Smart fortwo im Test

Smart fortwo: Test

— 10.02.2015

Neuer Smart fortwo im ersten Test

Einmalig, dieser Parkriese: 2,70 Meter lang, 1000 Möglichkeiten. Der Smart fortwo ist gereift, zeigt aber weiter schmerzhafte Macken.

Der Smart ist kein Auto, der Smart ist mehr. Ein Unikat, ein Statement, manchmal fast eine Religion. Mit tief überzeugten Jüngern, die entweder nur den ersten Smart (ab 1998) anerkennen, aber nie den zweiten (2006). Oder umgekehrt. Wir wollen nicht glauben, sondern testen lieber den neuen, dritten Fortwo.

Der neue fortwo ist in alle Richtungen gewachsen

Der neue fortwo ist zehn Zentimeter breiter als sein Vorgänger – und kann immer noch quer parken.

Der sieht aus wie ein Ur-Smart nach der Doping-Kur, das schreckt viele Urjünger ab. Zehn Zentimeter breiter ist er geworden, was seine Chancen, quer zu parken, nicht groß schmälert, aber innen ein ganz neues Raumgefühl schafft. Man hockt nicht länger versetzt wie in der Raumsparküche, sondern großzügig nebeneinander. Wir haben 14 Zentimeter mehr Schulterbreite gemessen – man atmet gelassener aus. Der Kofferraum ist 40 Liter größer, der Beifahrer hat mehr Luft im Fußraum, beides willkommene Platzreserven beim Einkauf, wenn jede Lücke gestopft wird. Fast alles, was blinkt und nützt, kostet Aufpreis: Die Grundversion ist so nackt und schwarz-schwarz-schwarz, dass darin vermutlich sogar Pizzafahrer streiken. Selbst die drei Ausstattungslinien (ab 1390 Euro Aufpreis) lassen Wichtiges offen.
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Zum hohen Grundpreis lassen sich teure Extras hinzufügen

Verarbeitung und Materialauswahl passen nicht zum hohen Preis, alles was schick ist, kostet extra.

Dass sogar Veloursmatten, Laderollo oder abschließbares Handschuhfach Aufpreis kosten, gehört zur Marke wie die Schrullen bei der Bedienung: Die Fensterheber liegen zu weit hinten, die Tasten für Assistenzsysteme unten im Nirwana, die Tankanzeige spinnt. Lasche Verarbeitung mit Plastikgraten und eine abfallende Verkleidung passen nicht zum happigen Preis. Dafür gibt es jetzt vieles, was Smart-Kenner lange schmerzhaft vermisst haben: genug Power, ein vernünftiges Getriebe und eine Federung (jawohl!). Der Dreizylinder-Turbo, schon im großen Twingo eine Spaßgarantie, macht den kleinen Fortwo zum Feuerball. 90 PS stark, mit einem Turboschub, der wirkt wie Rückenwind in Orkanstärke, lässt der Neue an der Ampel jeden Alt-Smart stehen. Auf der Autobahn zieht der Kleine selbstbewusst nach links, der Begrenzer bremst auf 155 km/h ein.

Der 0,9-Liter könnte deutlich mehr, das spurtreue Fahrwerk auch. Nur laute Windgeräusche von den vorderen Dachsäulen stören den Eindruck, der kleine Smart sei jetzt ein vollwertiges Reiseauto. Sein Spielzimmer bleibt die Stadt, wo der Neue den größten Fortschritt macht.

In der Stadt bleibt der Kleine ein großer Dynamiker

Dynamischer Stadtfloh: Eine Fahrt im fortwo ist nach wie vor spaßig, vor allem Spurwechsel machen Laune.

Wie der Smart noch quirliger auf dem Absatz wenden kann (unschlagbare 7,20 Meter Wendekreis), wie er mit seiner direkten Lenkung zwischen den Spuren hin- und herhüpft und wie die Handschaltung sofort die passende Drehzahl liefert, ohne dass wie früher eine Gedenksekunde vergeht – das macht diesen Zwerg einmalig. Konkurrenzlos. Und verführt selbst gesittete Fahrer zu Manövern hart an der Anstandsgrenze, wissen sie doch, dass die Bremsen Biss haben und das ESP rigide zuschnappt. Noch warten viele Smart-Kunden auf die Twinamic, das 1000 Euro teure Doppelkupplungsgetriebe, weil zum Smart eine Automatik gehöre. Wirklich? Dann wollen wir mal ihren Glauben erschüttern: Das Geld steckt man besser in den stärksten Turbomotor, der mit seinem entspannten, schaltfaulen Wesen eine Ruhe und Reife in den Smart bringt, die alte Überzeugungen erschüttert. Glauben Sie's!
Fahrzeugdaten Smart fortwo
Motor Dreizylinder, Turbo
Einbaulage hinten quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 898 cm³
kW(PS)bei 1/min 66 (90)/5500
Nm bei 1/min 135/2500
Vmax 155 km/h
Getriebe Fünfgang manuell
Antrieb Hinterradantrieb
Bremsenvorn/hinten Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung 165/65–185/60R15T
Reifentyp Michelin Energy Saver
Radgröße 5–5,5x15"
AbgasCO2 97 g/km
Verbrauch* 4,9/3,7/4,2 l
Tankinhalt 35 l/Super
Kältemittel R134a
Vorbeifahrgeräusch 74 dB(A)
Anhängelastgebr/ungebr. keine
Kofferraumvolumen 260-350 l
Länge/Breite/Höhe 2695/1663-1870**/1555 mm
Testwagenpreis 15.810 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln
Messwerte Smart fortwo
Beschleunigung
0–50 km/h 3,5 s
0–100 km/h 11,5 s
0–130 km/h 20,5 s
Elastizität
60–100 km/h 10,0 s (4. Gang)
80–120 km/h 17,5 s (5. Gang)
Leergewicht/Zuladung 930/240 kg
Gewichtsverteilung v./h. 45/55 %
Wendekreis links/rechts 7,2/7,2 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,2 m
aus 100 km/h warm 35,9 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 63 dB (A)
bei 100 km/h 70 dB (A)
bei 130 km/h 75 dB (A)
Testverbrauch – CO2 5,2 l – 124 g/km
Reichweite 673 km

Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Ein Riesenschritt, den Smart macht. Mehr Platz, starker Motor, Handschaltung und Federung heben die Idee vom Stadtauto auf ein neues, respektables Niveau. Auch wenn eingefleischte Smart-Fans es anders sehen: Der fortwo hat nicht verloren, sondern nur gewonnen. So wendig war der Zweisitzer noch nie. Damit wird er nicht nur Altkunden überzeugen, sondern viele, die bisher dieses Auto abgelehnt haben.

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