Vergleich Porsche Cayman/Nissan 370Z/Audi TTS
Drei feurige Coupés geben Gas

Es geschah 2008, im Spätherbst, als der flammneue Audi TTS dem Coupé-Establishment ordentlich den Hintern versohlte. Doch Nissan 370Z und Porsche Cayman haben aufgerüstet und verlangen eine Revanche – auf dem Sachsenring.
- Stefan Helmreich
Vielleicht kennen Sie das ja: Da hat man es sich in seinem Job bequem gemacht, den Stuhl eingesessen, das Telefon in Griffweite drapiert und alle anfallenden Aufgaben erledigt, ohne dass sich je irgendwer beschwert hätte. Doch dann kommt auf einmal ein neuer Kollege: So ein aalglatter Schnösel, der mit überschäumendem Selbstbewusstsein in die heile Bürowelt poltert und der Hübschen aus der Buchhaltung binnen Sekunden den Kopf verdreht, während man selbst gefühlte zwölf Mal mit der Mittagessen-Frage abgeblitzt ist. Ungefähr so muss sich bei dem Vergleich anno 2008 der Porsche Cayman gefühlt haben. Damals, als so ein dahergelaufener Audi TTS zuerst seinen Fans schöne Augen machte und ihm dann auf der Rennstrecke ordentlich heimleuchtete. Dass so was ausgerechnet ihm passieren musste. Ihm, dem Cayman, der eigentlich versuchen sollte, Audi-Fahrer in der Porsche-Welt anzusiedeln. Statt ihnen Argumente zu liefern, besser einfach sitzen zu bleiben.
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Bild: Lena Barthelmeß
Akustisch gibt es in diesem Vergleich nichts Besseres als den Porsche-Boxer

Bild: Lena Barthelmeß
Und weil er seine 265 PS mit dieser Mischung aus Zärtlichkeit und Vehemenz entfaltet, zu der wohl nur Sechszylinder-Sauger aus Zuffenhausen in der Lage sind. Denn während der Nissan-V6 sein Drehmoment scheinbar eimerweise über die Hinterachse kippt, sich trotz Sperre immer wieder an der Traktionselektronik verschluckt, fließen die Newtonmeter des Cayman wie eine endlose Stromschnelle in den Beschleunigungskreislauf. Untenrum etwas seicht, dann dauerwuchtig, aber eben nie überschäumend. Beim Zweiliter-Turbo des Audi TTS, jenem Mittelsmann zwischen der leicht bekömmlichen Coupébasis und dem Vollwertsportler RS, schnellt die Kraftfontäne nicht nur plötzlicher aus der Kurbelwelle. Vor allem stapft der Direkteinspritzer schon dann über sein 2500 Touren breites Hochplateau, wenn seine Widersacher noch damit beschäftigt sind, ihre Drehmomentgipfel zu erklimmen. Doch obwohl sich auch der Allradantrieb rührend darum kümmert, dass der Punch des Borg-Warner-Laders praktisch verlustfrei in Vortrieb übergeht, muss der TTS mit ansehen, wie sich der schwerere Nissan auf den ersten Sprintmetern langsam, aber sicher davonstiehlt. Erst jenseits der 100 km/h und beim Elastizitätswetteifern lässt er durchblicken, weshalb er beim letzten Aufeinandertreffen so ungefährdet aufs Siegerpodest klettern durfte.
Der Vorsprung des TTS aus dem Jahre 2008 ist dahingeschmolzen

Bild: Lena Barthelmeß
Doch nicht nur bei der Ergonomie, auch auf Landstraßen wirkt der Nissan 370Z etwas zu starr, verkantet auf Bodenwellen in seiner etwas laschen Lenkung und grätscht mit Sidesteps in die anvisierte Fahrlinie, etwa wenn ein Gullydeckel von unten gegen die 19-Zöller patscht. Vielleicht ist es aber gerade dieses ungezwungene, fast hemdsärmelige Fahrfeeling, das die Mundwinkel dauerhaft an die Ohrläppchen heftet. Vor allem bei abgeschaltetem ESP, wenn die Kraftkeule des V6 ungehemmt auf die 275er-Hinterwalzen einprügeln darf und Kurven nur noch im 45-Grad-Winkel durchs Frontvisier streifen, müssen sich selbst Porsche-Jünger ganz schön auf die Zunge beißen, um nicht ins Schwärmen zu geraten. Auch weil die Zwischengasautomatik des Sechsganggetriebes recht galant kaschiert, dass der linke Fuß beim Runterschalten jedes Mal einen bleischweren Antriebsstrang verkuppeln muss. Ein Gimmick, auf das die deutsche Premiumriege getrost verzichten kann.
Wie sich die drei Coupés auf der Rennstrecke geschlagen haben, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
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