VW Passat/Hyundai i40: Kombis im Vergleich — 02.09.2011

Gegenwind für den Passat

Mit dem i40 greift Hyundai zum ersten Mal Deutschlands beliebstesten Kombi, den VW Passat, an. Aber kann der Koreaner dem deutschen Variant wirklich gefährlich werden? Ein Vergleich.

Noch vor ein paar Jahren war die Sache klar: Gegen VW hatte Hyundai keine Chance. Die koreanischen Autos waren zwar okay, die deutschen aber in fast allen Bereichen überlegen. Das soll jetzt anders werden – mit frischen Modellen, die fein gearbeitet sind und voller neuer Technik stecken. Der im September auf den Markt kommende i40 zielt dabei auf den Passat. War der Vorgänger Sonata (nur als Limousine) noch ein rundum koreanisches Gewächs, ist der i40 eigentlich ein deutsches Auto. Okay, er wird zwar in Korea zusammengeschraubt, gezeichnet und entwickelt wurde er aber hier bei uns im Entwicklungszentrum in Oberursel. Und dort haben sie sich den Passat genau angeschaut.

Überblick: Alle News und Tests zum Hyundai i40

Video: VW Passat vs. Hyundai i40

Gegenwind für den Passat

Der i40 sieht zwar anders aus, mehr Coupé als Kombi, die Abmessungen rücken ihn aber direkt neben den Passat. Fast auf den Zentimeter gleichen sich die beiden, nur ein wenig flacher ist der Koreaner. Erstaunlich dabei, dass unter dem schräg gestellten Coupé-Heck fast genauso viel Platz ist wie hinter dem eher kantigen Passat-Rücken. In der Disziplin Raumangebot herrscht also nahezu Gleichstand. Gilt das auch für das wichtige Kombi-Kriterium Variabilität? Antwort: Nein. Der Passat überzeugt mit vollkommen ebener Ladefläche (bei vorgeklappten Rückbank-Sitzflächen), beim i40 cw lassen sich nur die Lehnen umlegen, es bleibt eine leicht schräge Ebene. Pluspunkte kann der Koreaner mit seiner Neigungsverstellung der Rückbanklehne und der etwas niedrigeren Ladekante sammeln. Dafür öffnet die Heckklappe beim Deutschen sieben Zentimeter höher, was größeren Menschen Kopfnüsse erspart.

Überblick: Alle News und Tests zum VW Passat

Überzeugend: Material und Verarbeitung sind wirklich Oberklasse im VW Passat.

Insgesamt sind dies aber nur Kleinigkeiten, die den Hyundai nicht entscheidend hinter den VW zurückfallen lassen. Das gilt übrigens auch für das Cockpit. Klare Übersicht und beste Funktionalität im Passat, doch auch der i40 lässt sich ohne Probleme bedienen. Er ist deutlich verspielter, doch das mag einigen unter Umständen sogar besser gefallen als die deutsche Gradlinigkeit. Einen klaren Vorsprung sichert sich der Volkswagen eindeutig bei Material und Verarbeitung. Das ist wirklich Oberklasse, solide, liebevoll und penibel gefertigt. Der Hyundai kann da nicht ganz mithalten, obwohl auch sein Interieur überzeugt. Die Kunststoffe wirken hochwertig, der Chrom-Zierrat ist sauber eingepasst, und nichts knistert oder knarzt. Zum Preis: Der Passat Variant startet mit 25.775 Euro (1.4 TSI mit 122 PS). Den i40 Kombi gibt es für 23.390 Euro (1.6, 135 PS). Gut 2000 Euro billiger bei besserer Ausstattung (unter anderem LED-Tagfahrlicht, Alarmanlage, Multifunktionslenkrad mit Leder). Auch bei den Extras haben die Koreaner dazugelernt. So gibt es auch für den i40 allerlei Schnokus in der Aufpreisliste.

