Auf einer ehemaligen US-Raketenabwehrstellung in Bad Kissingen fand die Automesse Abenteuer & Allrad statt. AUTO BILD hat sich umgesehen und stellt die schrägsten Tüftler der 4x4-Welt und ihre Autos vor.

Von der Küche direkt in die Wüste

Es begann ganz harmlos: Als gelernter Koch betrieb Peter Rößner in seiner Heimat Bad Kissingen einst ein Restaurant – bis er aus dem beschaulichen Kur- einen Pilgerort für Allradfans machte. Rößner (64) ist Mitbegründer der wohl größten 4x4-Veranstaltung Europas.

"Angefangen haben wir hier mit Incentive-Veranstaltungen in den 1990er-Jahren. Damals durften erfolgreiche Handyverkäufer durch den Matsch fahren." Heute zeigen mehr als 350 Aussteller auf der Messe "Abenteuer & Allrad", was es braucht, um abseits der Straße zu fahren.
Rößner selbst war übrigens bei diversen Rallyes mit einem Service-Lkw dabei. Auf der Paris–Dakar kam er nur knapp mit dem Leben davon. Aber so einen Hünen haut so schnell ja nichts um ...

Vollholz ohne Leim: Tiny House auf Rädern

Eigentlich baut Thomas Scheimer (52) Modulhäuser. "Dann dachte ich mir – warum ein Modul nicht mal auf ein Auto setzen?" Also besorgte sich der Amberger (Bayern) einen Mercedes-Rundhauber und sägte los.
Abenteuer & Allrad
Thomas Scheimer baut die Kabine (4,5 t)  nach Kundenwunsch auf jedes Fahrgestell. Preis: ca. 100.000 Euro.

Alle Wände des Reisemobils sind aus unbehandeltem Zirben-Vollholz. Nur gedübelt, kein Leim. "Dadurch ist das Mobil vollständig recycelbar." Vom Ex-Feuerwehr-Mercedes 1519 (Baujahr 1975) vielleicht mal abgesehen ...
Infos: www.zinipi.de

Schöner Wohnen für unterwegs

Sein erstes Wohnmobil baute Cord Dayal mit 21 Jahren aus. Aus zwei Unimogs macht er einen, fuhr damit nach Nepal. Inzwischen hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Der 43-Jährige entwickelt individuelle Ausbauten für Reisemobilkoffer und Kastenwagen.
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Als Fahrgestell dient ein alter Feuerwehr-Steyr. Der Koffer ist von außen schlicht.

Schöne Hölzer, Schubladen mit soliden Schlössern, Marine- statt Camping-technik. "Ich schaue mir an, wie die Menschen zu Hause wohnen. Das übersetze ich aufs Auto."
Infos: www.artgerecht.es

510 PS Leistung und 1,2 Mio. Euro teuer: Weltreisemobil für Besserverdiener

Wer bei Stephan Wirths ein Reisemobil bestellt, der hat es geschafft. In zweifacher Hinsicht. Erstens finanziell und zweitens die Stufen hoch. Denn in die Expeditionsfahrzeuge von Action Mobil steigt man nicht ein, man erklimmt sie. Drinnen dann: alles vom Feinsten!
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10 Meter lang, 3,80 Meter hoch: Dezent ist das Weltreisemobil nicht. Auf dem Dach die Solaranlage (1440 W).

