Drei scharfe Porsche im Test
Welcher ist der wahre Porsche?

Turbo, Cayman S oder Carrera S: Ist Leistung alles – oder was zeichnet einen Porsche wirklich aus? Der Vergleich durch drei Sportwagen-Klassen liefert verblüffende Erkenntnisse.
- Hermann J. Müller
Cayman, Carrera oder Turbo – wie viel Porsche braucht es zum Glück? Die wichtigste Frage blenden wir zunächst mal aus – die nach dem Geld. Wir sind nämlich auf Charaktersuche. Genau: Wer gutmütig oder cholerisch ist, behäbig oder athletisch, nervös oder stoisch. Kurzum: wer uns auf der Piste so richtig anmacht. Fangen wir ganz oben an: bei der Krone der Porsche-Schöpfung. Der Turbo ist die ultimative Dampf-Maschine, das in Blech gepresste Feindbild von Renate Künast (Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen): 480 PS stark, 310 km/h schnell. Und – wie sich überraschenderweise herausstellt – ein ganz normales Auto. Das man entert, ohne sich verbiegen zu müssen. Das sich bedienen lässt wie ein ganz normales Alltagsvehikel. Das problemlos im sechsten Gang durch den Stadtverkehr rollt. Und das bei Bedarf explodiert – natürlich bildlich gesprochen.
Der Sound des 911 Turbo verrät nicht seine Kraft

Bild: Lena Barthelmeß
Auch beim Carrera S sollte man das ESP nicht abschalten

Bild: U.Sonntag
Also: Sooo klein ist er nun auch wieder nicht. Trotzdem wirkt er im Vergleich zu seinen beiden großen Brüdern fast wie eine Klasse kleiner. Und das liegt nicht nur am filigranen Design, das vor allem im Heckbereich völlig neue Porsche-Perspektiven vermittelt. Den fetten Hintern mit dem ausfahrbaren Tablett sucht man hier vergebens, stattdessen entzückt uns ein knackiger Po mit einer rattenscharfen Abrisskante. Auch im Innenraum geht es rasanter zu als bei den Elfern: keine Alibi-Rückbank für hartgesottene Vierjährige, sondern ein kompromissloser Zweisitzer, hauteng geschnitten, modern, aber unverkennbar nach Art des Hauses gestylt. Zündschlüssel links, Drehzahlmesser in der Mitte, Beifahrer rechts – so muss es sein. 295 Boxer-PS sind genau die richtige Portion für das 1400-Kilo-Paket. Dazu das fantastische Handling – der kleine Porsche macht richtig Alarm. Und die Stoppuhr liefert den Beweis. Mit 1:51.52 Minuten pro Runde bleibt der Cayman auf der Rennstrecke nur um zwei Sekunden hinter dem Carrera und um 5,5 Sekunden hinter dem Turbo zurück.
Die Unterschiede auf der Rennstrecke spielen im Alltag keine Rolle

Bild: H.Schaper
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Hermann-J. Müller
Vom Sieg nach Punkten mal ganz abgesehen: Mehr als einen Cayman S braucht kein Mensch. Zumindest niemand, der nach den guten alten Porsche-Werten sucht. Die da heißen: Sportlichkeit, Leichtigkeit, Fahrspaß. Auch wenn Traditionalisten am Heckmotor hängen und Leistungsfetischisten den Turbo anbeten: Wir würden im Zweifel den modernen, kompakten Cayman dem altehrwürdigen Elfer vorziehen – und dabei noch eine Menge Geld sparen.
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