Studie Acabion GTBO

Acabion GTBO Acabion GTBO

Studie Acabion GTBO

— 17.01.2007

Rakete auf Rädern

Der Acabion GTBO schafft 450 km/h und verbraucht im Schnitt nur 2,5 Liter. Ein Ökomobil, das den Bugatti Veyron locker abhängen könnte.

Ohne ein gewisses Grundvertrauen geht hier gar nichts. Es braucht Vertrauen, um über die Seitenwand in das Cockpit zu klettern. Es braucht Vertrauen, wenn sich die große Plexiglashaube über einem schließt. Und es braucht Vertrauen, wenn der Acabion GTBO mit einem heiseren Brüllen beschleunigt, während man noch überlegt, wie sich sein geringes Gewicht eigentlich auf die Stabilität eines Fahrzeugs auswirkt.

Der 360 PS starke Vierzylinder-Turbo beschleunigt auf 450 km/h.

Wirklich, das braucht ganz viel Vertrauen. Doch vielleicht kann man dafür später mal sagen: "Ich war damals dabei – als das Auto neu erfunden wurde." Doch was heißt hier Auto? Das bordeauxrote Gefährt, das über den Flugplatz von Samedan bei St. Moritz (Schweiz) rast, erinnert eher an eine Rakete auf Rädern. Es ist extrem leicht, es ist extrem flach, es ist extrem schmal. Das Beste aber: Das Teil fährt einerseits 450 km/h – verbraucht andererseits jedoch nur 2,5 Liter Super plus im Schnitt. Ein Ökomobil, das den Bugatti Veyron locker abhängen könnte. Wahnsinn.

Seit 18 Jahren arbeitet Dr. Peter Maskus (46) an dem Acabion. Es ist sein Baby, sein Projekt, seine Mission. Der Ingenieur und Unternehmensberater hat früher für Porsche und Mercedes gearbeitet und möchte nun den Straßenverkehr revolutionieren. "Autos sind bis heute motorisierte Kutschen geblieben", sagt er und fügt mit Blick auf die immer schwerer werdenden Pkw hinzu: "1000 Kilo Auto für 100 Kilo Mensch sind jedenfalls ein Desaster, an das wir uns schon viel zu lange gewöhnt haben."

Der Flügel am Heck dient vor allem als Träger des Rücklichtes.

Maskus ist deshalb einen anderen Weg gegangen. Er hat sich erst überlegt, wie die ideale Karosserie aussehen müsste, und dann den Rest drumherum geplant. Heraus gekommen ist ein schmales Geschoss, das mit 5,10 Metern zwar so lang ist wie ein Audi Q7, dafür aber nur 1,27 Meter hoch und 78 Zentimeter breit – die beiden Passagiere sitzen wie im Segelflugzeug hintereinander. Der Acabion wiegt lediglich 360 Kilo und hat einen winzig kleinen Luftwiderstand (cW-Wert 0,18). Das Triebwerk ist dafür umso stärker. Der 1,3-Liter-Vierzylinder aus der Suzuki Hayabusa leistet normalerweise 175 PS, Maskus hat ihn aber modifiziert, aufgeladen und somit auf 360 PS gesteigert. In Verbindung mit der nahezu perfekten Aerodynamik und dem geringen Gewicht bedeutet das: Der Acabion könnte von Tempo 200 auf 300 in gerade sechs Sekunden beschleunigen, theoretisch jedenfalls.

Acabion: ein Ökomobil, das den Bugatti Veyron abhängen könnte.

Ein Sportwagen brauche dafür etwa 20 Sekunden, weiß Maskus. Man merkt schon, der Mann ist trotz seiner energiesparenden Vision kein Öko-Fundamentalist: "Ich komme ja gar nicht aus dieser Alternativ-Ecke", wehrt Maskus ab, "ich bin ein Sportwagen-Mann!" Dann dreht der Ingenieur am Gasgriff, beschleunigt den Acabion auf etwa 150 km/h und schreit von vorn irgendwas von "nasser Piste". Genau ist das leider nicht zu verstehen, weil einerseits die feuerfeste Trennwand zwischen Motor und Beifahrer noch fehlt (Sie wissen schon, die Sache mit dem Vertrauen), andererseits aus den Boxen John Lee Hookers "Bluebird" dröhnt. Nur gut, dass Maskus vorhin noch erwähnt hat, dass der Acabion vorn und hinten je 50 Zentimeter Knautschzone hat und die Sitzschalen aus energieabsorbierendem Material bestehen. Man weiß ja nie.

Trotz alledem hat die Fahrt im Acabion auch etwas sehr Entspannendes. Die große Plexiglashaube gewährt einen sensationellen Blick in den Himmel, und auch die einer Le-Corbusier-Liege nachempfundene Sitzposition ist dermaßen entspannt, dass man glatt einschlafen könnte – wenn der gewaltige Motorenlärm nicht wäre. Schließlich ist der Acabion nicht etwa für den schnellen Kick gedacht, sondern vor allem als Langstreckenfahrzeug. Maskus rechnet vor: "Ein heutiger zweisitziger Supersportwagen braucht für Tempo 300 fast 50 Liter. Für eine schnelle 1000-Kilometer-Fahrt müssten wir allein ein Kraftstoff-Budget von 400 bis 500 Euro einplanen und vier bis fünf Tankstopps einlegen. Der Acabion braucht dagegen nur Kraftstoff für 45 Euro – und sein Fahrer muss unterwegs nicht einmal tanken."

Innovation im Detail: Die Rakete auf Rädern wurde in der Schweiz gebaut.

Wobei die ersten Acabion-Fahrer nun auch nicht gerade geizig sein dürfen: Das gute Stück soll etwa 1,6 Millionen Euro kosten – was auch ungefähr die Summe ist, die Maskus aus eigener Tasche in die Entwicklung des Projekts gesteckt hat. "Dafür hat der Käufer dann aber auch ein echtes Luxus-Einzelstück." Für die (ganz entfernte) Zukunft kann sich der Ingenieur auch ein Serien-Fahrzeug unter anderem Namen vorstellen. "Es käme dann mit einem 75 PS starken Vierzylinder-Turbo, würde bei 250 km/h abgeregelt und bei diesem Tempo etwa 3,6 Liter verbrauchen." Peter Maskus lenkt den Acabion jetzt runter von der Piste in Richtung des Abstellplatzes. Dort wartet unsere Fotografin, auch sie möchte mitfahren. Scheint ebenfalls ein gewisses Grundvertrauen zu haben, die Frau.

Technische Daten Acabion GTBO Vierzylinder-Motor • Rennsport- Turbolader und Ladeluftkühler • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1300 cm³ • Leistung 265 kW (360 PS) bei 9200/min • max. Drehmoment 300 Nm bei 5300/min • Sechsgang-Powershift • selbsttragende Kohlefaser-Karosserie • innenbelüftete Bremsscheiben, vorn Sechskolbenanlage • Reifen 120/70 ZR 17 vorn, 190/50 ZR 17 hinten • L/B/H 5100/780/ 1270 mm • Radstand 3370 mm • Leergewicht 360 kg • Kofferraum 150 l • Tankinhalt 65 l • Zuladung 190 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 5 s • Vmax 450 km/h • Verbrauch 2,5 l SP/ 100 km im Norm-Drittelmix • Preis: 1,6 Millionen Euro

Autor: Alex Cohrs

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