Fahrbericht Suzuki Swift Sport Hayabusa

Suzuki Swift Sport Hayabusa: Fahrbericht

— 16.07.2014

Eine schräge Kombination

Der extremste Umbau seit Erfindung des Rades: Superbike-Antrieb im Kleinwagen. Wir fuhren den Suzuki Swift Sport Hayabusa.

Tempo 140. Die lange Links rast näher. Schnell den Oberkörper in die Kurve kippen, Knie zur Seite abwinkeln. Chhhrrrrrh – der Knieprotektor schrappt leicht über die Curbs. Mehr Schräglage geht nicht, jetzt bloß die Mitte aus Fliehkraft und Gegendruck halten. Am Kurvenausgang Lenkrad aufmachen, dann hart aufs rechte Pedal. Lenk... Hä? Moment mal. Schräglage und Knieschleifen – okay, hier geht es ums schnelle Motorradfahren.

Fahrspaß plus Fahrspaß gleich Swift Sport Hayabusa

Video: Suzuki Swift Sport Hayabusa

Extrem heißer Umbau

Aber Lenkrad und Gaspedal? Auto! Wie gehen die beiden zusammen? Nur bei Suzuki, im Swift Sport Hayabusa. Dem kitzeligsten Gerät, das die Japaner je auf die Räder gestellt haben. Doch der Reihe nach. Der Swift ist Suzukis knackig-kurzer Kleinwagen, speziell als 136 PS starker "Sport" eine wilde Hummel. Die Hayabusa ist dagegen Suzukis stärkstes Motorrad im Sortiment – nebenbei ist sie auch der Rekordhalter in Sachen Vmax: Tempo 300 knackt das Bike mit dem 197 PS starken Vierzylinder, bevor eine Vespa überhaupt anspringt. Zweimal mächtig Fahrspaß also – nur aus unterschiedlichen Lagern. Kann man die beiden nicht irgendwie zusammenbringen? Das Suzuki-Marketing hat über diese Frage so laut nachgedacht, dass es Niki Schelle mithören konnte. Der ehemalige WM-Rallyefahrer baut im Hauptberuf brave Swift zu Pokaljägern um, schweißt Domstreben ein, steckt getunte Motoren unter die Kleinwagenhauben. Der richtige Irre für das Projekt Swift Hayabusa. Der Rest in Kürze. Suzuki: "Mach mal." Schelle: "Mach ich." AUTO BILD: "Fahr ich."

Die Hayabusa macht dem kleinen Monster mächtig Feuer

Das Biest im Bug: Der per Turbo aufgeladene Motorrad-Motor mobilisiert satte 330 PS.

Am Bilster Berg, einer Privatrennstrecke bei Paderborn, steht die gelbe Gefahr für uns bereit. Aber nicht so, wie es die einfache Rechnung Swift plus Hayabusa ergeben müsste. Schelle hat komplizierter kalkuliert. Zum Hayabusa-Vierzylinder einen dicken Turbolader addiert, am Swift den Frontantrieb subtrahiert, Gewicht durch Ausräumen dividiert und Sicherheit durch einen Überrollkäfig multipliziert. Macht: 330 PS, knapp 900 Kilo Leergewicht, Mittelmotor, Hinterradantrieb. Leistung steht, wie es sich für einen Rennmotor gehört, erst ab rund 7000 Touren an. Hier würgt ein 911er bereits ein Gewölle aus Pleueln und Kolbenringen aus. Bis knapp an 12.000 Touren heran orgelt das Biest dann weiter. Aber erst mal vom Fleck kommen! Ein Taster am Lenkrad legt den Gang ein. Der ewig lange Pedalweg der Fußkupplung wirkt auf den Millimeter-Einrückbereich am Motorradmotor. Anfahren führt so je nach Geschick zur akustischen Orgie oder (nach Abwürgen der Maschine) zu Mucksmäuschenstille.

Nur die Höchstgeschwindigkeit ist nicht total irre

Kurz übersetzt: Im Sekundentakt will der gedopte Swift Sport geschaltet werden – bei 190 km/h ist Schluss.

Endlich legt Suzi los. Brüllend stürzt sich der Japan-Zwitter auf die erste Gerade. Der Motor dreht auf, ist unter Last und bei lautem Turbo-Gezwitscher voll in seinem Element. Weit vor der ersten Kurve erreicht er den grünen Temperaturbereich. Ich bin drüber. Weil gefühlte 70 Grad Innenraumtemperatur herrschen, weil kein Bremskraftverstärker hilft, die Fuhre anzuhalten. Und weil die Schaltvorgänge den linken Fuß und den rechten Zeigefinger gleichzeitig fordern. Und die kurze Übersetzung erfordert Schalten im Sekundentakt. Nachteil der sprintfreudigen Auslegung: Maximal schafft der Kleine nur 190 km/h. Egal, das fühlt sich in diesem Dschungel aus Schutzrohren an wie 300. Die nächste Kurve rast näher. Ich bleib lieber sitzen. Rauslehnen und Knieschleifen braucht's ja nur fürs Foto.
Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Nichts für die Straße – doch ein spannendes Experiment. Der so aufwendige wie aufregende Umbau macht aus dem Suzuki Swift ein aberwitzig laut heulendes Schreckgespenst für die Rennstrecke.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.