Vergleich Audi A6/BMW 5er/Mercedes E-Klasse

Vergleich Audi A6/ BMW 5er/Mercedes E-Klasse

— 07.10.2009

In der Ruhe liegt die Kraft

Audi, Mercedes und BMW bieten in der automobilen Oberklasse Diesel-Limousinen, die wie eine Wellness-Kur wirken. Wer hat die beste Therapie für gestresste Nerven: A6 3.0 TDI, 530d oder E 350 CDI?

Sie haben schon genug Stress und möchten wenigstens im Auto Ihre Ruhe genießen? Sie sind ein Kandidat für die Businessklasse, aber Ihr CO2-Fußabdruck ist Ihnen nicht gleichgültig? Dann liegen Sie bei diesen drei stattlichen Komfortlimousinen zum Entspannen richtig. Ihr gemeinsames Rezept lautet: Warum zum Achtzylinder greifen, wenn es doch den Sechszylinder-Diesel gibt? Er ist die beste Therapie. Nehmen wir den Mercedes E 350 CDI, den Jüngsten in dieser Runde. Sein Schrittmacher hat bei drei Liter Hubraum zwar nur 231 PS. Aber vor allem 540 Nm Drehmoment. Das ist mehr, als der V8-Benziner im E 500 leistet (530 Nm). Ähnlich überzeugend: die Kraftspender des Audi A6 3.0 TDI (240 PS/500 Nm) und BMW 530d (235 PS/500 Nm) – beide stille Riesen mit der Kraft aus der Tiefe.

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Ein Meister des guten Qualitätseindrucks: der Audi A6.

Aber die Kur beginnt bei diesen Autos schon beim Reinsetzen. Reichlich Bewegungsfreiheit, Verwöhnsitze mit großem Verstellbereich und die gediegene Atmosphäre eines Qualitätsprodukts sind die beste Medizin. Mit unterschiedlicher Wirkung freilich: Audi entpuppt sich einmal mehr als Meister des Qualitätseindrucks und offeriert zusammen mit dem Benz das beste Raumgefühl. Im Mercedes freuen sich die Fondpassagiere, denn sie müssen beim Einsteigen nicht so arg den Kopf einziehen und genießen das beste Platzangebot. Die Gewissheit, die optimale Sicherheitsausstattung an Bord zu haben, wirkt wie Balsam für ängstliche Gemüter. Der BMW hingegen ist insgesamt etwas enger geschnitten, was Kenner dieser Marke kaum überrascht. Ebenso wenig die Tatsache, dass viele Dinge, die im Auto das Leben angenehmer machen, extra kosten: Sitzheizung und vollelektrische Verstellung etwa, oder die Einparkhilfe. Schwacher Trost: Bei den Konkurrenten ist dergleichen ebenfalls mit einer gesonderten Kurtaxe behaftet – Audi lässt sich sogar Bordcompouter und Tempomat bezahlen.

Bei den Fahrleistungen hängt die E-Klasse die Konkurrenz ab

Da zieht sie davon: Bei den Fahrleistungen liegt die E-Klasse vorne.

Ebenso maßgebend für die äußerst erquickende Wirkung dieser Diesel-Limousinen sind freilich ihre dynamischen Qualitäten. Der Verdacht, sich im Interesse eines günstigeren Verbrauchs mit rüpelhaftem Betragen abfinden zu müssen, verflüchtigt sich, sobald die Motoren ihre Betriebstemperatur erreicht haben. Am nachhaltigsten im Mercedes, dessen V6-Diesel so dezent murmelt, als arbeite er in einer Meditationskammer. Und wenn es sein muss, entwickelt er genügend Schmackes, um das Gros der Verkehrsteilnehmer hinter sich zu lassen – ganz locker und ohne Hektik. Da stört höchstens die Automatik, die bisweilen Mühe hat, rechtzeitig die Gänge zu sortieren. Die geschliffenen Manieren des Mercedes ergänzt das Fahrwerk. Er ist keine Sänfte, aber lästige Stöße filtert die Federung zuverlässig raus. Selbst große Verwerfungen der Fahrbahn bringen ihn nicht aus dem Konzept – beeindruckend, noch mehr allerdings ohne das im Testwagen eingebaute Sportfahrwerk. Den Aufpreis von 500 Euro sollten sich Komfortfreunde unbedingt sparen. Zumal der E-Klasse ohnehin nichts Sportliches anhaftet. Ihre Stärke ist die Mühelosigkeit des Fahrens. Sie folgt präzise und mit geringem Lenkaufwand dem Kurs, immer leicht untersteuernd, ohne den Kurvenheld zu markieren. Sehr angenehm, diese Mischung, und schonend fürs Nervenkostüm.

