Wer schnell sein will, muss warten. Von null auf 100 km/h in unter sieben Sekunden – dagegen steht eine Geduldsprobe von mehreren Monaten. Jedenfalls bei Skoda. Ein Octavia RS ist nämlich heiß begehrt, ärgert Interessenten wegen einer ewig langen Lieferfrist. Viel Zeit für Sehnsucht. Lohnt das?
Beim Komfort muss man ein paar Abstriche machen
Licht und Schatten: Der Octavia RS federt erwachsen, die harten Reifen rollen aber laut und unsanft ab.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Wir meinen: Wer Spaß an Autos hat und trotzdem noch etwas "vernünftig" tickt, liegt mit dem 230 PS starken Tschechen genau richtig. Denn das aktuell stärkste Modell verknüpft einen sehr ordentlichen Kompaktkombi (inklusive 1740 Liter maximalem Gepäckraumvolumen) mit der Spaßmaschine des VW Golf GTI (ein 2.0-TSI-Vierzylinder). Macht für den Sechsgang-Handschalter 247 km/h Spitze und reichlich Durchzugskraft. Der Zweiliter zerrt so heftig am Kombi, dass es mächtig Laune macht, aber auch immer mal wieder unflätig im Lenkrad zupft – die 350 Nm Drehmoment setzen den vorn angetriebenen Rädern ordentlich zu. Etwas widersprüchlich auch der Komfort. Zwar federt der Skoda sehr erwachsen, gleichzeitig rollen die harten Reifen unsanft ab und produzieren eine Menge Geräusche.
Klassische Charakteristik: Der Zweiliter-Turbo nimmt seine Arbeit stets ein wenig verzögert auf.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Den sehr kultivierten und gleichzeitig drehfreudigen Motor hört man bei Teillast dagegen kaum. Steht der Fahrmodus auf "Sport" (gegen 1015 Euro Aufpreis lassen sich drei Voreinstellungen von Gaspedalreaktion, Lenkgefühl, Dämpferansprechverhalten und Co abrufen), gibt das Auto ein kerniges Grollen von sich. Typisch Turbo: Stets nimmt der Zweiliter-Vierzylinder seine Arbeit leicht verzögert auf – das wirkt unmodern zweistufig. Zum Ausgleich läuft der TSI relativ sparsam (auf Landstraßen haben wir 6,1 Liter auf 100 Kilometer gemessen). Auch die Bremsen arbeiten tadellos, das Fahrverhalten stufen wir als nahezu narrensicher ein – speziell beim Ausweichen verhält sich der RS sehr trittsicher. Dank VW-Plattformtechnik stehen für den Octavia reichlich Assistenzsysteme bereit. Allerdings: So gut wie nichts davon baut Skoda ab Werk ein. Beispiel: Spurhalter und -warner kosten 720 bzw. 360 Euro. Das treibt den Preis – der eh schon bei mindestens 31.590 Euro liegt. Papas Albtraum!
Die Fahrleistungen sprechen für sich. Gleichzeitig bereitet die Agilität viel Fahrfreude. Quasi wie nebenbei spielt der RS als Kombi auch noch den Alltagshelden. Nur als Schnäppchen überzeugt er nicht.