Sport-Limousinen: Test
Hängt der BMW 5er alle ab?

Bild: Lena Barthelmeß
Wer rund 70.000 Euro für ein Auto übrig hat, "hat es geschafft", sagt man gemeinhin. Sie oder er sitzt an den Schaltstellen der Macht, ist es gewohnt, Entscheidungen zu treffen. Etwa in Personalfragen. Ist der hochkarätige Spezialist der Richtige, oder erfüllt der flexible Allrounder eher das Anforderungsprofil? Fragen, die auch bei der Entscheidung für ein neues Auto von Bedeutung sein können. Denn – nicht nur – in der PS-starken automobilen Oberklasse setzen viele Hersteller auf variable Abstimmungen. Etwa Motorsteuerungen, die auf Knopfdruck in ein anderes Kennfeld wechseln und ein bis dahin zahmes Kätzchen in einen properen Löwen verwandeln. Oder Fahrwerke, die den Spagat zwischen kommoder Limousine und sehnigem Sportler – ebenfalls auf Knopfdruck – ziemlich gut beherrschen.
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Auch Nummer zwei kommt aus Bayern und ist mit all seinen Einstellungsmöglichkeiten ein Paradebeispiel für die eingangs erwähnte Flexibilität: der BMW 550i. Dank einer Armada von elektronischen Regelsystemen schafft er einen gewaltigen Spagat zwischen Komfort und Sport. Jaguar schickt seinen natürlich beatmeten XF 5.0 ins Rennen, dessen Sporttaste auf Motor und Getriebe wirkt. Zwar gibt es auch von Jaguar ein adaptives Fahrwerk, aber das ist dem Topmodell XFR vorbehalten. Zu guter Letzt zeigt der Mercedes E 500 mit seinem serienmäßigen Luftfahrwerk, wie ein sehr guter Fahrkomfort auf Knopfdruck einer geschärften Fahrwerkseinstellung weicht und so von der Langstreckensänfte für zügige Autobahnpassagen einen großen Schritt hin zum spaßorientierten Kurvenräuber macht. Zunächst die Gemeinsamkeiten: Keiner der vier Motoren lässt einen Autofan unberührt.
Doch aus unterschiedlichen Gründen. Der Audi klingt gut und betont sportlich, kommt aber bei den Fahrleistungen trotz seiner Mehr-PS – insgesamt mobilisieren die zehn Zylinder 435 PS – nicht gegen die Konkurrenz an. Mit einem Sprintwert von sechs Sekunden von 0 auf 100 km/h verfehlt er sogar die Werksangabe deutlich um 0,8 Sekunden. Zudem verbraucht er am meisten. Zeit verliert er auch, weil das Zusammenspiel von Motor und Getriebe nicht ganz so perfekt ist wie bei BMW und Mercedes. Nach einem Gasbefehl dauert es ein wenig, bis der S6 so richtig aus dem Quark kommt. Der Jaguar faucht, wie es sich für eine große Katze gehört, und dreht schön gleichmäßig in Richtung Begrenzer. 385 sämige PS und ein Drehmoment von 515 Nm bieten genug Kraft für alle Lebenslagen, die Kraftentfaltung wirkt mühelos. Die Sechsstufenautomatik von ZF kommt ihrer Aufgabe mit Bravour nach, schaltet weich und fast unmerklich.
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Doch weit gefehlt. Nicht mal bei sehr niedrigen Drehzahlen ist auch nur im Ansatz der Einsatz der beiden Lader zu spüren, der sofort einsetzende Schub gewaltig und nachhaltig. Hier wird die Faszination nicht durch einen rassigen Sound genährt, was zum Charakter des distinguierten 550i auch gar nicht passen würde, sondern sie lebt von der Tatsache, dass das hubraumschwächste Fahrzeug im Vergleich die Konkurrenz in Grund und Boden fährt. Beim Messen der Fahrleistungen setzt sich der 407 PS starke BMW umso weiter vom Mercedes ab, je höher das Tempo wird. Wie war das noch mal mit dem Hubraum, der durch nichts zu ersetzen ist? Die Zeiten haben sich offensichtlich geändert. Leider schlägt sich die faszinierende, von Downsizing geprägte Technik gerade dort nicht nieder, wo man ihren Einsatzzweck am liebsten sähe: beim Spritkonsum.
Weitere Details zu den vier sportlichen Limousinen finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Fazit
Mit dem BMW gewinnt der beste Allrounder mit der derzeit wohl größten Bandbreite zwischen Sport und Komfort. Wie perfekt der Motor mit der Achtstufenautomatik zusammenspielt, wie das Fahrwerk im Sportmodus über selbst übelste Pisten fliegt – Chapeau. Dass da die Emotionen etwas auf der Strecke bleiben, stört in dieser Klasse nicht. Ohne Schwächen, aber etwas weniger sportlich, landet der Mercedes E 500 knapp dahinter auf Platz zwei. Sportlich und emotional liegt der Audi ganz vorn, enttäuscht aber bei den Fahrleistungen und zeigt sich beim Benzinkonsum alles andere als zurückhaltend. Der Jaguar landet schließlich auf dem vierten Platz, da er in sportlicher Hinsicht außer dem untadeligen Motor nicht allzu viel zu bieten hat. Dafür ist er der Exklusivste.
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