Smart fortwo/forfour: Mitfahrt

— 17.03.2014

Der Smart probt den Schneewalzer

Bevor der neue Smart die City stürmt, muss er sich erst einmal in der Schneewüste bewähren – beim letzten Wintertest in Schweden. Wir haben den Entwicklern dabei über die Schulter geschaut.



Ein fremdes Auto sieht man nur alle paar Minuten. Die nächste Ampel ist 20 Kilometer entfernt, die Parklücken sind groß wie Tennisplätze. Und Stau gibt es nur freitagabends an der Theke im Hotel Storforsen – ein Smart hat hier oben am Polarkreis in etwa so viel verloren wie ein Eisbär in der Wüste. Erst recht im arktischen Winter. Und trotzdem sieht man den Stuttgarter Zwerg rund um die schwedische Kleinstadt Älvsbyn in diesen Tagen häufiger als zum Beispiel eine M- oder eine G-Klasse. Denn bevor die dritte Generation des Bonsai-Benz nach den Sommerferien endlich den Dschungel der Großstadt stürmen kann, muss sie hier bei Eis und Schnee den letzten Wintertest über sich ergehen lassen.

Auch die zweite Generation erkennt man auf den ersten Blick

Immer noch typisch Smart: Auch mit der neuen Nase ist der fortwo auf den ersten Blick zu erkennen.

Wer die Streifenhörnchen bei ihrem Eisballett in Schweden beobachtet, erkennt den Smart auf Anhieb wieder: Noch immer misst der Winzling keine 2,70 Meter, unter der Tarnfolie schimmert die bekannte Tridion-Sicherheitszelle durch, und selbst wenn der Zwerg jetzt für den Fußgängerschutz eine kleine Stupsnase bekommt, behält er seine einzigartige Silhouette. Trotzdem hat sich der Smart reichlich verändert. Das merkt man spätestens bei der ersten Sitzprobe. Er ist zwar nicht länger, aber dafür gute zehn Zentimeter breiter geworden und bietet jetzt so viel Platz, dass selbst zwei gestandene Kerle noch einen sittlichen Abstand wahren. Und das lässt den Smart viel satter auf der Straße stehen. Er sieht deshalb nicht nur erwachsener aus, er fährt auch so, verspricht Markus Riedel, der die Entwicklung der Baureihe C453 geleitet hat. Bei der Proberunde am Polarkreis kann man selbst vom Beifahrersitz aus spüren, wie gut das neue Setup dem Fahrkomfort bekommt. Zwar hört man aus dem Heck noch immer das knochentrockene Knattern der Einliter-Dreizylinder mit um die 70 und 90 PS. Doch der Zweisitzer wirkt lange nicht mehr so nervös und rollt viel gelassener über die vielen Bodenwellen
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Seinen Wendekreis hat der Neue nochmals reduziert

Ausgenickt: Dank neuer automatischer und manueller Schaltboxen hat der Smart eine Unart verloren.

Auch auf der Kreisbahn kann Riedel das Lenkrad mit den dicken Knubbeln für Radio & Co mal etwas lockerer lassen. Vor allem nickt man jetzt beim Schalten nicht mehr wie ein Wackeldackel. Endlich haben die Schwaben die leidige Halbautomatik über Bord geworfen und bauen dafür eine Doppelkupplung oder eine normale Handschaltung ein. So tobt Riedel durch den Winterwald, hört gespannt auf jedes Knistern und Knacken, wartet nervös auf den nächsten Eingriff der Elektronik, lässt den Zwerg immer flotter über die Teststrecke fliegen und freut sich diebisch über den winzigen Wendekreis. War schon der aktuelle Smart ein Parkplatzchampion, kratzt der neue jetzt noch mal anderthalb Meter früher die Kurve.
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Seinen Schneewalzer tanzt der Smart aber nicht alleine. Sondern er hat sich gleich noch einen Doppelpartner mitgebracht. Nein, nicht den Renault Twingo, der mit dem Bonsai-Benz aus Kostengründen in einer engen Kooperation entwickelt wurde. Zumindest nicht direkt. Sondern im Rückspiegel des fortwo taucht immer wieder der neue forfour auf, der die Modellpalette jetzt – mal wieder – erweitern soll.

Der Viertürer forfour soll diesmal ein authentischer Smart sein

Neue Größe im Sortiment: Der Viertürer bietet er für seine rund 3,50 Meter Länge überraschend viel Platz.

Die Idee ist nicht neu. Doch anders als beim ersten Versuch mit einem frisch geschminkten Mitsubishi Colt ist der neue forfour ein authentischer Smart, sagt Riedel: Mit dem passendem Design, mit einem ebenso poppigen wie pfiffigen Innenleben und natürlich mit einem smarten Antrieb. Nicht umsonst hat jetzt auch der Renault Twingo den Motor hinten. Zwar hat Daimler durch das Teamwork mit den Franzosen ordentlich Geld gespart und einiges davon wieder in den Smart gesteckt. Immerhin schimmern unter den dunklen Stoffbahnen der Innenraumtarnung ein brillantes Display im Tacho, eine witzige Steuerung für die Klimazentrale und ein großer Touchscreen fürs Navigationssystem durch, auf dem man wie beim iPhone mit zwei Fingern zoomen oder scrollen kann. Doch natürlich musste Riedel schon genau schauen, wofür er sein Geld ausgibt – und wofür eben nicht. Fensterheber in den hinteren Türen zum Beispiel hat er sich deshalb genauso gespart wie teure Hightech-Scheinwerfer.

Dafür glänzt der große Smart mit anderen Qualitäten: Auch er wird wendiger sein als die meisten anderen Kleinwagen, verspricht der Projektleiter. Und vor allem bietet er für seine rund 3,50 Meter überraschend viel Platz. Vielleicht nicht im hohen Kofferraum mit der waagrecht geteilten Klappe, schließlich steckt darunter ja der Motor. Aber dafür auf der Rückbank: Kinder werden hinten prima und Erwachsene zumindest im Notfall ganz ordentlich sitzen können. Und weil sich die Türen fast im rechten Winkel öffnen lassen, ist sogar das Einsteigen ein Kinderspiel. Eine Zeitlang werden die Smarts hier oben im Schweden noch den Schneewalzer tanzen. Doch bald kehrt die Karawane Lappland wieder den Rücken. Aus endlosen Birken- und Kiefernwäldern kommt der Smart dann endlich heim in sein natürliches Habitat: den Dschungel der Großstadt.

Autor: Thomas Geiger



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