Saab 900 II (1993-1998)

Gebrauchtwagen Saab 900 II 2.0 Gebrauchtwagen Saab 900 II 2.0

Saab 900 II (1993-1998)

— 25.02.2002

Da steckt viel Opel drin

Ein echter Saab oder ein falscher Opel? Hauptsache individuell und solide - aber das ist der Typ 900 II leider nicht immer.

Karosserie und Antrieb

Der 15. März 1990 ist ein Meilenstein in der Saab-Geschichte: General Motors stieg mit 50 Prozent Firmenanteil bei den Schweden ein. Eine überlebensnotwendige Ehe, denn erst zahlreiche Organspenden aus dem Fundus der GM-Tochter Opel verbilligten die Produktion des Bestsellers 900 und sicherten den Fortbestand von Saab. Besser wurde damit längst nicht alles. Die Verarbeitung der ersten Fahrzeuge nach der Konzernhochzeit fiel spürbar schlechter aus. Klappern, Scheppern und Knarren hörten nicht nur empfindliche Fahrerohren öfter als noch in den achtziger Jahren. Ein Testwagen nervte uns 1993 mit Wassereinbruch in beiden vorderen Blinkern, die Heckklappe war schief eingepasst, die Spaltmaße zum Seitenteil klafften auseinander.

Absolut vorbildlich schützten die GM-Schweden den Saab vor Rost. Eine Investition, die sich vor allem für Gebrauchtwagenkäufer lohnt: Sämtliche Hohlräume wurden üppig mit Konservierungsmittel eingesprüht, auch am Unterboden klebt reichlich Rostschutzmasse. Kleines Blech-Detail am Rande: GM bemühte sich erst gar nicht um eigene Presswerkzeuge, vielmehr ließ man Türen, Motorhaube und Kofferraumdeckel gleich beim Zulieferer pressen.

Auch unter der Motorhaube steckt Fremdware, zumindest beim V6 - eine Spende aus dem Opel Vectra. Aber der 170 PS starke Sechser blieb Ladenhüter, Saab-Kunden verlangten Vierzylinder und bekamen sie mit und ohne Turbo. Ohne Aufladung ist der Saab zwar nicht so rasant, dafür fällt eine große Defektquelle weg. Auch Kolbenfresser beobachtet der ADAC häufiger bei den Turbos, die Sauger gelten als robuster. Den Turbolader kann man übrigens im Rahmen der Probefahrt recht einfach testen: Im Stand kräftig das Gaspedal treten und in den Rückspiegel schauen. Schiebt sich eine Wolke in das Blickfeld, hilft nur kräftig den Preis drücken oder gleich ein besseres Auto suchen. Auch Ölverlust rund um den Filterflansch finden Profis häufig, ebenso wie feuchte Flecken am Getriebe.

Elektrik und Technik

Teuer kommen Pannen an der Elektrik. Deshalb sollten Interessenten sämtliche Funktionen vor dem Kauf einmal in aller Ruhe ausprobieren. Dazu gehört auch die Wegfahrsperre, die den Wagen bisweilen lahm legt, im Gegenzug bösen Buben den Diebstahl erleichtert. Ob sie im Ernstfall blockiert, zeigt sich, wenn der sorgfältig mit Alufolie eingewickelte Zündschlüssel den Anlasser noch immer in Bewegung setzt. Ist dies der Fall, hilft nur eine Fahrt in die Werkstatt.

Meistens völlig undramatisch ist dagegen, wenn bei eingeschaltetem Licht nur der Tacho leuchtet, ansonsten die Nacht regiert. Ein Druck auf die Black-Panel-Taste, die einen Teil der Cockpitbeleuchtung ausschaltet, behebt den vermeintlichen Schaden.

Ein Saab-Kuriosum sind die Bremsleitungen:Grundsätzlich trotzen sie dem Rost. Vorsicht ist merkwürdigerweise bei den drei Jahre alten Modellen angesagt, hier sieht der TÜV Rot. Auch Kupplung, Getriebe und die Gelenke der Antriebswellen können nach einigen Lebensjahren das Budget kräftig belasten.

Beim Kauf älterer Fahrzeuge kann eine Gebrauchtwagengarantie nur hilfreich sein, womit wir schon beim Kauf sind. Besonders beliebt ist der Schwede nicht, den Kaufinteressenten kann es nur freuen. Im Saab-Zentrum ist die Auswahl vermutlich groß, und auch Händler anderer Marken werden sich gerne von ihrem gebrauchten 900 trennen. Und das zu garantiert günstigen Kursen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 11/78 Neueinführung des 900 1/85 Modellpflege, Katalysator-Einführung, Zusatz-Blinkleuchten hinter dem vorderen Radausschnitt 10/93 Präsentation des 900 mit Opel-Technik, abgerundeter Formgebung und Breitbandscheinwerfern 2/95 Sondermodell "Special Edition" mit zwei Airbags, ABS und dem "Saab Theft Protection System" 1/97 Sondermodell "Talladega Edition": Spoiler in Wagenfarbe 3/98 Ablösung durch den Saab 93

Schwachstellen • Wegfahrsperre und elektrische Fensterheber zeigen sich gelegentlich launisch und schicken den Saab in die Werkstatt, mit Selbsthilfe kommt man hier nicht weit • Kolbenfresser und Turboschäden sind ein Leiden der Turbomotoren, die ziemlich teuer kommen. Alle Motorisierungen fallen durch Ölverlust an Motor und Getriebe auf • Kupplung und Antriebswellen belasten vor allem bei älteren Fahrzeugen das Fahrer-Budget • Überaus störungsanfällig ist die Beleuchtung, moniert der TÜV immer wieder. Schuld hat der Wassereinbruch in die Breitbandscheinwerfer des Schweden • Rost an der Auspuffanlage nervt regelmäßig die Besitzer der bis zu fünf Jahre alten Modelle

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Saab 900 2.0, 96 kW/130 PS, Baujahr 96. Individualität hat ihren Preis, bei Saab kommt ein weitmaschiges Werkstattnetz hinzu. Gebrauchte Ersatzteile wollen trotz langer Bauzeit gesucht werden.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Bei den drei- bis fünfjährigen Modellen schneidet der Saab 900 in der Kategorie "Beleuchtungsanlage" auffallend schlechter ab als der Durchschnitt. Weitere Schwachstellen sind die Fußbremse, Bremsleitungen und -schläuche, ebenso gibt die Auspuffanlage immer wieder Grund zu Beanstandungen. Vorbildlich ist die nahezu perfekte Rostvorsorge dieser Fahrzeuge, hier gibt es keine Probleme. Ebenso auffallend gut ist die solide Lenkung." Klaus Lesczensky, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Saab 900 2.3 (110 kW/150 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 276 Mark im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werksangabe 8,7 Liter, gemessen 10,7 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (17/1000 Mark SB): 1763 Mark. Teilkasko (25/350 Mark SB): 352 Mark. Haftpflicht (18): 1813 Mark (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 200 bis 550 Mark Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 40 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 2000 Mark Verlust

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