Vergleich Porsche Cayman S/Lotus Exige S Performance
Der Schöne und das Biest

Der Porsche Cayman S gehört zum Besten, was in Sportwagenkreisen umherfährt. Der Lotus Exige S Performance hält dagegen: mit 243 Kompressor-PS und konsequentem Leichtbau.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wie sonst sollte er die Rente mit 67, diamantene Hochzeiten oder mehr als 4000 Folgen GZSZ ertragen können? Doch was uns auf der einen Seite über manche Länge in unserem Leben hinweghilft, erweist sich für die Firma Porsche andererseits als echtes Dilemma. Denn mittlerweile haben wir uns an die Sportler aus Stuttgart gewöhnt wie an die Verspätungen der Deutschen Bahn. Allein in den letzten zehn Monaten gingen weltweit 81.025 Porsche über den Verkaufstresen. New York, Rio, Tokio? Hier gucken nicht mal mehr Zwölfjährige, wenn so ein Boxer-Beau vorbeibrabbelt. Und auch in Hamburg, München oder Berlin parkt an jeder zweiten Straßenecke so ein Traum-Tänzer. Was nützt es dem Cayman-Dompteur also, dass er mit seiner Auto-Wahl eigentlich alles richtig gemacht hat, wenn der mitgekaufte Aufmerksamkeitswert nicht mal mehr dem eines gut erhaltenen Youngtimers entspricht?
Beim Leistungsgewicht hat der Lotus eindeutig die Nase vorn

Bild: Andreas Lindlahr
Der Exige S Performance sprintet wie besessen

Bild: Andreas Lindlahr
Beim Cayman-Kunden sieht das sicherlich anders aus. Kühle, blonde Hanseaten-Töchter oder in Würde ergraute Playboys legen durchaus Wert auf maßgeschneiderte und bequeme Sitze, üppige 410 Liter Kofferraum sowie eine alltagstaugliche Federung. Im Cayman S alles serienmäßig – zusätzlich zum famosen Sechszylinder-Boxer, der gleich hinter den Sitzen (aber gut versteckt) auf seinen Einsatz lauert. Wer den 3,4-Liter weckt, bereut es nur ganz, ganz kurz. Denn sobald die Nadel des Drehzahlmessers über die 3000-Touren-Marke wischt, gibt es für den Porsche kein Halten mehr. Das anfangs noch etwas dünne Stimmchen schwillt zu einem fetten Bassbeat, und der Cayman schnellt so ungestüm nach vorn wie sein tierischer Namensvetter auf Beutefang. Nach nur 5,6 Sekunden fliegen wir mit 100 km/h durchs Ländle, 18,8 Sekunden reichen für Tempo 200, Schluss ist erst bei 275 km/h – wer braucht da noch den großen Bruder 911? Zumal der Cayman auch noch schlanker und schärfer vorfährt.
Auf der Rennstrecke bleibt der Porsche Cayman S gut beherrschbar

Bild: Andreas Lindlahr

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Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka
Am Ende sammelt der Cayman die meisten Punkte, weil er neben der Rennstrecke auch den Alltag beherrscht. Der Exige S liefert dafür den heißeren Ritt auf dem Hockenheimring und nimmt dem Porsche dort eine knappe Sekunde ab. Zudem siegt der Engländer für mich in der Rubrik Erotik auf Rädern. Er ist einfach das schärfere Teil.
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