VW Twin-Up: Fahrbericht

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VW Twin-Up: Fahrbericht

— 07.11.2013

So fährt der VW Twin-Up

VW hat die Antriebstechnik aus dem XL1 in einen VW Up transplantiert. Der Twin-Up ist ein echtes Ein-Liter-Auto und schafft über 1000 Kilometer. Allein am Preis könnte er scheitern. AUTO BILD ist den Spar-Mini gefahren.

Auf der  Tokyo Motor Show 2013 (22. November bis 1.Dezember) enthüllt VW die Studie Twin-Up, die eine Art XL1 für jedermann werden könnte. Mit der Antriebstechnik aus dem XL1 wird der Kleinwagen zum echten Einliter-Auto. Weil die Organtransplantation von langer Hand geplant war, hatte Projektleiter David Prochazka mit dem Umbau des Up vergleichsweise leichtes Spiel: Vorn unter der Haube stecken der 48-PS-Diesel mit seinen zwei 0,4-Liter-Zylindern sowie die E-Maschine mit noch einmal 48 PS, und unter der Rückbank der Benzintank sowie die Lithium-Ionen-Akkus: "Einbußen bei Innen- oder Kofferraum mussten wir dabei nicht in Kauf nehmen", freut sich der Ingenieur. Allerdings musste er mit Blick auf das größere Gewicht und die weniger schnittige Silhouette ein paar Paramater ändern: Die E-Maschine ist deshalb fast doppelt so stark wie im XL1, der Akku hat eine Kapazität von 8,6 statt 5,5 kWh. Aber schließlich wiegt der Twin-Up anders als der XL1 ja auch nicht 795 sondern 1205 Kilo, bietet dafür aber vier bequeme Sitzplätze und einen Kofferraum.

Sitzprobe VW e-Load Up

Unter der Haube stecken ein Zweizylinder-Diesel und ein Elektromotor mit je 48 PS. Die Akkus befinden sich unter der Rücksitzbank.

Wenn beide Motoren im Team arbeiten, liefern sie 75 PS und kommen auf 215 Nm. Das reicht für Fahrleistungen, die mit dem XL1 vergleichbar sind und gegen einen normalen 75 PS-Up gar nicht so schlecht aussehen. Wo der in 13,2 Sekunden von 0 auf 100 spurtet, braucht der Twin-Up 15,7 Sekunden und statt bei 171 ist schon bei 140 km/h Schluss. Dafür fährt der Up mit Doppelherz die ersten 50 Kilometer bei maximal 125 km/h rein elektrisch – und schafft insgesamt mehr als 1000 Kilometer. Weil im Normzyklus die elektrische Teilstrecke voll angerechnet wird, kommt der Twin-Up dabei unter dem Strich auf einen Verbrauch von 1,1 Litern und sticht damit alle anderen Verbrenner oder Hybriden aus. Der Toyota Prius Plug-in steht als nächst bester Benziner mit 2,1 Litern in der Sprit-Tabelle. VW will die Sparbüchse für den Messeauftritt in Tokio noch ein bisschen aufmöbeln und ihr ein paar futuristische Instrumente spendieren. Doch außen wird man nicht viel mehr von der neuen Technik sehen als die um drei Zentimeter gestreckte Frontschürze, den blauen Zierstreifen an der Vorderkante der Motorhaube und die C-förmigen LED-Leisten für das Tagfahrlicht, die man schon vom E-Up kennt. Zwar ist das penetrante Knattern des Zweizylinders noch ziemlich nervig, das zusätzliche Gewicht lastet schwer auf dem Fahrwerk und mit dem stattlichen Anfahrdrehmoment der E-Maschine kommen das Stabilitätssystem und die dünnen Reifen noch nicht so richtig zurecht.

VW Cross Up: Fahrbericht

VW Cross Up VW Cross Up VW Cross Up
Doch dafür, dass dieser so genannte Aggregateträger in wenigen Monaten montiert wurde, macht er einen überraschend reifen Eindruck. Und nichts von dem, was bei der ersten Ausfahrt vor der Weltpremiere in Tokio wirklich stört, würden die Entwickler nicht mit ein paar weiteren Abstimmungsrunden hinbekommen. Die Kosten sind es, die den Twin-Up bislang mehr als fragwürdig erscheinen lassen: Projektleiter Prochazka jedenfalls beschränkt seine Verantwortung auf die Demonstration der technischen Machbarkeit. Denn die Technik aus einer 111.000-Euro-Pretiose bezahlbar in einen Kleinwagen für 10.000 Euro zu packen, das ist eine Aufgabe, die größer ist als die technische Integration. Und wo schon alle Welt über die knapp 27.000 Euro für den E-Up stöhnt, wird wohl kaum jemand einen Preis von mehr als 30.000 Euro für den Twin-Up akzeptieren. Aber viel billiger wird VW es nicht hinbekommen, wenn die Niedersachsen nicht draufzahlen wollen. So hell die kleine Leuchte deshalb in Tokio auch strahlen mag, gut möglich, dass ihre Zukunft ziemlich düster aussieht.

Fahrbericht: VW Twin-Up

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Autor: Thomas Geiger

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