Fahrbericht VW Design Vision GTI

VW Design Vision GTI: Fahrbericht

— 25.11.2013

Extrem böser GTI mit 503 Turbo-PS

Von wegen, der Golf ist ein gefühlloses Allerweltsauto! Das gilt nicht für den Design Vision GTI. Wir haben uns das Einzelstück genauer angesehen.

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung in Los Angeles. Zwar donnert ab und an schon ein früher Flieger über das "Forum"-Stadium, in dem viele Jahre die LA Lakers zu Hause waren. Doch ansonsten herrscht eine friedliche Ruhe im wenig schmuckvollen Inglewood– bis ich am Steuer des Golf GTI auf den Startknopf drücke. Die Cops springen nervös aus ihrem Streifenwagen, vom Jumbo am grauen Himmel hört man nur noch ein Flüstern, und mit einem Gasstoß bringe ich im Umkreis einer halben Meile jedes Gespräch zum Erliegen.

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Video: VW Design Vision GTI

GTI mit 503 Turbo-PS

Denn das hier ist kein GTI wie jeder andere. Ich sitze im bösesten und brutalsten Exemplar, das VW von der siebten Generation seines Bestellers bislang gebaut hat: "Design Vision GTI" steht am endlos breiten Heck, und durch die beiden Ofenrohre röhrt ein 503-PS-Turbo unverschämt laut. Dieses dreckige Scharren, Kratzen und Brüllen hat schon die Fans beim größten GTI-Treffen der Welt am Wörthersee entzückt, wo der Bodybuilder in diesem Sommer enthüllt wurde. Und das gefällt natürlich auch den Cops, die jetzt als Zaungäste die Jungfernfahrt des weißen Riesen verfolgen. Dann knallt das DSG den ersten Gang ins Getriebe, der drei Liter große V6-Motor dreht hoch und der GTI stürmt voran wie die F-14 von Tom Cruise beim letzten Gefecht in "Top Gun". Während sich die vier Gummiwalzen des Allradlers mit dem schartigen Asphalt verzahnen, krallen sich meine Hände um das dünne Sportlenkrad, der Blick sucht Halt am Horizont, und der linke Daumen spielt gefährlich mit dem Fahrmodus-Schalter am Lenkrad: Von Street auf Sport, dann auf Track – und der Spaß kann beginnen.

Vergleich: Golf GTI gegen Ford Focus ST

So schnell wie sie aussieht: In 3,9 Sekunden soll die Studie auf Tempo 100 sein und 300 km/h schaffen.

Dass ich den Motor gar nicht ganz hoch drehen darf, weil die Entwickler Angst um das vier Millionen Euro teure Einzelstück haben, macht fast gar nichts. Der Krach ist schon bei Standgas infernalisch, und die Kraft gewaltig. Schon bei 2000 Touren liegen urgewaltige 500 Nm an, die für die 1400 Kilo Stahl, Aluminium und Kunststoffkarosse nur ein dreckiges Lachen übrig haben – auf die 60 Nm, die bis zum Maximum zwischen 4000 und 6000 Kubelwellenumdrehungen noch fehlen, kann man da fast verzichten. Und die 3,9 Sekunden auf Tempo 100 glaube ich genauso unbesehen wie die 300 km/h Spitze, die diesen GTI zum aktuellen Überflieger in der VW-Palette machen. Wobei das mit dem Fliegen hier auf dem abgesperrten Parkplatz rund um das Lakers-Stadium so eine Sache ist. Denn auf einer Rennstrecke mag das brettharte Fahrwerk prima passen. Aber auf dieser Buckelpiste aus Beton rumpelt der GTI so über die Bodenwellen, dass die Techniker tausend Tode sterben und ich so langsam Angst um meine Knochen habe. Vielleicht hätte ich doch einen der beiden mattschwarzen GTI-Helme nehmen sollen, die VW anstelle der Rückbank unter den Querträger aus Carbon ins Heck geschnallt hat. Wenn schon Hutablage, dann so.

Zwar ist der Design Vision GTI nicht der stärkste und auch nicht der schnellste Golf in der Geschichte. Diese Ehre gebührt dem GTI W12, den die Teufelskerle im Prototypenbau 2007 für das Wörthersee-Treffen aufgebaut haben. Doch während der Kraftmeier mit seinem Zwölfzylinder-Mittelmotor nicht die geringste Chance auf eine Umsetzung hatte, können die Fans dieses Mal zumindest ein ganz kleines bisschen hoffen. "Denn von der Karosserie einmal abgesehen, haben wir ausschließlich bekannte Komponenten eingesetzt. Nur dass wir uns halt aus verschiedenen Baukästen bedient haben", sagt Stephan Vogel, der den Wagen mit seinem Team in drei Monaten geplant und in zwölf Woche aufgebaut hat.

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Dampfmacher: Der Motor stammt aus dem China-Passat, erreicht dank Doppelturbo allerdings 503 PS.

Der 3,0-Liter-TSI-Motor kommt zum Beispiel aus dem chinesischen Passat und wurde in Wolfsburg nur noch mit den zwei Turbos bestückt. Und die Keramik-Bremse stammt vom Audi RS 6. Aber was die Hoffnung wirklich schürt, das ist die Plattform: "Auch dieser Golf ist ein MQB-Auto", sagt Vogel, der für den Bösewicht einen ganz normalen Golf 4Motion geopfert hat. Was man anschauen und anfassen kann bei dem um sechs Zentimeter gechopten Flachmann, hat mit dem normalen Golf allerdings rein gar nichts mehr zu tun. Und außer dem VW-Logo vorn und hinten sowie den Lenkstockhebeln im Cockpit gibt es wohl kein Gleichteil, räumt Andreas Mint aus dem Designteam ein. Damit die 20-Zöller im Wurfstern-Design – vorn mit 235er, hinten mit 275er Pneus bestückt – irgendwie in die Radkästen passen, geht der GTI um sieben Zentimeter in die Breite und die Kotflügel sind wie Finnen ausgestellt. Hinten sogar bis hoch in die mächtige C-Säule, durch deren zwei Lagen man jetzt durchschauen kann wie beim BMW i8. Die Frontscheibe liegt viel flacher im Wind, das Dach haben die Designer tiefergelegt, die Heckschürze um zwei Zentimeter gekürzt. Weitere Infos zum Über-GTI finden Sie in der Bildergalerie.

Autor: Thomas Geiger

Stichworte:

Auto-Design GTI Studie

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