Trabant P50-1 von Nico Schmidt

Trabant P50-1 von Nico Schmidt Trabant P50-1 von Nico Schmidt

Trabant P50-1 von Nico Schmidt

— 18.01.2006

Küß den Asphalt

Nico Schmidt von der "Society of Lowlying of IFA Cars" fährt mit seinem 62er Trabant P50 unterhalb der Grasnabe.

Vom Frosch zum Prinzen

Die Faszination der Karosserieformen der späten 50er Jahre ist ungebrochen, und dabei ist es vollkommen egal, ob sie im Originalzustand oder im Custom-Outfit daherkommen. Wir kennen ungezählte Käfer und US-Cars, die durch Titanic-mäßigen Tiefgang die Blicke auf sich ziehen. Warum nicht ein Trabant Kombi?

So ähnlich dachte auch Nico, ein wahrer Fan des runden Fünfziger-Designs ohne Ecken und Kanten. Doch bis er sich überhaupt Gedanken über die tiefe Performance seines P50-1 machen konnte, waren Monate des Leidens angesagt. Der in Wittenberg gekaufte Trabant bot nämlich einen verdammt traurigen Anblick. Der P50 war mehr oder weniger Schrott, erinnert sich der in einem Nissan-Service ausgebildete Kfz-Mechaniker, weil nach dem Sandstrahlen des Unterbodens nur noch Schweizer Käse übriggeblieben war. Ein Kumpel schnitt und bog Bleche zurecht, und anschließend hatte dessen Schweißgerät Hochkonjunktur. Pappe rostet nicht, sie muß zum Glück nur ausgebessert werden.

Diesen Vorteil machte sich Nico auch bei den Seitenteilen zunutze, denn der Raum in den Radkästen mußte wegen der Räder wachsen. Die Haut wurde ausgestellt, mit Glasfasermatten und Harz aufgefüllt und laminiert. Die Bewohner der Radhäuser zählen zum Geilsten im 13-Zoll-Bereich. Schmidt MX-Line in 8x13 Zoll mit mittiger Einpreßtiefe und 175/50R13-Dunlop-Reifen schaffen eine für Trabant-Verhältnisse unglaubliche Spurbreite. Dem nicht genug, steckte Nico an beide Achsen zehn Millimeter dicke Distanzscheiben. Ohne den sichtbar brutal negativen Sturz wäre die Montage der Räder trotzdem nicht machbar gewesen. "Die Blattfedern wurden umgeschmiedet und mit verstärkten Lagern versehen", erklärt Nico die an der Vorderachse um 16 Zentimeter verminderte Höhe. Federn aus einem Lada ersetzen die Zwickauer Spiralen. Tieferlegung hinten: 22 Zentimeter.

Auch die Bremsen sind im wahrsten Sinne des Wortes überdimensioniert. Die mittels Filter und Düsen auf über 26 PS angehobene Kraft wird von der Vorderachs-Bremsanlage des Golf GTI mit geschlitzten Scheiben im Zaum gehalten. Noch wirken hinten Trommelbremsen, doch auch hier sind Scheibenbremsen eingeplant.

Die Facts zu Nicos Trabant

Außer der Verbreiterung zeigt sich die Karosserie fast im Originalzustand. Das Ende des Trabants markieren Heckleuchten des Wartburg 311, deren Füße einlaminiert wurden, um die schwarzen Keder verschwinden zu lassen. Wer bei der Lackierung auf VW getippt hat, liegt nur knapp daneben, denn "Java Grün" von Audi gewann die Gunst des Trabant-Liebhabers.

Der Innenraum wurde in hellbeigem Leder bezogen. Eine Car-HiFi-Anlage hätte die noble Schönheit der Leere kaputtgemacht. Bei Ebay ließ sich ein Matter-Käfig auftreiben, der ohne größere Anpassungsarbeiten hineinpaßte. Auch das Lenkrad geht mit der Zwickauer Marke konform, tat es doch einst in einem Rallye-Trabi gute Dienste. Aus Fernost kommen allerdings die Sitze, und zwar aus einem 85er Honda CRX der ersten Generation, die wegen ihrer niedrigen Schulterhöhe optimal mit dem Innenraum des P50 harmonieren.

Trotz bereits erteilter 07er-Nummer will Nico sein Auto mit einer kurzzeitigen Anmeldung und §21 niet- und nagelfest machen. Allerdings wird der Trabant dafür gewinnen müssen – nämlich an Höhe.

Autor: Michael Kolb

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