Reifenkennzeichnung: Winterreifen
Woran erkenne ich Winterreifen?

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Das Kürzel M+S reicht bei einer Polizeikontrolle nicht mehr aus, um einen Reifen als Winterreifen auszuweisen – wenn der Reifen ab 1. Januar 2018 produziert wurde. Ein anderes Symbol zeigt nun die Wintertauglichkeit an.
Bild: Anuscha Sonntag / AUTO BILD
Das Wetter wird deutlich kühler; ab Oktober steigt die Wahrscheinlichkeit von Frost und damit von Glätte an. Nicht umsonst lautet die Empfehlung für den richtigen Zeitraum, um auf Winterreifen zu wechseln: von O bis O – von Oktober bis Ostern. Denn in diesem Zeitraum muss man eigentlich in ganz Deutschland jederzeit zumindest mit Reifglätte rechnen.
Und wer nicht rechtzeitig umgerüstet hat, muss unter Umständen bei den Werkstätten lange auf einen Termin warten oder selbst Hand anlegen. Der Gesetzgeber schreibt jedenfalls für winterliche Straßenbedingungen (Schnee, Schneematsch, Eis, Reifglätte) ausdrücklich Winter- oder Ganzjahresreifen vor. Doch woran erkennt der Laie, ob es sich wirklich um wintertaugliche Reifen im Sinne der gesetzlichen Regelung handelt?
Alle Reifentests im Überblick: Winterreifen
Achten Sie auf das Alpine-Zeichen mit der Schneeflocke
Das entscheidende Symbol, auf das Sie achten sollten, ist das sogenannte Alpine-Zeichen, das sich auf der Reifenflanke befinden muss. Im englischsprachigen Raum wird es auch "3 Peak Mountain Snowflake" (als Kürzel: 3PMSF) genannt. Das Piktogramm symbolisiert – wie der englische Name verrät – eine Schneeflocke in einem dreigipfligen Berg.
Die Kennzeichnung zeigt an, dass der Reifen nach EU-Norm (EG Nr. 661/2009) und nach den Vorgaben der zum US-Verkehrsministerium gehörenden National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) zertifiziert wurde. Somit ist ein solcher Reifen auch in Deutschland als wintertauglicher Reifen zugelassen. Das Zeichen findet sich sowohl auf Winter- als auch auf Ganzjahresreifen.

Auf das "Alpine"-Symbol (links) kommt es an: Die M+S-Bezeichnung ist lediglich eine Kennzeichnung des Reifenherstellers, steht jedoch nicht für eine Zertifizierung.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Noch heute findet sich auf Winter- bzw. Ganzjahresreifen auch das "M+S"-Zeichen. "M+S" bedeutet hierbei "Matsch und Schnee". Bei diesem Zeichen handelt es sich jedoch um eine reine Kennzeichnung des Reifenherstellers, die mit keinerlei Prüfverfahren und entsprechender Zertifizierung verbunden ist. Aus diesem Grund ist das M+S-Zeichen allein auch nicht ausreichend, um den gesetzlichen Vorgaben für wintertaugliche Bereifung zu entsprechen. Entscheidend ist allein das Alpine- bzw. Schneeflocken-Symbol.
Es können also beide Kennzeichnungen vorhanden sein, aber es muss in jedem Fall das Alpine-Zeichen auf der Reifenflanke vorhanden sein. Die zuletzt noch laufende Übergangsfrist für Reifen, die nur das M+S-Zeichen trugen (galt für Reifen mit Produktionsdatum bis 31. Dezember 2017) ist zum 30. September 2024 ausgelaufen. Die meisten Winter- und Ganzjahresreifen der bekannten Marken tragen jedoch ohnehin bereits seit Jahren sowohl das M+S- als auch das Alpine-Zeichen.
Was unterscheidet Winterreifen von Sommerreifen?
Winterreifen unterscheiden sich auch in der Konstruktion der Lauffläche von Sommerreifen. Sie sind von wesentlich mehr Profilrillen durchzogen als Sommergummis. Diese Rillen fördern die sogenannte Drainagewirkung: Wasser und Schneematsch werden schneller aus dem Haftbereich der Lauffläche transportiert. Oftmals ist auch die deutlich weichere Gummimischung schon mit bloßen Händen fühlbar. Bei Winterreifen wird dem Kautschuk ein höherer Anteil an Kieselsäure beigemischt, die für den weicheren Gummi verantwortlich ist. Ein erhöhter Grip gegenüber Sommer- und Ganzjahresreifen ist die Folge.

Typischer Winterreifen von Falken mit quer verlaufendem Profil, Lamellen und weicherer Gummimischung.
Bild: Anuscha Sonntag / AUTO BILD
Wie erkenne ich einen Sommerreifen?
Der Sommerreifen muss vor allem bei trockener Fahrbahn und Nässe viel Traktion bieten. Das Profil ist eher geradlinig und verfügt über markante, längs verlaufende Rillen, die bei Regen das Wasser abtransportieren. Die Gummimischung von Sommerreifen ist härter und auf höhere Temperaturen ausgelegt.

Typischer Sommerreifen von Pirelli mit tiefen, längs verlaufenden Rillen zum Abtransport von Wasser.
Bild: Toni Bader
Wie erkenne ich einen Ganzjahresreifen?
Ganzjahresreifen, auch Allwetterreifen genannt, müssen zu jeder Jahreszeit funktionieren. Die Härte der Gummimischung stellt, genau wie das Profil dieser Reifenart, einen Kompromiss zwischen Sommer- und Wintertauglichkeit dar. Lamellen zum Beispiel kommen nicht, wie bei Winterreifen, ganzflächig zum Einsatz, sondern oftmals nur in der Reifenmitte. Auch neue Ganzjahresreifen müssen natürlich über das Alpin-Symbol verfügen.

Ganzjahresreifen von Kleber, der die positiven Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen vereinen soll.
Bild: Anuscha Sonntag / AUTO BILD
Der Produktionszeitraum eines Reifens ist an der sogenannten DOT-Nummer auf der Reifenflanke zu erkennen: Die ersten beiden Ziffern geben die Produktionswoche an, die letzten beiden das Produktionsjahr. Die DOT-Nummer 0118 bedeutet also, dass der Reifen im Januar 2018 produziert wurde.
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