Winterreifen im Test
Grip, Grip, Hurra

Acht Winterreifen für kompakte SUVs treten zum Test an. Mit dabei: ein renommierter Ganzjahresreifen. Wer bringt den meisten Grip bei Schnee und Nässe?
- Martin Braun
- Dierk Möller
Ob der letzte, milde deutsche Winter nun Zeichen eines von Menschenhand verursachten Klimawandels, eines natürlichen Klimawandels oder ganz einfach nur Zufall war, mag für ausreichend Stoff bei mehr oder weniger interessanten Diskussionen sorgen. Für die Reifenindustrie dagegen gilt ein milder Winter vornehmlich als heftige Verkaufsbremse. Nicht etwa in eben jenem milden Winter, weil da die Leute die Winterreifen meist schon gekauft hatten, bevor sie ahnen konnten, dass sie sie wohl kaum benötigen würden. Nein, so ein milder Winter wirkt sich erfahrungsgemäß erst in der folgenden Saison als Verkaufshemmer für das Winterreifengeschäft aus. Haben also doch die immer noch zahlreichen Umrüstverweigerer recht, die sich seit Jahren mit Allradantrieb und bestenfalls Ganzjahresreifen durch den Winter mogeln? Diejenigen also, die auf sämtliche Kampagnen selbsternannter Sicherheitsexperten pfeifen? Oder hatten sie einfach nur Glück? Wir wissen es leider auch nicht und halten uns deshalb in bewährter Manier an Tatsachen.

Schlusslicht mit einem Bremsweg von 26,1 Metern: der Goodyear

Auch bei allen anderen Testdisziplinen auf Schnee, aber auch auf Nässe und bei Trockenheit warteten die Ganzjahresskeptiker vergeblich auf den großen Einbruch der Leistungen des All-Weather-Italieners. Das beweist, dass es – allen Unkenrufen zum Trotz – bei einem 1,9-Tonnen-SUV wie dem Opel Antara nicht zwingend echte Winterreifen sein müssen, um wirklich sicher durch den Winter zu kommen. Ein wirklich gut gemachter Ganzjahresreifen kann in dieser Fahrzeugklasse durchaus den Ansprüchen genügen. Allerdings sollte man nun dabei nicht den Fehler machen, diese Erkenntnis eins zu eins auf einen 2,5-Tonner wie etwa einen VW Touareg zu übertragen. Da kann das Ergebnis ganz anders aussehen. Dieser Winterreifentest brachte aber noch eine ganz andere Erkenntnis: Ein guter Ganzjahresreifen ist im Winter einem schlechten Winterreifen vorzuziehen. Unser Test zeigt, dass sich die Leistungen der einzelnen Reifen auf Schnee gar nicht so sehr unterscheiden. Auf glatter Fahrbahn liegen die Ergebnisse erstaunlich nahe beieinander – ob teurer oder billiger Winterreifen oder Ganzjahrespneu. Die wirklich dramatischen Unterschiede zeigen sich vor allem bei nasser Fahrbahn.
Der billige Cooper patzt fatal

Winterreifen als Komfort-Plagen sind Vergangenheit

Diese versagen dafür allesamt im Gelände, denn gerade das feine und weiche Lamellenprofil erweist sich gegenüber scharfkantigen Steinen oder herausstehenden Baumwurzeln als extrem empfindlich. Speziell unter dem reichlichen Einfluss von Schmelzwasser können auch eher harmlos aussehende Steine ganze Blöcke des lamellierten Profils durchtrennen oder gar komplett herausreißen. Wer mit solchen modernen Lamellen-Winterreifen im Gelände unterwegs sein will oder muss, sollte deshalb durchdrehende Räder unbedingt vermeiden und so vorsichtig wie nur irgend möglich mit dem Gaspedal umgehen. Der deutlich weniger lamellierte und schnittfestere Ganzjahresreifen leidet unter diesen Bedingungen im Gelände übrigens deutlich weniger – und er bietet gleichzeitig spürbar besseren Vortrieb auf matschigem Schlamm.
Fazit
Unser Winterreifenvergleich zeigt, dass es immer noch drastische Unterschiede zwischen den einzelnen Vertretern dieses Segments gibt. Dass teure Markenreifen dabei nicht zwingend Spitzenleistungen bringen, zeigt der veraltete Goodyear. Dass Billigreifen durchaus empfehlenswert sein können, zeigt der Hankook. Dass Billigreifen aber auch ein dramatisches Sicherheitsrisiko bergen können, zeigt der Cooper mit seiner miserablen Bremsleistung bei Nässe. Für manchen Insider wohl das überraschendste Ergebnis: Ein Ganzjahresreifen kann auch auf Schnee mit echten Winterreifen mithalten. Das zeigt Pirelli. Trotzdem: Insgesamt Testsieger fürs Winterhalbjahr sind Nokian, Continental und Vredestein.
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