VW-Chef Martin Winterkorn

VW-Bilanz 2014: Wolfsburg plant "Überholmanöver"

— 13.03.2015

Weltmarktführung fest im Blick

Der VW-Konzern hat die Weltmarktführerschaft fest im Blick. Der Abstand zu Toyota, derzeit noch auf dem Branchenthron, schmilzt. Nun kündigt VW-Boss Winterkorn ein "Überholmanöver" an.

(dpa/sb) In einem Jahr voller Unsicherheiten und Krisen holt Volkswagen zur Attacke aus. Während wichtige Automärkte wie Russland oder Brasilien am Boden liegen und die Branche nur noch auf wenige Wachstumstreiber vertrauen kann, macht VW-Chef Martin Winterkorn eine Kampfansage in Richtung des Erzrivalen Toyota: "Der Volkswagen-Konzern erhöht die Schlagzahl", sagte er nun zur Bilanzvorlage in Berlin. "Wir setzen jetzt zum Überholmanöver an."

VW-Chef Winterkorn auf dem Autosalon Genf 2015

VW-Chef Winterkorn auf dem Autosalon Genf 2015 VW-Chef Winterkorn auf dem Autosalon Genf 2015 VW-Chef Winterkorn auf dem Autosalon Genf 2015
Und damit meint er nicht nur den nahen Sprung auf den Absatz-Thron der Autowelt. Dieses Jahr dürften die Wolfsburger bei den Verkäufen Toyota überholen und zur Nummer eins der Autobauer aufsteigen. Auch unter dem Strich will VW den Ton angeben. Die außerhalb von China schwächelnde Hausmarke Volkswagen-Pkw soll dieses Jahr mindestens die erste von insgesamt fünf Milliarden Euro Kostenersparnis einfahren. Für die anderen Marken gelten laut Winterkorn ähnliche Sparpläne. "Wir haben schon viel entschieden", sagte er, ohne Details zu nennen.

Winterkorn: "2015 mit Fragezeichen"

Skoda macht es vor: sieben Prozent Redite im Jahr 2014 und damit fast dreimal mehr als VW.

Dabei gibt es auf den Märkten viele Probleme. "Über dem Autojahr 2015 stehen große Fragezeichen", betonte Winterkorn. Neben den Markteinbrüchen in Brasilien und Russland kosten neue Technologien zur CO2-Reduzierung und für vernetzte Autos viel Geld. Trotzdem sollen Umsatz und operativer Gewinn die Rekorde aus dem vergangenen Jahr erneut übertreffen. Das verspricht VW trotz aller Vorsicht. Großer Hebel bleibt die Baukastenstrategie namens MQB. Sieben Millionen Autos sollen 2018 auf dieser modularen Architektur fußen, weit mehr als doppelt so viele wie in diesem Jahr. Luft nach oben hat vor allem VW-Pkw: Während bei der Hausmarke erst 15 Prozent der Neuwagen auf MQB-Basis entstehen, ist es bei Skoda schon jeder dritte. "Das lässt sich auch im Ergebnis ablesen", sagte Winterkorn. Die tschechische Tochter kam 2014 auf sieben Prozent operative Rendite – dahin soll es bei VW-Pkw von zuletzt nur 2,5 Prozent auch gehen.
15,9 Millionen Euro für Winterkorn
Das Erfolgsjahr 2014 mit Rekorden bei Absatz, Umsatz und operativem Gewinn lässt bei Volkswagen-Chef Martin Winterkorn die Kasse klingeln. Der Vorstandsvorsitzende des Zwölf-Marken-Konzerns mit seinen fast 600.000 Mitarbeitern bekommt für das Geschäftsjahr rund 15,9 Millionen Euro Salär, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Im Vorjahr hatte der bestbezahlte Dax-Chef 15 Millionen Euro (inklusive Boni) erhalten. Die Vorstandsvergütung besteht neben einem Fixgehalt aus kurz- und langfristigen Erfolgsbeteiligungen. 2011 hatte Winterkorn sogar rund 17,5 Millionen Euro bekommen – dann aber reformierte der Aufsichtsrat die erfolgsabhängigen Bonuszahlungen. Winterkorn erhält für seinen Vorstandsjob bei der Porsche-Holding außerdem noch weitere Bezüge. Zuletzt lagen sie für 2013 bei knapp 800.000 Euro. Zudem hat Volkswagen für Winterkorns Pensionsansprüche inzwischen eine Rückstellung von knapp 29 Millionen Euro gebildet.
Konzernweit hatte Volkswagen vergangenes Jahr den Umsatz auf 202,5 Milliarden Euro gesteigert und dabei vor Zinsen und Steuern (Ebit) 12,7 Milliarden Euro verdient. Unter dem Strich blieben 10,9 Milliarden Euro. Und beim Blick in die Zukunft soll es auch nur eine Richtung geben: "Unser Anspruch ist es, auch in fünf, zehn und fünfzehn Jahren an der Spitze der Automobilindustrie zu stehen", sagte Winterkorn. Diese Ansage gilt nicht nur für den Pkw-Bereich zwischen VW Up und Porsche Panamera. Auch die Lkw-Sparte mit MAN und Scania soll in allen Bereichen am Branchenprimus Daimler vorbeifahren. Winterkorn: "Langfristig wollen wir der beste und profitabelste Truck-Anbieter der Welt werden." Auf lange Sicht soll die Nutzfahrzeug-Allianz mindestens 850 Millionen Euro einsparen und mit einem Baukastensystem nach Vorbild der Pkw-Sparte produzieren.

Audi und Porsche sind die Gewinntreiber

Melkkuh: Porsche baut immer mehr Autos – und verdient mit den teuren Flitzern viel Geld.

Dazu muss aber noch einiges geschehen: "Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten alle notwendigen Entscheidungen treffen sowie die organisatorischen und personellen Voraussetzungen dafür schaffen, um unsere Ziele zu erreichen", sagte der Konzernboss. Gewinntreiber im Konzern waren 2014 erneut die Premiumtöchter Audi und Porsche, die zusammen auf 7,9 Milliarden Euro operativen Gewinn kamen – fast zwei Drittel des konzernweiten Ebits. Außerdem steigerte das China-Geschäft sein Ergebnis um ein Fünftel auf 5,2 Milliarden Euro. Dort macht der Konzern bereits ein gutes Drittel vom Absatz.
Winterkorns Sparkurs: Milliarden-Diät bei VW

Die guten Zahlen des vergangenen Jahres machen sich für einen Großteil der Belegschaft mit einem Extra-Bonus bemerkbar: VW zahlt 5900 Euro Prämie an seine rund 115.000 Haustarif-Mitarbeiter. Der Bruttobetrag für den Erfolg im vergangenen Jahr ist für jeden Beschäftigten gleich hoch. Die Gesamtsumme bleibt mit fast 700 Millionen Euro konstant. Doch der Bonus fällt pro Kopf 300 Euro kleiner aus als vor einem Jahr, da 5500 neue Mitarbeiter profitieren.

Stichworte:

Martin Winterkorn

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.