Test Porsche 911 Carrera 4S/Audi R8
Hab acht, Carrera!

Der Porsche Carrera 4S ist der erklärte Hauptgegner des Audi R8. AUTO BILD SPORTSCARS hat die beiden Sportler zum ultimativen Duell auf der Nordschleife antreten lassen.
Als der Audi R8 Anfang vergangenen Jahres auf den Markt kam, war die Zielrichtung klar: Der Hauptgegner des futuristisch gezeichneten Ingolstädters ist Porsche, genauer: der 911 Carrera 4S. Ein selbst ernannter Porsche-Killer also. Dass er das Zeug zum Sieger hat, konnte der R8 bereits 2007 unter Beweis stellen: In Oschersleben fuhr der Audi schneller um den Kurs als der Carrera 4S. Dennoch reichte das dem R8 nicht zum Sieg. Zu makellos war der Auftritt des 911, dem Audi fehlte das letzte Quäntchen Perfektion, um den 911er in die Schranken zu weisen. Jetzt wurde auf Seiten der deutschen Sportwagenikone 911 mit Benzin-Direkteinspritzung, einer Leistungssteigerung um 30 PS und dem hoch gelobten Doppelkupplungsgetriebe nachgerüstet. Grund genug, Audi R8 und Carrera 4S zur ultimativen Feststellung der Vorherrschaft auf die Nordschleife zu bitten. Hat der Audi R8 das Zeug zum Porsche-Killer auf der anspruchsvollsten Strecke der Welt?
Beide schaffen 101 PS pro Liter
Stolz und gut gerüstet stehen sie da: der brandneue Porsche 911 Carrera 4S und der Audi R8, beide gesegnet mit Allradantrieb, beide angetrieben von einem Benzin-Direkteinspritzer mit identischer Literleistung, mittig platziert im R8, hinten sitzend beim Elfer. 101 PS pro Liter schafft der V8-Saugmotor des R8, 101 PS pro Liter sind es auch beim Sechszylinder-Boxer des Porsche 911. Beide sind mit jeweils optionalen Keramik-Bremsanlagen ausgestattet, den Porsche strafft neben der bei den S-Modellen serienmäßigen aktiven Dämpferkontrolle PASM ein 20 Millimeter absenkendes Sportfahrwerk inklusive mechanischer Hinterachssperre (optional ohne Aufpreis). Der R8 verfügt über das adaptive Magnetic-Ride-Fahrwerk, das gegen Zuzahlung von 1740 Euro eine Voreinstellung in den Stufen Normal und Sport erlaubt. Während der Audi R8 über das sequenzielle R-Tronic-Sechsganggetriebe (Aufpreis: 7400 Euro) geschaltet wird – wahlweise über Paddel am Lenkrad, automatisch oder über den Wählhebel –, kommt im Porsche das neue Doppelkupplungsgetriebe PDK (Porsche-Doppel-Kupplung: 3511 Euro) zum Einsatz. Geschaltet werden hier sieben Gänge, entweder automatisch, über den Ganghebel oder über vier gewöhnungsbedürftige Tasten am Lenkrad. Gewöhnungsbedürftig deswegen, weil man sowohl mit der linken als auch mit der rechten Hand sowohl rauf- als auch runterschalten kann.
Das sequenzielle Getriebe im Audi gönnt sich Schaltpausen

Bild: Lena Barthelmeß
Überaus eng geht es bei den Fahrleistungen zu: Eine Zehntelsekunde liegt der Porsche beim Spurt auf 100 km/h vorn, vier Zehntel sind es beim Wert 0 bis 200 km/h – nicht die Welt. Ein anderer Wert macht schon neugieriger auf die Performance auf der Nordschleife: Der R8 liegt beim Leistungsgewicht mit 3,9 Kilogramm pro PS vor dem Porsche mit 4,0 kg pro PS. Ein Hinweis auf schnellere Rundenzeiten? Rennfahrer Sascha Bert wartet bereits vor der Touristenzufahrt zur Nordschleife, als die beiden Kontrahenten vorfahren: der bei niedrigen Touren eher zurückhaltend klingende Porsche 911 und der bereits bei knapp über Leerlaufdrehzahl kräftig wummernde R8. Letzterer liegt akustisch etwas näher an Berts derzeitigem Renngerät, einer Corvette aus der FIA-GT3-Serie. Doch heute soll er ganz normale Sportwagen von der Stange am Limit bewegen. "Mal was anderes", erklärt der Darmstädter grinsend. "Aber die beiden stehen ja auch recht gut im Futter." Dann geht es auf die 20,8 Kilometer lange Strecke. Für beide gilt dasselbe Prozedere: eine Runde zum Aufwärmen und Kennenlernen, dann zwei Runden auf Zeit. Danach lassen normale Straßenreifen in der Regel schon deutlich nach. Mit Semislicks wären etwa um zehn Sekunden bessere Zeiten erfahrbar, doch in diesem Fall fahren wir mit ganz normalen Serienpneus.
Aus den Kurven kommt der Allrad-911 mit einer irren Traktion

Bild: Lena Barthelmeß
Gegen den Audi R8 hat der Porsche 911 am Ende keine Chance

Bild: Lena Barthelmeß
Das Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Ralf Kund
Mit eher emotionalen Credits wie Design oder Motorsound kann der Audi R8 schon lange punkten. Doch die Anerkennung als echter Sportwagen wurde dem Ingolstädter in manchen Kreisen verwehrt. Mit dem Sieg gegen den Hauptkonkurrenten 911 4S auf der Nordschleife stellt der R8 klar: Ich bin ein Porsche-Killer. Dafür fünf Killer-Punkte.
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