Bei den Dieseln wird es etwas komplizierter. Den i40 gibt es ab der Einstiegs-Ausstattungslinie "Comfort" für 24.990 Euro (85 kW), der von uns gefahrene 100-kW-Diesel kostet als "Style" mindestens 28.990 Euro, als Version "blue" mit Start-Stopp-System sogar 29.390 Euro. Und das ist fast auf den Euro genau der Preis, den VW für seinen Passat 2.0 TDI BlueMotion Technology verlangt. Dann allerdings als Grundmodell "Trendline", dem reichlich Ausstattung zum i40 fehlt. Es sind rund 3000 Euro, die der i40-Fahrer sparen kann. Greift er gar zum "Premium" mit Lederpolstern und Xenonlicht, erhöht sich die Differenz sogar auf 6000 Euro zum vergleichbaren Passat. Nicht vergessen wollen wir die Garantie. Fünf Jahre inklusive aller Wartungskosten gegenüber zwei Jahren beim Passat. So klettert der Preisvorteil des Hyundai auf gut 7000 Euro.

Überblick: Alle News und Tests zum Hyundai und VW

Zwei Kombis auf Augenhöhe? Nicht ganz, aber der i40 ist schon ziemlich nahe dran.

Viel Geld, das der Passat-Fahrer mehr zahlt, aber ist der VW auch so viel besser unterwegs? Antwort: Nein. Er rollt zwar etwas geschmeidiger ab, filtert nahezu alle Straßenunebenheiten sauber heraus, bleibt dabei vorbildlich leise. Aber auch der Hyundai ist kein Krawallbruder. Das Fahrwerk ist ebenfalls sehr komfortabel, erreicht allerdings nicht ganz die Klasse des VW – der allerdings auch die famose Stoßdämpferregelung DCC für 1085 Euro an Bord hatte. Leise ist der Koreaner auch, Motor- und Abrollgeräusche sind konsequent ausgesperrt. Der Dieselmotor macht seine Sache gut, kann den Hubraumnachteil gegenüber dem VW geschickt überspielen. Ob er die versprochenen, sehr niedrigen Verbrauchswerte tatsächlich erreicht, muss ein späterer Test zeigen. Wenn es einen echten Kritikpunkt beim Fahren gibt, dann ist es die Lenkung. Sie wirkt teigig, vermittelt keinen guten Kontakt zur Straße. Alles andere überzeugt, Bremsgefühl und Schaltung sind absolut in Ordnung. So sind es am Ende viele kleine Dinge, die beim Hyundai i40 den Unterschied zum Passat ausmachen. Ob diese den Mehrpreis wert sind – das muss jeder Kunde selbst entscheiden.

Baut Korea den besten Mittelklasse-Kombi?

Hyundai i40 1.7 CRDi Premium, Mazda 6 2.2 MRZ-CD Active, Peugeot 508 SW HDi FAP 140 Allure, Skoda Superb Combi 2.0 TDI Elegance, Volvo V60 DRIVe Momentum, VW Passat Variant 2.0 TDI Comfortline
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Preis:

1,00 €

Fahrzeugdaten VW Passat 2.0 TDI BMT Trendline Hyundai i40 cw Blue 1.7 CRDI Style
Motor Vierzylinder, Turbo Vierzylinder, Turbo
Hubraum 1968 cm³ 1685 cm³
Max. Leistung bei 1/min 103 kW (140 PS)/4200 100 kW (136 PS)/4000
Max. Drehmoment 320 Nm bei 1750/min 330 Nm bei 2000/min
0–100 km/h 9,8 s 10,6 s
Vmax 211 km/h 200 km/h
Abgas CO2 123 g/km 119 g/km
Verbrauch* 5,8/4,0/4,7 l 5,3/4,1/4,5 l
Abgasnorm EU 5 EU 5
Kofferraumvolumen 603–1731 l 553–1719 l
Leergewicht 1530 kg 1570 kg
Zuladung 655 kg 550 kg
Anhängelast gebr./ungebr. 1500/750 kg 1800/700 kg
Dachlast 100 kg 100 kg
Wendekreis 11,4 m 10,9 m
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Ausstattung VW Passat 2.0 TDI BMT Trendline Hyundai i40 cw Blue 1.7 CRDI Style
Airbags Fahrer/Beif./Seiten S/S/S S/S/S
Kopfairbags vorn/2. Reihe S/S S/S
Knieairbag Fahrerseite N S
Alarmanlage 385 € S
CD-Audioanlage S S
Einparkhilfe rundum 555 € S
Einparkassistent 875 € N
Regensensor 1610 € S
Schlüsselloses Schließen/Starten 560 € 1650 €
Nebelscheinwerfer 185 € S
Spurhalteassistent 540 € N
Automatikgetriebe 2125 € 1400 €
Navigationssystem ab 835 € 3160 €
E-Hub-/Schiebedach 1200 € 1410 €
E-Fahrer-/Beifahrersitz N 900 €
Sitzheizung vorn 305 € S
Metalliclackierung 570 € 480 €
Klimaautomatik 460 € S
Xenon-Scheinwerfer 1430 € N
Grundpreis 29.425 Euro 29.390 Euro
S = serienmäßig; N = nicht lieferbar

