Lohr

Truck-EM: Vorschau Budapest

— 24.08.2016

Rasendes Elefantenrennen

Truck-Action in Budapest: Unter all den Kerlen in den großen Rennlastern mischt mit Ellen Lohr (51) eine der erfolgreichsten deutschen Rennfahrerinnen mit.

Sie fuhr bei der Rallye Dakar schon durch die Wüsten Afrikas, sie kämpfte gegen Michael Schumacher (heute 47) Rad an Rad in der Formel 3 und sie gewann 1992 in Hockenheim als bis heute einzige Frau ein DTM-Rennen. Aber was Ellen Lohr (51) heute macht, ist richtig knallhartes Racing.

Wie bei den berühmten Wagenrennen im alten Rom wird beim Truckrennen geschoben und gedrückt. „Bei uns fliegen die Fetzen, und das lieben die Fans so sehr“, verweist Lohr im Gespräch mit AUTO BILD MOTORSPORT auf die über 120 000 Fans, die auch dieses Jahr wieder beim Truck-Grand-Prix am Nürburgring dabei waren. Jetzt geht es weiter nach Budapest.

Sie fuhr schon gegen Michael Schumacher - jetzt ist sie Truckerin

Der Grund für die Brutalität liegt im Tempolimit von 160 km/h und in der extrem schnellen Beschleunigung: Ein Renntruck schafft es von 0 auf 100 in nur 2,8 Sekunden. „Und richtig stark ist die Beschleunigung von 30 auf 160“, erklärt Lohr. „Deshalb haben wir zwar 16 Gänge, aber nur vier Fahrgänge. Wir erreichen quasi schon direkt nach der Kurve den Topspeed, und dann sind wir alle gleich schnell. Windschattenfahren gibt es bei uns nicht. Den Unterschied machen wirklich die vier Meter, die du vielleicht später bremst. Deswegen rappelts auch immer so viel."
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Dabei sind die Bremswege ohnehin extrem kurz: Lohrs 5,5 Tonnen schwerer MAN-Laster braucht rund 50 Meter bis zum Stillstand. Mehr als 200 Liter Bremsflüssigkeit zur Kühlung sind daher pro Rennen nötig. Im Vergleich dazu schluckt der 1150 PS starke 12-Liter-Achtzylinder-Motor „nur“ rund 120 Liter Biodiesel.

Diese Zahlen deuten schon an: Seriennahe Trucks sind das nicht. Aber, so Lohr: „Wir sind seriennäher als die DTM. Wir haben den Achsträger, den Basismotor und die Kabine und ein paar Kleinigkeiten aus der Serie, aber im Prinzip sind das Rennfahrzeuge.“ Einen Lkw-Führerschein brauchen die Fahrer daher nicht. Mit Freightliner, MAN, Mercedes-Benz, Iveco und Scania sind fünf Marken vertreten, Werksteams gibt es aber nicht.

Für Lohr könnte 2016 die letzte Saison werden: „Ich habe noch einen großen Traum: Ich will 2018 noch einmal die Dakar fahren“, sagt sie. „Beides gleichzeitig geht nicht, dafür ist das zu professionell.“ Truck-Racing ist eben mehr als Schieben und Drücken.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: B. Dietel; R. Klenberger

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