Deutsche Mittelklasse der 60er im Klassik-Test
— 07.08.2011Wohlstand für alle
In den 60er-Jahren kommt Schwung in die deutsche Mittelklasse: Ford überrascht mit der "Linie der Vernunft", Volkswagen bedient auch Käfer-Müde, Opel punktet mit zeitloser Eleganz.
| Deutsche Mittelklasse der 60er-Jahre im Einzeltest | ||
|---|---|---|
| Ford 17M P3 | VW 1500 S Typ 3 | Opel Rekord P2 |
Kleine Wirtschaftswunder: VW Käfer, Opel Kadett A und Ford Taunus 12M
Ach ja, so schöne alte Autos testet man nicht. Und wenn doch? Dann zeigt sich, dass alltägliche Transport-Bedürfnisse schon vor 50 Jahren bestens erfüllt wurden: gute Übersicht, genug bis viel Platz und (mit Ausnahme des VW) Riesen-Kofferräume. Nur bei der Sicherheit hapert es natürlich. Gurte waren ein Thema, Bohrungen sind schon vorhanden. Bremsen? Es trommelte rundum. Kein Wunder, dass unsere gemessenen Bremswege nahezu unendlich sind. Alle Achtung: Der 17M bekam ab April 1962 (auf Wunsch) schon Scheibenbremsen vorn. Doch das Fahrverhalten bleibt antik. Damals dominierte die Simpel-Bauweise mit an Blattfedern gehaltener Starrachse hinten, auch hochtrabend "spur- und sturzkonstante Hinterachse" genannt. VW setzte auf die Pendelachse, die zickig reagieren konnte, aber komfortabler war. Unser Dank geht an die Eigner dieser drei Bürgerträume: Ralph Deneke aus Hamburg für seinen VW 1500 S, Kai Krause und seinen Hamburger Opel-Schrauber Andreas Haupt für den Rekord. Und an Wolfgang Laufer von Ford für den Taunus 17M.
| Die Punktewertung | Ford 17M | VW 1500 S | Opel Rekord |
|---|---|---|---|
| Spaßfaktor | |||
| Temperament | 5 | 6 | 3 |
| Sound | 4 | 6 | 4 |
| Handling | 6 | 7 | 6 |
| Zwischenergebnis | 15 | 19 | 13 |
| Kuschelfaktor | |||
| Sitze | 5 | 7 | 5 |
| Federung | 4 | 5 | 4 |
| Platzangebot/Variabilität | 7 | 4 | 7 |
| Zwischenergebnis | 16 | 16 | 16 |
| Neidfaktor | |||
| Qualität | 6 | 7 | 6 |
| Design | 8 | 5 | 6 |
| Image | 4 | 3 | 4 |
| Zwischenergebnis | 18 | 15 | 16 |
| Gesamtergebnis | 49 | 50 | 45 |
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Kommentare zum Artikel (28)
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Der Ford 17M war seiner Zeit einfach ein bisschen Vorraus.
@ @@Carlfans,: Die Marke Audi war damals auch noch nicht Oberklasse, sondern sozusagen das "Bindeglied" zwischen VW und Mercedes. Sprich wer zu wenig Geld für einen Mercedes aber "zu viel" für einen Passat hatte, der hat eben den Audi gekauft. Und hier gilt wieder: Der Audi ist einfach zu bieder, um als Oldtimer wirklich populär zu werden.
MfG, G_Auer
Wer den VW 1600 einmal ganz objektiv betrachtet wird feststellen, dass dieser im Grunde genommen nur ein Käfer für Besserverdiener war, und keine "Richtige Mittelklasselimousine".
Den alten Rekord P2 kann man natürlich auch nicht mit einem neuen Insignia vergleichen, damals haben ziemlich alle Hersteller für die Ewigkeit gebaut (bis auf die Rostvorsorge).
(Fortsetzung nächster Kommentar)
Und ob ein Oldtimer gefragt ist kommt wiederum darauf an, wie viele Menschen einen persönlichen Bezug zu dem Auto haben. Denn: So ein Auto wie den Opel Rekord P2 kauft sich kaum einer, ohne eine persönliche Verbindung zu dem Wagen. So hat mein Vater beispielsweise seinen VW 1600 L nicht aufgehoben, weil er ein so gutes Fahrzeug war, sondern weil sein Vater ihn gekauft hatte und er damit seine ersten Fahrversuche gemacht hat.
(Fortsetzung nächster Kommentar)
Zunächst einmal hat der Preis eines Fahrzeugs überhaupt nichts damit zu tun, wie gut es ist. Das heißt nur, dass es keiner haben will, weil es beim Oldtimer-Preis nunmal nicht darauf ankommt, ob der Wagen gut oder alltagstauglich ist oder gar qualitativ Hochwertig sondern darauf, ob er selten und/oder gefragt ist. Beispiel: Citroen DS19 wird mit 20.500€ in Zustand 2 notiert, ist aber sicher nicht besser als ein Mercedes 200 (W110) um 14.600€. (Fortsetzung nächster Kommentar)
...dass der VW1500 hier in diesem "Test" den 1.Platz belegt, ist also unserem heutigen Zeitgeist geschuldet und hat mit einer seinerzeit zeitgenössischen Betrachtung nichts zu tun! Deshalb halte so etwas nach knapp 50 Jahren mit einem Punktesystem auch nicht für praktikabel. Man kaufe sich Autozeitungen von 1960-1964 und lese diese, das ist amüsant und informativ. Ich wünsche allen VW-Typ 3, Rekord-P2 und Ford P3- Besitzern allzeit gute Fahrt und viel Spaß!