Verbrauchstest E10: VW Golf 1.4 TSI
— 17.02.2011
So steigt der Verbrauch mit Bio-Benzin
Der neue E10-Kraftstoff soll die Umwelt entlasten. Tut er aber nicht. Im AUTO BILD-Test schluckte ein E10-Golf deutlich mehr als im Super-Betrieb. Mehrkosten pro Jahr: 176 Euro. Alles zum E10-Schock.
"Mehr Bio im Benzin", mit diesem Slogan wirbt das Bundesumweltministerium für den neuen
Öko-Sprit E10 und informiert in einer Broschüre über die wichtigsten Fakten. Auflage: 8,5 Millionen. Trotzdem reagieren Autofahrer skeptisch. Bio im Benzin, das klingt so verlockend wie Vitamine im Wasser, erinnert viele offenbar aber eher an Dioxin im Frühstücksei. Seit der neue Kraftstoff an immer mehr Tankstellen aus den Pistolen fließt, steht bei Autoherstellern wie
Opel das Telefon nicht mehr still. "Die Verwirrung ist groß, und sie nimmt täglich zu", stöhnt Opel-Sprecher Christof Birringer. Häufigste Frage: Verträgt mein Auto E10? Von technischer Seite kommt Entwarnung. Etwa 90 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Benzin-Pkw verfeuert den Öko-Sprit problemlos.
Die große E10-Verwirrung: Wer nicht zu 100% sicher ist, dass sein Auto E10 verträgt, sollte die Finger vom Bio-Sprit lassen!
© E10-Tankstelle
Interessanter und bislang nicht bekannt ist der erhöhte Spritkonsum durch E10. Hinweise auf einen Mehrverbrauch sind an den Tankstellen und in den Informationen der Mineralölfirmen nicht zu finden. Auch der Blick in die Ministeriums-Broschüre hilft nicht weiter. Wollen Industrie und Politik und was verheimlichen? Der ADAC geht von 1,5 bis drei Prozent Verbrauchssteigerung aus – theoretisch. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Um das herauszufinden, hat AUTO BILD drei unterschiedliche Versuchsfahrten mit einem
VW Golf 1.4 TSI absolviert. Das Ergebnis ist eindeutig – und ein Schock: Der Verbrauch steigt. Und zwar erheblich. So schluckt der Golf (Turbomotor, 122 PS) bei Vollgas mindestens 1,2 Liter mehr im E10-Betrieb als mit konventionellem Superbenzin (95 Oktan). Auch in der Stadt und auf Landstraßen steigt der Spritdurst beim Einsatz des Bio-Benzins um rund fünf Prozent. Bei Konstantfahrt mit Tempo 140 km/h erhöht sich der Verbrauch ebenfalls um drei Prozent.
Grund für den Mehrverbrauch ist der schlechtere Heizwert des Öko-Sprits. Er gibt an, wie viel Energie sich aus jedem Gramm Kraftstoff herauskitzeln lässt. Benzin hat hier physikalische Vorteile und verbrennt über 30 Prozent effizienter als Ethanol. Konsequenz: Mit E10 muss der Fahrer für die gleichen Fahrleistungen mehr Gas geben und damit mehr Sprit durch die Einspritzdüsen jagen. Und das schlägt sich direkt auf die Betriebskosten nieder. Geht man von einem durchschnittlichen Mehrverbrauch von 0,6 Litern pro 100 Kilometer bei einer Jahresfahrleistung von 20.000 Kilometern aus, verteuern sich bei einem Golf die Kraftstoffkosten um 176 Euro pro Jahr. Also weiter Super 95 tanken? Das geht zwar dank Bestandsschutz, doch mit der E10-Einführung steigt leider der Preis für das bislang übliche Super um fünf bis zehn Cent pro Liter, kostet damit jetzt vielerorts so viel wie Super plus mit 98 Oktan.
