Renault Zoe: Fahrbericht

— 21.03.2013

Das E-Auto wird bezahlbar

Der Renault Zoe ist der Auftakt für die zweite Generation der Elektroautos – schick, modern und bezahlbar. Ein erster Fahrbericht.

 



Der Fortschritt riecht etwas streng. Nach Klo-Stein. Und der Fortschritt klingt ein wenig gewollt. Nach Raumschiff Enterprise. Dabei ist der Renalt Zoe auch ohne "Aktiv-Duftspender für belebende oder entspannende Aromen im Innenraum" und ohne das künstlich-futuristische Fahrgeräusch "Z.E.-Voice" ein Auto, dass die Sinne anspricht. Vorausgesetzt, es steht einem der Sinn nach Elektroauto. Mit dem Zoe wird das E-Mobil erwachsen. Zwar kommt auch das Akku-Auto auf Clio-Basis mit einer Batterieladung nur begrenzt weit (je nach Wetter und Fahrstil zwischen 100 und 210 Kilometer). Doch das erste Modell aus Renaults Zero-Emission-Reihe, das von Grund auf als reines E-Auto konzipiert wurde, beweist, dass so mancher Makel wegentwickelt werden kann.

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Bei der Ladetechnik setzt Renault auf seinen "Chameleon Carger", der vier verschiedene Ladegeschwindigkeiten möglich macht.

Vorbei die Zeiten der ersten überteuerten, etwas merkwürdig aussehenden Elektrodosen auf vier Rädern. Anders als sein älterer Halbbruder, der Nissan Leaf, sieht der Zoe nicht mehr nach E-Auto aus. Von außen lässt sich die lokale Emissionslosigkeit nur anhand des fehlenden Auspuffsrohres erkennen. Das Zoe-Design ist schick und somit massentauglich. Und von innen wurde eine lokale Emotionslosigkeit verhindert, indem konsequent auf Sparerlebnis gesetzt wird. Über die Instrumententafel und den 7-Zoll-Touchscreen kann der Fahrer nicht nur Energieverbrauch oder den Weg zur nächsten öffentlichen Ladestation erkennen, sondern ist so multimedial unterwegs wie nie zuvor in dieser Fahrzeugklasse. Aber in erster Linie soll so ein Auto ja auch fahren.

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Über die Instrumententafel und den 7-Zoll-Touchscreen kann der Fahrer den Energieverbrauch erkennen.

Dass ein E-Motor mit einer Maximalleistung von 65 kW und sofort verfügbarem Drehmoment für innerstädtischen Fahrspaß sorgt, ist hinlänglich bekannt. Und dass der Zoe so manchen Sportwagenfahrer auf dem falschen Fuß erwischen kann, wenn die Ampel auf Grün wechselt, überrascht längst nicht mehr. Die maximale Reichweite von 210 Kilometern relativiert sogar der Hersteller als kaum erreichbar. Doch eine effizientere Bremsenergierückgewinnung, eine Klima-Wärmepumpe und neue Energiesparreifen sollen den Aktionsradius vergrößern. Bei der zügigen Probefahrt zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch zwischen 14 und 15,5 kWh auf 100 Kilometern an. Das lässt auf eine realistische Reichweite von rund 150 Kilometern schließen. Wer die Eco-Taste in der Mittelkonsole drückt, kommt laut Hersteller bis zu 18 Kilometer weiter, weil er andere Verbraucher runterfährt und wegen halber Motorleistung nicht schneller als 90 km/h fahren kann.

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Bei der Ladetechnik setzt Renault auf seinen "Chameleon Carger", der vier verschiedene Ladegeschwindigkeiten möglich macht. So können die 22 kWh in neun Stunden oder (80 Prozent davon) in 30 Minuten eingespeist werden. Auf die Lademöglichkeit an einer normalen Haushaltssteckdose verzichtet Renault. Damit bringt man sich um Millionen möglicher Ladestationen. Doch um das E-Auto erwachsen werden zu lassen, muss man sich eben auch mal von der Idee trennen, ein 20.000-Euro-System mit dem gleichen Stecker anzuschließen wie den Fünf-Euro-Eierkocher in der Küche. Wobei, 20.000 Euro ist nicht ganz richtig. Ab 21.700 Euro kostet der Zoe, und das macht ihn eigentlich zu einem ausgewachsenen Konkurrenten für Autos mit Verbrennungsmotor. Ja, die Akku-Miete kommt noch drauf, ab 79 Euro im Monat, dafür bekommt man Diesel für rund 1000 Kilometer. So ist der Zoe mit seinem Paket also eine echte Alternative.

Technische Daten Renault Zoe Elektromotor Dauerleistung 43 kW (58 PS), maximale Leistung 65 kW (88 PS) bei 3000/min • maximales Drehmoment 220 Nm bei 250/min • Lithium-Ionen-Akkus, luftgekühlt • Kapazität 22 kWh • Stromverbrauch (kombiniert) 14,6 kWh/100 km • Ladezeit 30 Minuten (Schnellladung 80 Prozent bis maximal 9 Stunden) • maximale Reichweite 210 km • Frontantrieb • 0-100 km/h in 13,5 Sekunden • Vmax 135 km/h (abgeregelt) • automatisches Untersetzungsgetriebe • Abmessungen L/B/H 4085/1730/1562 • Leergewicht 1503 • Preis ab 21.700 Euro plus Akku-Miete ab 79 Euro/Monat.
Hauke Schrieber

Hauke Schrieber

Fazit

Zoe ist der fahrende Beweis für die fortschreitende Entwicklung bei den batterie-elektrischen Autos. Preis, Ausstattung und Design lassen auch fundamentale E-Auto-Kritiker zweifeln: Hat das Batterie-Auto für ein bestimmtes Klientel vielleicht doch seine Berechtigung? Natürlich hat es das! Respekt für den Mut, Renault!

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