Jürgen von Gosen

Jürgen von Gosen

Fazit

Mit dem i40 ist den Koreanern ein überzeugendes Auto gelungen. Er sieht modern aus, fühlt sich hochwertig an und fährt gut. Dass er dem Passat nicht ganz das Wasser reichen kann, muss die Koreaner nicht entmutigen. Denn so dicht auf den Fersen war noch kein Hyundai einem Volkswagen. Glückwunsch!

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Kommentare zum Artikel (71)

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@gugelhop von Mädel84
30.10.2011, 18:37Uhr

ersten denke ich nicht das wir umdenken müssen. Geld das man nicht hat, kann man nicht ausgeben. Mit der Einstellung haben wir sogar vielen Banken etwas voraus. Und Hyundai bietet auch Arbeitspläze in Deutschland an. Um die berufliche Zukunft unseres Kindes mache ich mir keine Sorgen, jedenfalls spielt unser Autokauf da keine Rolle. Das sind weltfremde Kneipenthesen die du ablässt. Keine Sorge, es gibt auch sicherlich Leute, die sich den VW kaufen, entweder auf pump oder weil sie es sich leisten können. Aber im Leben gibt es mehr als "DAS AUTO"!

gugelhop
30.10.2011, 11:23Uhr

Mädel84,

hoffentlich bekommt euer Nachwuchs dann mal einen Arbeitsplatz in Korea.

In Deutschland wird es dann keine arbeit mehr geben wenn alle so denken wir ihr.

Mädel84
27.10.2011, 18:55Uhr

Also mein Mann und ich bekommen bald Nachwuchs, also wollen wir einen schicken Kombi haben. Durfte im neuen i40 schon mal Platz nehmen und der gefiel mir von innen als auch von außen super. Waren auch beim VW Händler. Der Passat war auch hübsch von außen, aber von innen fand ich den Hyundai stylischer und frischer. Letztenendes sollte der VW 43000€ kosten. Der Hyundai "nur" 27900€" inkl. der 5Jahre Wartung und Garantie. Da war die Entscheidung klar. Hoffe das er auch die nächsten 8Jahre fährt und seine Hürden Unfallfrei meistert :)

@hotte
27.10.2011, 18:49Uhr

Na das ist ja mal ein ganz schwacher Kommentar. Also wer sich einen i40 leisten kann, muss auch im Leben was richtig gemacht haben. Und ganz oberflächlich betrachtet ist der Passat nicht viel mehr Status als der schicke i40. Und ein 5er touring oder E-Klasse Kombi, ist sicher besser als der i40, aber auch besser als der Passat, und bei diesen Luxuswagen befinden wir uns in einer anderen Preisklasse. Ich kann mir den i40 noch nicht leisten, aber mein Geld für nen gebrauchten 100000km Passat auszugeben der 10000€ kostet ist mir mein Geld auch zu schade. Da spar ich lieber weiter.

bleedingme
12.10.2011, 21:07Uhr

So, in der aktuellen Autobild der erste größere Vergleich mit mehreren Kombis. Dabei ein Passat Variant Comfortline mit 2.0 TDI, i40cw Premium mit 1.7CRDI (nebenbei: der kleinere Diesel hält mit dem 2 Liter locker mit!). Listenpreis für die beiden annährend gleich, ca. 33.000, Ausstattungsvorteil i40. Um das mal in Zahlen zu fassen: ausstattungsbereinigt durchschlägt der Passat locker die 40.000er Marke! Wo zum Geier soll denn dieser Mehrwert stecken? Am tollen Fahrwerk kann's ja nicht liegen, VW traut sich ja nicht auch nur einen Testwagen ohne DCC rauszurücken.

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