Test Audi R8 V12 TDI
Audis Heizöl-Ferrari

500 PS und 1000 Nm: Dieser R8 ist etwas ganz Besonderes. Nicht, weil er 325 km/h schafft, sondern weil er einen besonderen Saft tankt: Diesel. Die erste Ausfahrt mit dem Zwölfzylinder-Prototypen versetzt nicht nur AUTO BILD in Staunen.
- Georg Kacher
Das Coupé im grellen Feuerwehr-Outfit erregt so viel Aufsehen, dass wir Polizeischutz benötigen. Molina und Rodriguez von der Highway Patrol in Miami leisten ganze Arbeit, denn in der US-Hauptstadt der Autoverrückten stirbt ein sensibles Showcar wie unser zwei Millionen Euro teures Einzelstück ohne Blaulicht und Sirenen-Eskorte leicht den schnellen Stau-Tod. Um den Audi R8 V12 TDI zu starten, drückt man einen roten Knopf in der rechten Lenkradspeiche. Was folgt, ist der vermeintlich falsche Soundtrack: sattes Brabbeln statt profanen Nagelns, böses Ansaugfauchen gepaart mit lautem Tubo-Pfeifen, aggressives Teillast-Bollern. Und bei jedem Hochschalten ist ein kurzes Laderzischen als akustische Quittung zu vernehmen. Nominell leistet der Sechsliter-V12 500 PS und 1000 Nm. Geschaltet wird manuell. Das wunderbar leichtgängige Getriebe stammt aus dem A4, die verstärkte Kupplung arbeitet mit Samthandschuhen, die Übersetzung reicht im großen Gang von der Collins Avenue fast bis nach Palm Beach.
Der mächtige Diesel-V12 steht dem Audi R8 ausgesprochen gut

Bild: J.Roe
Neu gestaltete Anbauteile sollen die Aerodynamik verbessern

Bild: J.Roe
In den feuerroten Sätteln hausen insgesamt 24 Bremskolben, die uns beim Tritt aufs Pedal die Sonnenbrille von der Nase ziehen und das Haupthaar von hinten nach vorn frisieren. Obwohl die Bereifung des Hinguckers seit dem Genfer Salon an der Hinterhand von 305er- auf 295er-Reifen abgespeckt wurde, erinnern Grip und Straßenlage unverändert an die virtuellen Wunderautos aus dem Reich der Videospiele. Was muss passieren, damit Miami nicht der letzte Auftritt des neuen R8 mit dem großen Diesel-Herzen war? Antwort: Das Projekt muss sich rechnen – entweder über eine limitierte Auflage zum hohen Preis oder über mutigere Stückzahlen für das gesamte R8-Programm. Knackpunkt ist in beiden Fällen das Getriebe. Gearbeitet wird derzeit an einem Siebengang-Doppelkupplungsaggregat, das mit drei Wellen kompakt genug ausfällt und es trotzdem mit dem 1000-Nm-Monsterwumms aufnehmen kann. Von diesem modularen Räderwerk sollen demnächst alle Mittelmotorautos des Konzerns profitieren.
Die Applikation des Zwölfzylinders ist dagegen eine relativ leichte Übung – mit dem positiven Nebeneffekt, dass die geänderte Einbaulage und das leichtere Getriebe eine noch ausgewogenere Achslastverteilung bewirken. Der Zeitplan für das Projekt sieht in groben Zügen so aus: Getriebe- Entscheidung in drei Monaten, Gesamtfahrzeug- Enscheidung Ende 2008, Serieneinsatz Frühjahr 2010. Die Chancen stehen offiziell 50 zu 50 – jetzt kommt es vor allem darauf an, was Ferdinand Piëch, Rupert Stadler und Martin Winterkorn dazu sagen.
Das Fazit von AUTO BIILD-Autor Georg Kacher
Ein R8 mit Zwölfzylinder- Dieselmotor ist sicher nicht das, was wir heute unbedingt brauchen. Faszinierend aber ist das geballte Stück Technik allemal. Audi beweist damit seine enorme Kompetenz auch im Bau exklusiver Supersportwagen. Ob dieser R8 nun in einer Mini-Stückzahl tatsächlich in Serie geht, ist zweitrangig. Dass aber ein Dieselmotor als Antriebsquelle für so ein Auto taugt, ist die wahre Nachricht.
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