einlenkverhalten umrundet der Cayman dagegen unseren Testparcours auf den Pneus von Vredestein; bei der Messung der Rundenzeiten verliert er auf den Pirelli P Zero gute zwei Sekunden. Auch bei Nässe kann er das Tempo der Topreifen in Kurven nicht mitgehen, sammelt aber Pluspunkte bei der Fahrsicherheit. Mit seinem neutralen bis leicht untersteuernden Fahrverhalten bleibt er stets brav und beherrschbar in der Spur. Und das ist nicht selbstverständlich.

Blitzschnelle Reaktionen und ein gutes Gespür für kritische Fahrsituationen sind mit dem Pilot Sport von Michelin Grundvoraussetzungen für eine schnelle Runde. Doch auch der RE 050 A von Bridgestone und Contis SportContact 3 sind nicht frei von Tücke. Deutlich entspannter kommt man dagegen mit dem P Zero von Pirelli über die Runden. Die beste Vorstellung bietet aber der koreanische Hankook S1 Evo: Seine überzeugende Seitenführung und ein sportlich-harmonisches Fahrverhalten machen ihn auf dem Nassparcours klar zum Favoriten. Auch beim Bremsen auf nasser Fahrbahn bietet er, gemeinsam mit dem Pirelli, die größten Sicherheitsreserven. Rekordverdächtig sind auch die Bremswege der 19-Zöller von Pirelli, Bridgestone und Michelin auf trockener Fahrbahn.

Der Satz Pirelli-Reifen ist exakt 6,28 Zentimeter höher als der Hankook-Satz.

Nach nicht einmal 34 Metern steht unser Testwagen nach einer Vollbremsung aus Tempo 100. Eine klasse Leistung, die wieder einmal zeigt, dass sinnvolles Tuning auch ein "Mehr" an Sicherheit im Verkehrsalltag bedeuten kann.

Andere Breite, gleicher Dimension

Trotz gleicher Dimension können die tatsächlichen Baugrößen von Winter- und Sommerreifen bei unterschiedlichen Herstellern ganz erheblich voneinander abweichen. Die ETRTO (European Tyre and Rim Technical Organisation) als Normengeber der Reifenhersteller lässt recht erhebliche Toleranzen bei der Fertigung zu. So ist der aufeinandergestappelte Testsatz Pirelli-Reifen exakt 6,28 Zentimeter höher als der Hankook-Satz.
Dierk Möller-Sonntag

Dierk Möller-Sonntag

Fazit

19-Zöller in 911-Carrera-Dimension für den Porsche Cayman: Kann das gut gehen? Nicht automatisch, wie das tückische Fahrverhalten mit so manchem Testkandidaten zeigt. Doch zweimal finden wir eine passende Reifenkombination, die das Fahrverhalten spürbar verbessert. Für ihr perfekt dynamisches Handlingverhalten auf nasser wie trockener Piste erhalten der aktuelle Hankook S1 Evo und der Klassiker Pirelli P Zero unser Qualitätssiegel "Vorbildlich". Besonders erfreulich: Der Zugewinn an Fahrspaß ist gepaart mit einem Zuwachs an Verkehrssicherheit, wie die sensationell kurzen Bremswege beweisen.

Autoren: Dierk Möller-Sonntag, Henning Klipp

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