Vergleich VW Golf GTD/BMW 120d Coupé — 22.10.2009
Kompakte Sportler mit Diesel
Eine alte Sportfahrerweisheit sagt: Lenkung vorn, Antrieb hinten. Trifft solch eine Aussage auch bei rund 170 Diesel-PS zu? Der Vergleich zwischen VW Golf GTD und BMW 120d Coupé klärt die Frage.
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Der BMW setzt hier auf bescheidenere Zutaten. Seine klassische Coupésilhouette wirkt eher schlicht, die freundlich dreinblickende Front weckt zwar Sympathien, kommt aber alles andere als Respekt einflößend daher. Und auch bei den Anbauteilen herrscht im Basistrimm wenig Sportsgeist. Die Leichtmetallräder fallen eine Nummer kleiner aus als beim Golf (17-Zöller für 500 Euro Aufpreis), das Spoilerornat glänzt sogar gänzlich durch Abwesenheit (M-Sportpaket 2950 Euro). Dass es – wie so oft im Leben – auch bei dieser Paarung auf innere Werte ankommt, beweist das 1er Coupé bei einer ersten Sitzprobe. Zwar kosten Annehmlichkeiten wie Sportsitze (580 Euro) und Sportlederlenkrad (290 Euro) ebenfalls saftige Aufpreise. Dafür zeigt sich der Arbeitsplatz hinter dem Volant fast wie maßgeschneidert. Egal ob Lenkrad, Schalthebel oder Pedalerie, alle wesentlichen Bedienelemente sind ergonomisch perfekt positioniert. Bei dieser Wertung liegt der GTD jedoch nicht sehr weit zurück. Zwar ist sein Cockpit eine Ecke luftiger geschnitten und wirkt in letzter Konsequenz nicht ganz so fahrerorientiert. Dafür glänzt der Wolfsburger erneut mit vorbildlicher Serienausstattung. Sportsitze und Sportlenkrad sind ebenso aufpreisfrei wie Chromapplikationen und Aludekor.
Das BMW-Aggregat begeistert durch verzögerungsfreie Drehfreude
Wenig Unterschiede fördert ein erster Blick auf die Eckdaten zutage. Beide Duellanten vertrauen auf knapp zwei Liter Hubraum und Turboaufladung. Das maximale Drehmoment beträgt jeweils 350 Newtonmeter und liegt ab 1750 Umdrehungen an. Was nun in der Theorie aussieht wie ein Kampf mit stumpfen Waffen, offenbart in der Praxis einige Unterschiede. So entpuppt sich das BMW-Triebwerk als so muntere wie hocheffiziente Allzweckwaffe. Schon ab 1500 Touren baut der Viertöpfer kraftvollen Druck auf. Im mittleren Drehzahlbereich schwindet das Turboloch dann gänzlich zur Statistengröße. Ab 2000 Touren spricht der Motor nahezu verzögerungsfrei an und beweist bis zum roten Bereich fast schon diesel-untypische Drehfreude. Das Golf-Aggregat geht subjektiv etwas verhaltener zu Werke, was allerdings weniger an mangelnder Kraft als vielmehr an seiner bestechenden Laufruhe liegt. Bei niedrigen Drehzahlen kommt der VW-Diesel ähnlich flott auf Trab. Er dreht ebenfalls kraftvoll durch das mittlere Drehzahlband, verliert aber im oberen Drehzahlbereich etwas früher den Vortriebswillen Zudem hat der Wolfsburger bei unseren Fahrleistungsmessungen mit einem weiteren Nachteil zu kämpfen. Aus dem Stand heraus muss er als Fronttriebler mit weniger Traktion zurechtkommen, was sich negativ auf die Anfahrdrehzahl auswirkt. Während der Standardsprint auf 100 km/h im BMW mit rund 3000 Touren in Angriff genommen werden kann, muss die Kupplung im Golf bereits bei 2500 Touren den Kraftschluss herstellen, um ein zeitraubendes Durchdrehen der Räder zu verhindern. So fährt das 120d Coupé bis 100 km/h einen Vorsprung von vier Zehnteln auf seinen Wolfsburger Konkurrenten heraus. Bis 160 km/h herrscht danach nahezu Gleichstand. Erst darüber hinaus kommt die lebhaftere Drehfreude des Bayern zum Tragen. Bis 200 km/h beträgt sein Vorsprung glatte drei Sekunden. Generell beginnt im Golf GTD ab Tempo 200 ein recht zähes Ringen mit den Elementen. Um die versprochenen 222 km/h Topspeed zu erreichen, braucht es reichlich Anlauf.
Der BMW schiebt auch jenseits von 200 Sachen noch munter weiter. Tacho 230 sind schnell erreicht. Erst danach bleibt ein spürbarer Vorwärtsdrang aus. Immerhin beschert eine kürzere Getriebeübersetzung dem Golf die besseren Elastizitätswerte. Davon abgesehen punktet der Selbstzünder im VW noch mit einer für Dieselmotoren untypisch sonoren Stimme. Diese rührt jedoch nicht von einer besonders freizügig konstruierten Abgasanlage her, sondern hat ihren Ursprung nahe dem Frontscheibenrahmen. Mittels Steuergerät und sogenanntem Schwingteller samt Spule erzeugen die VW-Ingenieure im Innenraum einen herzhaft kernigen Klang, der die Arbeitsgeräusche des Dieselmotors überlagert und somit auch akustisch für sportliches Feeling sorgt.
