Mercedes-Benz SL (R 129)

Mercedes-Benz SL R 129 Mercedes-Benz SL R 129

Mercedes-Benz SL (R 129)

— 31.07.2008

Zum Fahren nicht zu schade

Super-Leicht zu fahren und kaum aus der Ruhe zu bringen: Der dynamische Mercedes-Roadster macht Spaß und zeigt zeitlose Stilsicherheit. Die Baureihe 129 hat das Tal der Wertverlustkurve längst erreicht.

Anfang der 80er sind moderne Küchen dunkelbraun, Bäder fies grün, und den Eingangsbereich zieren bunte Glasbausteine. Just in dieser Zeit startet Mercedes den internen Design-Wettbewerb "Projekt Roadster 129", der fast drei Jahre dauern soll. Am 17. Oktober 1984 sortiert der Vorstand der Daimler-Benz AG die letzten Modell-Alternativen aus und legt sich auf die endgültige Grundform fest, wie sie zum Genfer Salon im März 1989 als Paukenschlag präsentiert wird. Für den Nachfolger des 18 Jahre gebauten R 107 sollte fortan das kleine Modellpflegeprogramm reichen, um bis 2001 zu überleben.

Offen oder geschlossen von aufrichtiger Ästhetik

Schöner Rücken: Der R129 trägt anfangs noch die geriffelten Rückleuchten.

Stilsicherheit in einer Epoche der großen geschmacklichen Verirrungen: Was hatten die Mercedes- Mannen, was andere nicht hatten? War es das Selbstbewusstsein, Legenden zu formen? Oder sowieso "Das Beste oder nichts" zu bauen? Vermutlich beides. Prospekte der frühen Art sprechen von einer "aufrichtigen Ästhetik" des neuen Road-Stars 129, und da ist was dran. Er mogelt nicht, er gibt nichts vor, er hat eher immer mehr als man vermutet. Bis zu 89 Elektromotoren und 2,3 Kilometer Kabel sorgen für Sternstunden beim Fahren. Die stummen Diener öffnen und schließen das Verdeck, fahren Scheiben, Sitze und Spiegel in die gewünschte Position, steuern eine Flut von elektronischen Fahrhilfen wie ABS, ASR, ASD (automatisches Sperrdifferential) und ADS (adaptives Dämpfersystem).

Und für den Notfall im Tempo eines Wimpernschlags einen Überrollbügel, der sogar ausgefahren von aufrichtiger Ästhetik ist. Manche haben ihn tatsächlich gebraucht, denn der Roadster 129 war nach dem Schaukelsofa 107 der erste wirklich superleicht zu zähmende SL, der dank dieses neuartigen ADS straff auf der Straße liegt. Aber eben auch schnell dazu animiert, übermütig die Grenzen der Fahrphysik auszuloten. In der Folge dieser neuerlichen SL-Bolzerei frisst die erste Generation noch mehr Bremsscheiben als Sprit und offenbart speziell beim 300 SL-24 motorische Schwächen sowie zahlreiche Verarbeitungsmängel.

Wertverlust im Tal: jetzt kaufen

Sie führen 1992/93 in den 100.000 Kilometer langen Dauertests der beiden großen Autoblätter zu bitteren Wahrheiten: "Schönheit schützt vor Fehlern nicht" (AUTO BILD), "Schön, aber launisch." (Auto Motor und Sport). Dem Erfolg der SL-Diva hat es nicht geschadet. Das schaffte übrigens auch nicht der Verbrauch (20,2 Liter Stadtverkehr nach DIN beim 600 SL). Ja, nicht mal der Preis schreckte ab: Mitte der 90er-Jahre zahlen Spekulanten bis zu 60.000 D-Mark Aufpreis für einen V8-bestückten 500 SL. Heute endet die Wertverlustkurve je nach Modell und Ausstattung bei 12.000 bis 18.000 Euro. Das ist nicht viel Geld für soviel Legende und 80er-Jahre-Stilsicherheit.

Technische Daten Mercedes-Benz 500 SL (R 129): V8 • vier oben liegende Nockenwellen • Hubraum 4973 ccm • 240 kW (326 PS) bei 5500/ min • max. Drehmoment 450 Nm bei 4000/min • Vierstufen-Automatikgetriebe • Hinterradantrieb • Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet • Reifen 225/55 R 16 Z • L/B/H 4465/1812/1286 mm • Radstand 2515 mm • Einzelradaufhängung an Dreieckquerlenkern vorn, an Raumlenkerachse hinten • Leergewicht 1770 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 6,2 s • Spitze 250 km/h • Verbrauch 12,9 l Super/100 km • Neupreis (1990) 100.890 DM .

Autor: Karl-August Almstadt

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