Kehrtwende im VW-Konzern? Seat- und Cupra-Chef Wayne Griffiths dementiert Pläne, die Marke Seat zugunsten von Cupra aufzugeben. "Das ist kein Entweder-oder", sagt er im Interview mit der dpa. "Ich freue mich, dass ich beide Marken habe."
Das bleibe auch nach einem absehbaren Aus für die bisher von Seat gebauten Verbrenner so, ergänzt Griffiths. "Wie es dann mit Seat langfristig weitergeht, hängt natürlich mit der Elektrifizierung zusammen." Jedenfalls könne die spanische Marke auch in Zukunft die Rolle der günstigen Einstiegsmodelle übernehmen. 
Griffiths: "Bis heute ist es schlicht nicht möglich, mit einem kleinen Elektroauto im klassischem Seat-Segment wirklich Geld zu verdienen. Dafür brauchen wir eine andere Elektro-Plattform und auch günstigere Batterien." Aber, so der Brite, "wir haben auf jeden Fall Zeit bis 2035, bis wir dann wirklich keine Fahrzeuge mehr mit Emissionen verkaufen können. Und bis 2035 wird sich da noch einiges tun in der Entwicklung." 

Seat-Chef relativiert Aussagen des Volkswagen-CEOs

Damit relativiert der Seat-Chef Aussagen von Volkswagen-CEO Thomas Schäfer. "Die Zukunft von Seat ist Cupra", hatte der am Rande der IAA Mobility in München in einem Interview mit der britischen Autocar angekündigt. 
Zu dem "Wechsel" bei der spanischen VW-Marke sollte es demnach spätestens 2030 kommen. Wie Schäfer erklärte, werden die bestehenden Seat-Modelle in ihren derzeitigen Lebenszyklen weiter produziert. Einige seien bis in die späten 2020er-Jahre hinein geplant.

Seat wird Mobilitätsmarke, Cupra übernimmt die Autosparte

Doch spätestens ab dem Jahr 2030 soll es laut dem Volkswagen-CEO keine neu produzierten Seat-Fahrzeuge mehr geben. Stattdessen soll Cupra als sportlicher Ableger von Seat weiter aufgebaut und gestärkt werden. Für Seat werde man eine neue Rolle finden, sagte Schäfer.
Wahrscheinlich werde man sich auf andere Fahrzeuge und Mobilitätslösungen konzentrieren, etwa auf E-Scooter, wie es mit dem Seat Mó bereits der Fall ist. Die Seat-Werke weiterhin betrieben werden, dort soll zum Beispiel der VW ID.2 gebaut werden.
Der Cupra Formentor.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Schäfer sagte, dass es sich finanziell nicht lohne, sowohl in Seat als auch in Cupra als Mainstream-Marken zu investieren. Das Ertragspotenzial für Cupra sei letztlich größer. Deshalb werde der VW-Konzern "stark in Cupra investieren, das wird hochgefahren". Auf dem Markt sind bereits der Cupra Formentor und der Tavascan, ab 2025 wird der Raval produziert. Mit der Studie "DarkRebel" hat Cupra zudem einen Ausblick auf einen Sportwagen gegeben.
In Spanien hat die Entscheidung, die laut Schäfer schon lange gefällt wurde, keine nennenswerten Auswirkungen. "Es gibt keine Probleme mit der Regierung", so Schäfer. Die Kunden nehmen Cupra ebenfalls an, sie sei die am schnellsten wachsende Marke in Europa, erklärt der Volkswagen-CEO.
"Ich denke, im Nachhinein war es die richtige Entscheidung, aber es ist ein Wagnis", so Schäfer: "Ich habe viele neue Namen kommen und gehen sehen. Cupra ist größer als Alfa Romeo und Polestar."