Sicherheit im Auto

Babypause für den Airbag Babypause für den Airbag

Sicherheit im Auto

— 04.12.2005

Baby-Pause für den Airbag

Soll das Baby auf dem Beifahrersitz mitfahren, muß vorher der Airbag abgeschaltet werden. Sonst kann auch ein leichter Crash tödlich enden.

Crash(test) mit fatalen Folgen

Ja, sehen Sie sich die Fotos in der Bildergalerie ruhig genau an. Grausam, nicht wahr? Zum Glück nur ein Crash-Test. Er sollte simulieren, was passiert, wenn eine sogenannte Reboard-Babyschale, also ein gegen die Fahrtrichtung montierter Kindersitz, vom aufplatzenden Beifahrer-Airbag weggeboxt wird. Katastrophal. Die weiche Sitzschale knickt ein, als wäre sie aus Schaumstoff, und das Köpfchen vom Baby-Dummy ab.

Was so ein Unfall für ein echtes Kind bedeuten würde, wollen wir hier gar nicht näher erläutern. Wir wollen an dieser Stelle auch nicht über Reboardsitze wettern. Für Kinder bis neun Monate führt kein Weg an ihnen vorbei. Grund: Nur gegen die Fahrtrichtung montierte Sitze können bei einem Frontalunfall den kleinen Babykopf stützen. Die kindliche Halsmuskulatur ist noch viel zu schwach. Der Testknall zeigt aber deutlich, warum diese Sitze nur auf dem Beifahrersitz stehen dürfen, wenn der Airbag zuvor abgeschaltet wurde (§ 35 Abs. 8 StVZO): Airbag-Sprengsätze sind stärker als leicht verwundbare Kinderknochen. Garantiert.

Nicht nur die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) verbietet den Transport von Babyschalen auf dem Beifahrersitz bei eingeschaltetem Airbag. Auch Autohersteller raten in den Bedienungsanleitungen: Kinder bitte immer nach hinten setzen. Autofahrer, die ihr Baby trotzdem mit nach vorn nehmen wollen, können in vielen aktuellen Modellen den Beifahrerairbag abschalten. Meistens ganz einfach mit dem Zündschlüssel.

Sicherheit für Baby und Beifahrer

Die Verantwortung liegt dann allerdings allein beim Fahrer: Vergißt er, den Beifahrer-Airbag zu reaktivieren, wird möglicherweise ein erwachsener Beifahrer bei einem Crash schwer verletzt, im schlimmsten Fall sogar getötet. Deshalb nutzen einige Hersteller eine Sitzbelegungserkennung. Die aktiviert den Airbag automatisch, sobald ein Beifahrer Platz nimmt. Wird eine Babyschale angeschnallt, schlägt ein Minisender im Sitz Alarm, schaltet den Airbag aus. Vorteil: Der Beifahrer ist immer geschützt. Nachteil: Diese elegante Technik, etwa von DaimlerChrysler, funktioniert nur mit teuren Spezial-Sitzen vom Autohersteller.

Wenn der Airbag-Schalter fehlt oder Hersteller das Abschalten verbieten, bleibt nur der Weg in die Werkstatt, alternativ zum staatlich anerkannten Sachverständigen. Sie programmieren die Airbagsteuerung via Diagnosegerät um oder kappen die Stromversorgung, justieren anschließend das Steuergerät neu. Preis: 90 bis 320 Euro.

Die Änderung muß zudem im Fahrzeugschein eingetragen und von TÜV oder DEKRA abgenommen werden. Das kostet noch einmal etwa 80 Euro. Problem: Der Airbag bleibt aus, bis ihn die Werkstatt wieder einschaltet. Und in der Zwischenzeit kann er erwachsene Beifahrer nicht schützen. Deshalb ist es besser: Kinder sitzen hinten. Immer.

Wo sitzen Kinder richtig?

Mütter kleiner Kinder sagen es zwar immer wieder: Auf dem Beifahrersitz habe ich mein Kind am besten im Blick und im Griff. Richtig ist es trotzdem nicht. Crash-Tests haben eindeutig gezeigt: Im Fond ist der sicherste Platz für die Kleinen, korrekt angeschnallt, im passenden Sitz. Aus diesem Grund empfehlen auch die meisten Autohersteller in den Bedienungsanleitungen, Kinder bis zwölf Jahre nur auf der Rückbank mitzunehmen.

Kann etwa bei älteren Autos der Beifahrerairbag nicht abgeschaltet werden, müssen Babys auf jeden Fall nach hinten. Denn die EU-Richtlinie ECE 44 verbietet den Einsatz von gegen die Fahrtrichtung gerichteten Kindersitzen, solange der Beifahrerairbag aktiv ist.

Fahren vier Kinder gleichzeitig im Auto mit, muß eines zwangsläufig vorn sitzen. Dann gilt: Das größte Kind fährt auf einem Sitzerhöher vorn auf dem Beifahrersitz, die anderen hinten. Der Vordersitz wird dafür auf die mittlere oder hinterste Raste eingestellt, der Beifahrer-Airbag bleibt angeschaltet.

In diesen Autos ist der Airbag abschaltbar

In vielen aktuellen Autos wird der Beifahrer-Airbag einfach mit dem Zündschlüssel abgeschaltet. Wie und wo, steht in der Tabelle am Seitenende. Fehlt diese Abschaltoption, wie in vielen älteren Autos, wird es kompliziert. Einfach eine Sicherung herausziehen, wäre gefährlicher Leichtsinn. Das gesamte Sicherheitssystem wird durch diesen Eingriff beeinflußt, das Auto verliert seine Betriebserlaubnis. Folge: Bei Unfällen kann die Versicherung Zahlungen verweigern.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.