Begründet wird das von den Ölmultis damit, dass sie an eine gesetzliche Bio-Quote gebunden sind, um so Treibhausgase zu senken und die Erdölvorkommen zu schonen. Klingt nobel, entkräftet aber nicht den Verdacht der dreisten Abzocke. Erinnert das Drehen an der Preisschraube doch stark an das Verschwinden von Normal-Benzin. 2007 setzten Aral und Co den Preis von Normal-Sprit auf Super-Niveau. Die Folgen waren kalkuliert: Normal verschwand vom Markt. Super 95 droht jetzt das gleiche Schicksal. Der Autofahrer ist also in jedem Fall der Verlierer. Entweder er greift zum teureren Super 95, oder er tankt E10 und muss mit dem erhöhten Spritverbrauch leben. So oder so zahlt er drauf. Wie immer.
| E10-Verbrauchstest mit dem VW Golf 1.4 TSI |
|
|
Stadtverkehr und Landstraße |
Vollgas |
Konstant 140 km/h |
| Superbenzin |
6,3 Liter |
21,0 Liter |
9,5 Liter |
| Neuer E10-Sprit |
6,6 Liter |
22,2 Liter |
9,8 Liter |
| Mehrverbrauch |
+ 0,3 Liter |
+ 1,2 Liter |
+ 0,3 Liter |
Alle Details zum E10-Schock finden Sie in AUTO BILD 7/2011 – ab 18. Februar im Handel
Jörg Maltzan
Kommentar
Mehr Bio im Benzin gleich weniger Treibhausgase. Schön wär’s. Die Rechnung geht nicht auf. Denn der neue E10-Sprit treibt den Verbrauch deutlich in die Höhe, und der Effekt für die Umwelt bleibt aus. Außerdem zahlen wir drauf. Denn entweder nehmen wir den erhöhten Spritkonsum in Kauf. Oder wir tanken verteuerten Super-Saft als E10-Alternative. Gewinner ist nur der Staat. Er kassiert in beiden Fällen über die Mehrwertsteuer mit. Eine Schande!
Kommentare zum Artikel (150)
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Ich habe seit 8 Tagen einen neuen VW UP mit gings Haupsächlich darum ob ich Proplemloß E 10 Tanken darf das hat jetzt VW und der ADAC bestädigt aber nach diesem Bericht wens nichts bringt bleibe ich bei Super 95
Nachdem nun die Differenz zwischen Super E5 und E10 auf 4 Cent angestiegen ist, habe ich E10 ein paar mal ausprobiert und dabei festgestellt, dass der Verbrauch in der Tat deutlich höher ausfällt. Bei mir macht das locker mal 1-1,5 l/100 km aus und da ist auch eine Ersparnis von 4 Cent nicht wirklich ein Anreiz auf E10 umzusteigen.
Dieser Sprit ist wirklich ein totaler Flop und zwar für die Umwelt und die Autofahrer!
Wer profitiert eigentlich von diesem Unsinn?
Deutsches Getreide wird über dem Weltmarktpreis produziert und zu einem garantierten Mindestpreis unabhängig von der Produktionsmenge von Produzenten abgekauft. Die Folge Handelsschranken und Überproduktion. Die überproduzierte Menge wird nun unter Exportsubventionen an selbige Entwicklungsländer für einen Bruch des Produktionspreises verkauft.
Und jetzt ist es wichtig sich die Situation der Entwicklungsländer anzuschauen. Diese kaufen nun deutlich günstigere Getreide aus der EU als das heimisch produzierte. Die Folge heimische Bauern werden aus dem Markt getrieben.
@Breneke.
Sie haben in ihrem Kommentar konnte ich viele Argumente gegen die Nutzung von E10 lesen, leider sind die meisten falsch und einige hätten sogar fatale Folgen. Nur ein Drittel des angebauten Getreides geht tatsächlich in die Ethanolproduktion. Deutschland nutzt nur 10%Ethanol aus Zuckerrohr dieses wächst zwar in Brasilien, aber kann nicht in Regenwaldgebieten wachsen, da es nunmal eine Trockenperiode braucht um Zucker anzureichen.
Sehr geehrter Herr Ohms,
leider muss ich Ihnen mitteilen, dass der resultierende Mehrverbrauch nicht mit der Benzinvariante Super E10 in Verbindung gebracht werden kann, sondern ausschließlich an Ihrem rostigen Vorkriegsunimog liegt.