Weitere Details zu Golf GTD und BMW 120d finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
| Technische Daten | BMW 120d Coupé | VW Golf GTD |
|---|---|---|
| Motor | R4, Turbo | R4, Turbo |
| Einbaulage | vorn längs | vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
| Hubraum | 1995 cm³ | 1968 cm³ |
| Bohrung x Hub | 84,0 x 90,0 mm | 81,0 x 95,5 mm |
| Verdichtung | 16,0:1 | 16,5:1 |
| kW (PS) bei 1/min | 130 (177)/4000 | 125 (170)/4200 |
| Literleistung | 89 PS/Liter | 86 PS/Liter |
| Nm bei 1/min | 350/1750–3000 | 350/1750–2500 |
| Antriebsart | Hinterrad | Vorderrad |
| Getriebe | 6-Gang | 6-Gang |
| Bremsen vorn | 300 mm/innenbelüftet | 312 mm/innenbelüftet |
| Bremsen hinten | 300 mm/innenbelüftet | 253 mm |
| Radgröße vorn/hinten | 7 x 17 | 7 x 17 |
| Reifen vorn/hinten | 205/50 R 17 | 225/45 R 17 |
| Reifentyp | Bridgestone Potenza RE 050 A | Dunlop SP Sport 01 A |
| Länge/Breite/Höhe | 4360/1748/1423 mm | 4213/1786/1501 mm |
| Radstand | 2660 mm | 2578 mm |
| Leistungsgewicht | 8,2 kg/PS | 8,3 kg/PS |
| Zuladung | 397 kg | 477 kg |
| Tankvolumen | 51 l | 55 l |
| Messwerte | BMW 120d Coupé | VW Golf GTD |
|---|---|---|
| Beschleunigung | ||
| 0– 50 km/h | 2,7 s | 3,0 s |
| 0–100 km/h | 7,8 s | 8,2 s |
| 0–130 km/h | 13,0 s | 13,4 s |
| 0–160 km/h | 19,7 s | 20,5 s |
| 0–180 km/h | 26,3 s | 27,2 s |
| 0–200 km/h | 33,9 s | 36,9 s |
| Viertelmeile | ||
| 0–402,34 m | 15,79 s | 16,15 s |
| Vmax | 228 km/h | 222 km/h |
| Elastizität | ||
| 60–100 km/h im 4. Gang | 6,4 s | 5,8 s |
| 80–120 km/h im 5. Gang | 8,2 s | 7,7 s |
| 80–120 km/h im 6. Gang | 11,5 s | 10,1 s |
| Bremsweg (Verzögerung) | ||
| 100–0 km/h kalt | 36,6 m (–10,5 m/s²) | 36,9 m (–10,5 m/s²) |
| 100–0 km/h warm | 38,3 m (–10,1 m/s²) | 38,9 m (–9,9 m/s²) |
| Testverbrauch | ||
| Ø auf 100 km | 5,7 l Diesel | 6,1 l Diesel |
| Reichweite | 900 km | 900 km |
| Leergewicht | 1453 kg | 1403 kg |
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Kommentare zum Artikel (118)
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Schöner alt Herren waagen der 1er!
Der 1er ist das bessere, das schönere und das effizientere Auto. Entscheidend ist aber die Frage, ob ERST- oder ZWEITWAGEN. In den 1er - mal ehrlich - krieg ich nix rein. Ich war letztens froh, als ich umgezogen bin und mit dem Golf sogar Waschmaschine etc. tranzportieren konnte. Oder in Urlaub fahren konnte ohne Dachbox. Für Menschen, die die Multifunktionalität eines Fahrzeugs schätzen, kann nur der GTD die logische Wahl sein. Die Bonzen, die sich den 1er nebenbei kaufen, kann ich nur eins sagen: WÜRD ICH AN EURER STELLE AUCH MACHEN ;-)
der bmw ist genauso wie seine fahrer. immer ein bißchen zu viel des guten. vom design her ist der golf das erwachsenere und ausgewogenere auto, das vor allen dingen auch in ein paar jahren noch schick aussieht. am bmw-design hat man sich immer sehr schnell sattgesehen. den kompakten 1er fand man anfangs noch total schick. jetzt wundert man sich über die viel zu großen scheinwerfer und die hängende seite. vielleicht sollte man diesen artikel unter den aspekten in 3 jahren noch einmal diskutieren.
Bitte Autobild,
vergleicht nicht immer die Sportversion von Audi oder VW mit einem "normalen BMW" ich rede vom M - Sportpaket mit Sportfahrwerk oder nehmt den stärksten Diesel "123d" ist ja auch der stärkste Diesel von VW oder??
Man kann echt Audibild sagen ich lese sie schon gar nicht mehr weil immer so verglichen wird SCHADE SCHADE
ich find es schade das der golf so hoch gepuscht wird.
hallo es ist nur ein golf den man an jeder ecke sieht.
ein 1er coupé bietet viel mehr emotion und fahrspaß.darauf kommt es doch auch an mit einer überschrift "kompakte sportler mit diesel" oder versteh ich da was falsch bei den wort sport!!!