Die Vorzüge des Audi zeigen sich indessen vor allem bei widriger Witterung. Sein serienmäßiger Allradantrieb hilft ungemein, die vielen Newtonmeter zuverlässsig auf die Straße zu bekommen. Ansonsten bietet er nicht ganz die Ausgewogenheit des Mercedes, wirkt im Antritt eine Idee weniger kraftvoll, lenkt weniger präzise, schiebt in engen Kurven stärker über die Vorderräder und reagiert auf kurze Fahrbahnstöße ruppiger (woran auch die im Testwagen eingebaute, 1950 Euro teure Luftfederung nichts ändert). Alles kein großes Malheur, aber im direkten Vergleich nicht von der Hand zu weisen. Vorbildlich dagegen die Bremsen: Schneller steht in dieser Runde keiner. Der BMW 5er würzt sein Wellnessprogramm dagegen mit sportlichem Aroma – nicht aufdringlich, aber doch spürbar. Das zeigt sich beim Gasgeben, wenn sein Reihensechszylinder noch energischer als die V6-Maschinen der Konkurrenten zubeißt.

Der Motor des BMW grollt am vernehmlichsten und verbraucht am wenigsten

Sparsam: Der BMW 530d hat mit 7,8 l/100 km den kleinsten Durst.

Es ist zu hören, denn sein Diesel grollt vernehmlicher. Und der Fahrer spürt es, besonders in schnell gefahrenen Wechselkurven, die der BMW 5er mit Freuden, mit neutralem Eigenlenkverhalten, präzise und mit aufrechtem Gang absolviert. Das setzt allerdings voraus, dass der Kunde das sogenannte Dynamic-Drive-Paket (2360 Euro) mit aktivem Wankausgleich ordert. Sportlich sind freilich auch die vergleichsweise knapp bemessenen Federwege, was beim Überfahren großer Bodenwellen schon mal für Turbulenzen auf den Sitzen sorgt. Insgesamt also eher belebend als beruhigend, dieser 5er, aber das muss ja kein Fehler sein. Dass der 5er obendrein das Gewissen schont, macht die Sache besonders erstrebenswert. Und das gilt nicht nur für den BMW, sondern mit geringen Abstrichen auch für den Audi A6 und den Mercedes E 350 CDI. In Anbetracht der De-luxe-Behandlung hält sich die verlangte Tankstellen-Rechnung in ausgesprochen bescheidenen Grenzen. Schließlich reden wir hier von Komfortautos mit überdurchschnittlich hohem Sicherheitsfaktor, Limousinen, die sich in rund sieben Sekunden auf Tempo 100 katapultieren können und bis zu 250 km/h schnell sind. Gemessen an solchen Fahrleistungen sind die 7,8 Liter pro 100 Kilometer, die sich der BMW genehmigt, medizinisch gesehen wie ein kleines Wunder. Auch an den 7,9 Litern des Mercedes und den 8,3 Litern des Audi gibt es nichts zu meckern.

Sicher, wer die Muskeln der Dieselmotoren ausgiebig spielen lässt, sieht auch schon mal die Zehn vor dem Komma. Dennoch: Sparsamer können Gefährte diesen Kalibers nach dem Stand der Technik kaum sein. Der Kostenvorteil des Verbrauchs dürfte für die Besitzer indes kaum eine entscheidende Rolle spielen. Teuer sind diese Luxus-Diesel so oder so. Unter 50.000 Euro spielt sich hier nichts ab, wobei die Preisunterschiede zwischen unseren drei Kandidaten leicht zu vernachlässigen sind. Rechnet man die in dieser Klasse üblichen Extras hinzu, klettern die zu überweisenden Beträge schnell über die 60.000 Euro. Und wo ist das viele Geld am besten angelegt? Wir würden es ganz entspannt für den Mercedes ausgeben. Seine Therapie wirkt wie Balsam auf gestresste Autofahrer-Seelen.

Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Nein, der Nobeldiesel unter den E-Klasse-Modellen ist keiner, der die Konkurrenz vernichtet. Dazu ist sein Vorsprung zu gering. Aber er ist einer, der in den entscheidenden Kriterien ein wenig mehr bietet: den etwas kräftigeren und kultivierteren Motor, das etwas bessere Raumangebot, den angenehmeren Komfort, Vorteile bei der Sicherheit. Das reicht dann für Platz eins. Der Audi kann dagegen sein fortgeschrittenes Alter im Vergleich nicht mehr verheimlichen. Das kann auch der Vorzug des Allradantriebs nicht wettmachen. Und dem BMW fehlt es zudem an Raum und Komfort.

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