Elegant ausgefräste Steckdosenverkleidungen, hochwertiger Möbelbau aus Wildeiche, Fußbodenheizung, Waschtrockner, Dampfgarer, Bose-Soundsystem, WLAN – und sogar eine Tiefkühltruhe.
Mit diesem 6x6-Boliden kann man wochenlang autark unterwegs sein. An Bord des Global XRS 7400 Leopard sind allein 520 Liter Frischwasser (optional 900), dazu 600 Liter Diesel. Und für Strom sorgt die 1440-W-Solaranlage auf dem Dach. Gesamtgewicht: bis zu 26 Tonnen.
Gegründet wurde die Firma übrigens vor mehr als 40 Jahren – von einem Ehepaar Reitz. Die machten Mode-Werbefotos in Afrika. Und damit es die Models etwas bequemer hatten, schafften sie sich ein Offroad-Wohnmobil an – mit Dusch- und Schminkmöglichkeit. Wie heute ...
Infos: www.actionmobil.com

Schöner war der Bulli noch nie

25 Jahre war Mario Volklandt bei Knaus Tabbert. Inzwischen hat der Mann aus Bayern seine eigene Manufaktur, die 50 Mitarbeiter produzieren für andere Hersteller rund 500 Fahrzeuge im Jahr. Relativ neu ist die eigene Marke: Rhön Camp.
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Im Aufstelldach des Bullis befindet sich das Doppelbett (190 x 108 cm), die Markise ist serienmäßig an Bord.

Die baut unter anderem den VW T6.1 aus, und zwar mit schönsten Möbeln und schicken LED-Leuchtstreifen. Volklandt ist von Beruf Schreiner, das sieht man dem Fahrzeug an. Der Rhön Camp Ultimate kostet 75.477 Euro – mit 150-PS-Motor und 7-Gang-DSG.
Geschlafen wird im Aufstelldach oder auf der Schlafbank, wenn's oben mal zu kalt wird. An Bord sind eine Diesel-Standheizung, eine zweite Batterie, 54 Liter Frischwasser. (Camping im T6.1 mit Wohnbox im Test)
Darf's etwas mehr sein? Kein Problem, Volklandt baut auch Luxuscamper für Scheichs. Mit Fußböden wie auf der Jacht und einem Mercedes Zetros als Basis. Der ist dann etwas teurer ...
Infos: www.rhoen-camp.de

Bundeswehr-Lkw für Reis und Reisen

Als die Bundeswehr größere Chargen Lkw verkaufte, übernahm Volker Green die Vermarktung. Und verschiffte unter anderem 2400 Iveco, Modell 110-17, nach Vietnam. "Die wurden dort für die Reisernte gebraucht und laufen bis heute." Schwerter zu Pflugscharen – na ja, fast zumindest.
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Der MAN war früher ein Antennenträger, hat keine 30.000 km runter.

Inzwischen baut der 69-Jährige aus der Nähe von Rendsburg (Schleswig-Holstein) mit seiner Firma ICC Offroad auch Reisemobile auf alten Bundeswehr-Lkw oder G-Modellen auf. Auf dem MAN steht eine stabile Wohnkabine (4,2 t).
"So ein Fahrzeug kostet etwa 250.000 Euro", sagt Green. Wer kauft so was? "Zahnärzte, Bestatter, Schrotthändler", sagt Green und lacht. Er selbst fährt einen Unimog mit Wohnkabine. Demnächst geht's nach Schweden.
Infos: www.icc-offroad.de

4x4-Transporter für Bergbau und Bergtouren

Die Geschichte beginnt 1965. Damals gründet Hans Iglhaut in Kitzingen (Bayern) eine kleine Mercedes-Werkstatt. Irgendwann braucht ein Hotelier in den Bergen einen Allradtransporter für seine Gäste. Iglhaut sagt zu, wagt den ersten Allradumbau eines Mercedes-Transporters.

Bildergalerie

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Kamera
Menschen und ihre Autos: Überlebenstüftler mit Welterfahrung
Und heute? "Wir liefern weltweit Fahrzeuge, etwa für den Tagebau", sagt Michael Iglhaut, der das Unternehmen in zweiter Generation führt. Dubai, Island, USA – "wo der G fährt, da kommen auch unsere Transporter hin". Ein Drittel des Geschäfts machen inzwischen Reisemobile aus. So wie dieser Sprinter, Baujahr 2020. Der steht zum Verkauf für etwa 200.000 Euro.
Infos: www.iglhaut-allrad.de