Drei Sport-Coupés im Vergleich

Porsche 911 Sport Classic BMW M6 Competition Jaguar XKR SpeedPack Porsche 911 Sport Classic BMW M6 Competition Jaguar XKR SpeedPack

Sport-Coupés im Vergleich

— 27.12.2010

Mit Zack und Pack

Der BMW M6 Competition macht seinem Namen alle Ehre. Er fordert zum Abschied den Jaguar XKR SpeedPack und den Porsche 911 Sport Classic heraus. Welcher elitäre Sportwagen setzt sich durch?

Sportpakete sorgen für Spannung Güteklasse Flitzebogen. Was wohl drin sein mag? Spoiler, Sitze, spezielle Räder? Vielleicht ein Leistungskit, schön saftig, mit einer dazu passenden Abgasanlage? Oder doch nur lochledergekederte Fußmatten. Dummerweise wird nie vergessen, die Rechnung beizulegen. 3150 Euro nimmt BMW für das Competition-Paket des M6. Bei Jaguar kostet die ganze Gaudi heftige 6900 Euro. Nun ist Paket nicht gleich Paket. Wer Kandidat Nummer drei nämlich aufs Finanzielle reduziert, sollte zur Strafe im Porsche-Museum die Wuchtgewichte polieren. Handgefertigt und handverlesen kostet der Sport Classic, eine Variante des Carrera S über 200.000 Euro.

Übersicht: Alle News und Tests zum Porsche 911

911 Sport Classic: 19-Zöller im traditionellen Fuchs-Design erinnern an die Tage des ersten Turbo.

Tacheles auf dem Sachsenring: Mit drei Kontrahenten, die längsdynamisch nicht enger beieinanderliegen, charakterlich unterschiedlicher aber kaum sein könnten, geht es auf die Strecke. Der eine der Inbegriff des modernen Sportwagens, getarnt als Kind der Siebziger. Der Nächste ein vollwertiger Viersitzer auf dem Weg in den Ruhestand, geschlagen mit einem zwiespältigen Getriebe, gesegnet mit einem bestialischen Sound. Und der andere ein Zwischenweltler, einer, der das nicht sein darf, was er eigentlich sein soll. Der XKR ist ein Dynamiker, gefangen im Körper eines Gran Turismo. Hart, trotzdem immer irgendwie soft; sauschnell, nur nicht überall. In jedem Fall aber unverschämt charismatisch. Vorm Visier der Spirit des E-Type, aufgebahrt als phallische Motorhaube, drinnen das Hier und Jetzt. Loungeartig illuminiert, herrlich inszeniert. Highlight: die Wählwalze, die vielleicht einen der besten Wandlerautomaten der Welt befehligt. Man wähnt sich in einer Art Schnellfahratelier. Scheitelpunkte und Ideallinien sind keine Gesetze, sondern dienen allein der Inspiration. Die Front liegt locker in der Hand, das Heck swingt im Takt der Fußsohle. Alles wirkt melodisch, ungezwungen, fast spielerisch. Auch wegen der überwältigenden Schubs. Drehzahl? Eigentlich schnurzpiepegal.

Übersicht: Alle News und Tests zum BMW M6

Moderner Sportwagen, Dynamiker und der Porsche, der einmal mehr den Maßstab definiert.

Anders als bei BMW und Porsche, denen man das Drehmoment geradezu aus ihren Blöcken pressen muss, scheinen die Newtonmeter des XKR-V8 wie durch eine riesiges Rohr einfach zur Hinterachse zu gluckern. Das E-Diff hat jedenfalls alle Sensoren voll zutun, um Schlupf und Traktion einigermaßen in Einklang zu bringen. Mit seinem ausladenden Körper und der exponentiellen Kraftentfaltung wirkt der M6 jedenfalls deutlich behäbiger – ohne es wirklich zu sein. Er ist der Technokrat im Sportwagenbusiness. Getriebe, Antrieb, Fahrwerk und Stabilitätselektronik lassen sich in insgesamt 279 Kombinationen konfigurieren, selbst die volle Leistung will erst per Tastendruck entsichert werden. So richtig funktioniert der M6 aber nur im Radikalprogramm. E-Dämpfer: megahart; Power: on; Schaltzeit: Wimpernschlag; ESP? Also bitte. Erst dann, wenn die Drehzahlnadel die 5000er hinter sich lässt, der Sound vom Höllischen ins Diabolische kippt und jeder Gangwechsel den Eindruck erweckt, die Hinterachse würde jeden Moment in Trümmern aus den Radhäusern bröckeln, lässt sich nachfühlen, warum uns BMW das V10-Konzept zeitlebens als Formel-1-Verwandten verkaufen wollte. Und dennoch ist es einmal mehr der Porsche, der den Maßstab definiert.

News und Test zu Jaguar

Liebes Entwicklerteam, was wollt Ihr beim Modellwechsel nächstes Jahr eigentlich noch verbessern? Dank der verbreiterten Hinterachsspur stülpt sich der Sport Classic noch satter über die Ideallinie als seine Cousins mit Namen Carrera. Dazu die 23 Extra-PS des Leistungskits, die die Kraftentfaltung gerade in der Mitte spürbar nachfetten. Motor, Lenkung und Bremse sind schon für sich genommen perfekt, im Paket aber schlichtweg überragend. Ein klarer Sieg, hätten sie nicht auch eine Rechnung beigelegt. Mehr zu unseren Testkandiaten erfahren Sie oben in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es in AUTO BILD SPORTSCARS 1/2010 oder als Download im Heftarchiv.
Technische Daten BMW Jaguar Porsche
Motor V10 V8, Kompressor B6
Einbaulage vorn längs vorn längs hinten längs
Hubraum 4999 cm³ 5000 cm³ 3800 cm³
kW (PS) bei 1/min 373 (507)/7750 375 (510)/6000–6500 300 (408)/7300
Literleistung 101 PS/l 102 PS/l 107 PS/l
Nm bei 1/min 520/6100 625/2500–5500 420/4200
Antriebsart Hinterrad Hinterrad Hinterrad
Getriebe 7-Gang sequenziell 6-Stufen-Automatik 6-Gang manuell
Tankvolumen 70 Liter 71 Liter 64 Liter
Beschleunigung
0–100 km/h 4,5 s 4,6 s 4,4 s
0–402,34 m 12,56 s 12,71 s 12,71 s
Testverbrauch
Ø auf 100 km 15,8 l Super Plus 14,3 l Super 13,2 l Super Plus
Leergewicht 1767 kg 1859 kg 1475 kg
Höchstgeschwindigkeit 250 (305) km/h (abgeregelt 280 km/h (abgeregelt 302 km/h
Preise 119.350 Euro 112.800 Euro 201.682 Euro
Autor:

Stefan Helmreich

Fazit

Sowohl längs- als auch querdynamisch setzt sich der 911 durch, jedoch reicht der Vorsprung am Ende nicht, um den Preisunterschied auszuwiegen. 201.682 Euro ruft Porsche für den Sport Classic auf, rund 60.000 mehr als für einen vergleichbar ausgestatteten Carrera S. Bei aller Liebe … Das Preis-Leistungs-Kapitel schnappt sich der betörende, aber zu verspielte Jaguar Mit dem M6 gewinnt am Ende ein echter Senior – eben weil er sich keine Schwäche leistet und dem 911 auf der Strecke noch einigermaßen folgen kann.   

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