Tracktest Suzuki Swift

Suzuki Swift von KW-Berg-Cup-Meister Achim Fischer Suzuki Swift von KW-Berg-Cup-Meister Achim Fischer

Tracktest Suzuki Swift

— 03.09.2003

Bergführer

Achim Fischer ist mit seinem 180 PS starken Suzuki Swift amtierender KW-Berg-Cup-Meister. AUTOTUNING erfuhr, warum der gelbe Giftzwerg von Sieg zu Sieg fährt.

Petrus hat ein Einsehen

Am Anfang stand wieder einmal Frust: Einen Bergrenner im Dauerregen auf Herz und Nieren prüfen! Eindrücke auf einer nicht gerade typischen Strecke eines ADAC-Geländes sammeln! Was für ein Vorschlag. Niemals! Eindrücke von bleibendem Wert verschafft man sich in einem Berg-Rennwagen auf passendem Geläuf und trockenem Asphalt.

Doch das Glück steht auf meiner Seite. Nach 20 Minuten Wässerung kämpft sich die Sonne hinter den Wolken hervor und trocknet die Strecke schnell ab. Ein ADAC-Mitarbeiter baut mit Pylonen eine Art Rennstrecke auf, sogar ein bergiges Kurvengeschlängel ist integriert. Der Tracktest mit Achim Fischers Suzuki Swift ist gerettet.

Schnell den feuerfesten Fahreranzug übergeworfen, Helm auf, Handschuhe an und rein in den von außen schon grimmig aussehenden Giftzwerg. Lenkrad und Pedalerie liegen gut, mit den Vierpunkt-Gurten festgezurrt, Strom an, Benzinpumpe an, Start.

Aufbocken und warmlaufen lassen

Mit einem heißeren Husten und Brabbeln erwacht der 1,3-Liter mit seinen 180 PS. Schnell noch per Hebeanlage den Japaner angehoben und warmlaufen lassen. Das heißt, alle Gänge mit frei stehenden Rädern zigmal hoch- und runtergeschaltet. Wenige Minuten später liegen alle Zeiger der Instrumente im grünen Bereich. Herunterlassen und los. "Halt dich in den ersten Runden bei 7000 Umdrehungen. Wenn du meine Suzi im Griff hast, dann geh' mal bis 9000 Touren", lauten die letzten Tipps von Achim Fischer. Gesagt, getan. Erste Welle des manuellen 6-Gang-Renngetriebes einlegen, Kupplung zart kommen lassen und ab geht die Post.

Die Beschleunigung aus der provisorischen Boxengasse heraus raffe ich noch, aber es geht schon höllisch und sehr laut voran. Ich spüre Vibrationen am Körper und am Lenkrad, und atme das Parfüm Motoröl ein – alles deutet auf Rennsport pur hin. Dreimal hochschalten im Sekundenabstand, zweimal runter, es geht. Wegen der Zündunterbrechung kann der Schalthebel ab 7000 U/min ohne zu kuppeln betätigt werden. Ich weiß noch grob, es geht erst rechts dann scharf links herum. Wow, mein Kopf knallt links an die Makrolon-Scheibe.

Der Suzuki lenkt sich so direkt, dass jede Drehung am Volant bedacht sein will. Feuchte Hände und ein flaues Gefühl machen sich breit. Vor der Links-Rechts-Kurvenkombination nochmal hochschalten – kaum zu glauben, aber es geht dank der kurzen Übersetzung. Untermalt von einem kernigen Geschrei nimmt mich die lange Bergauf-Gerade gnädig auf.

In 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Achim Fischer steht mit einem breiten Grinsen im Gesicht an seinem Wohnmobil-Renntransporter. So als wolle er sagen: "Na, du Schreiberling, das haste wohl nicht erwartet." Ich grinse beim Vorbeifahren zurück und ziehe noch einmal eifrig am Schaltstock. Unter- und Übersteuern, Bremsnicken und Fading: alles Fremdworte für dieses Berg-Meisterauto.

Was macht diesen betagten Swift so erfolgreich? Nun, der 85er Suzuki hat zwar nur 180 Pferde unter der Haube, wiegt aber auch nur 698 Kilogramm. Das macht ein Leistungsgewicht von 3,8 Kilo pro PS. Zum Vergleich: ein Porsche 911 GT2 mit 462 PS hat ein Leistungsgewicht von 3,1 Kilogramm pro PS! Dazu kommt ein perfekt auf den Swift GTi abgestimmtes Fahrwerk von Tuner und Rennsport-Spezialist Hohenester.

Die Power kommt aus dem originalen 1,3-Liter-16V-Triebwerk mit ursprünglich 101 PS. Hinzu kamen Renneinspritzung, 45er Drosselklappen, Haltech-Motormanagement, eine fette Airbox und ein üppig dimensionierter Fächerkrümmer. Damit stehen Achim Fischer an jedem Rennwochenende 180 PS bei 9500 Umdrehungen zur Verfügung. Die Höchstdrehzahl liegt bei 10.500 Touren. Die 100 km/h-Schallmauer erreicht der Suziracer je nach Übersetzung in unglaublichen 4,6 Sekunden. Vmax: je nach Bergrennstrecke zwischen 175 und 240 km/h.

Vorn 9x13-, hinten 8x13-Zöller

Verzögert wird das Ganze mit einer Serienbremsanlage! Das heißt, innen belüftete Scheiben vorn und Trommeln hinten. Ist auch logisch, denn es geht bei jedem Rennen immer nur bergauf. Vor die Bremsscheiben sind BBS-Räder in 13 Zoll montiert. Das Besondere sind nicht die Dimensionen, sondern die Verteilung. Im Normalfall stecken an Rennwagen oder Tuning-Boliden hinten breitere Felgen als an der Vorderachse. Bei Fischers Swift ist das genau anders herum. Vorn wohnen unter den verbreiterten Kotflügeln 9x13-Zöller und hinten nur 8x13-Zoll-Rundlinge. Der Grund: Der Berg-Rennsport hat seine eigenen Gesetze und Traktion in Kurven ist in dieser Motorsportart das A und O.

Für den Sieg muss auch die Aerodynamik stimmen. So hat Fischer speziell für den Swift GTi einen Spoiler-Kit mit tief hängender Schürze, Heckflügel und jede Menge Leitbleche. Sogar der Unterboden wurde komplett verkleidet und endet mit einem gewaltigen Diffusor.

Endlich trau ich mich bei über 9000 Touren zu schalten. Noch einmal prügel ich den Giftzwerg um den abgesteckten Kurs. Die Avon-Gummis fangen nun an, ordentlich am Asphalt zu kleben. Schweißperlen machen sich auf meiner Stirn breit. Doch wenn es am Schönsten ist, sollte man aufhören.

Technische Daten im Überblick

Die restlichen Meter bis zum wartenden Achim Fischer, versuche ich besser nicht zu beschreiben – am besten stellt ihr euch den Moment nach dem so oft beschriebenen schönsten Erlebnis vor...

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