Abt Sportsline verordnet dem VW Golf R Leistungssteigerung, Sportauspuff, straffere Stabis und Schmiederäder. Wie effizient ist die Sportkur?
Guido Komp
Zugegeben, ein brillanter Alltagssportler war der Golf R schon vor seinem Facelift. Doch mit dem VW-eigenen Sportzubehör – wie gelochte Performance-Bremse, haftstarke Sportreifen und Endschalldämpfer von Akrapovic – lässt er sich jetzt auch ab Werk sehr attraktiv hochrüsten, um den Wunsch nach gesteigerter Sportlichkeit und Individualität zu befriedigen. Das Geschäft für Tuner wird damit nicht leichter.
Die Serienversion hängt der Abt-Golf locker ab
Geht gut: Der Abt Golf R sprintet in 4,3 Sekunden auf 100 km/h – 0,4 Sekunden schneller als die Serie.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
Der Allgäuer Traditionsveredler Abt lässt sich davon nicht beeindrucken und schickt den Allradler zur Nachbesserung in das hauseigene Fitnessstudio. Erste Zielsetzung: mehr Muskelmasse. Die Leistung steigt per Abt-Zusatzsteuergerät in zwei Leistungsstufen: 370 PS oder die von uns getestete 400-PS-Variante (inklusive Sportkatalysator) stehen zur Auswahl. Das Plus an Schmackes ist gegenüber der Serie (310 PS/400 Nm ) deutlich spürbar: In 4,3 Sekunden (Serie 4,7 s) prügelt die Launch Control den Golf R auf 100 km/h. Bis 200 km/h nimmt er der Serie volle zwei Sekunden ab. Leistungsentfaltung und Drehfreude ähneln der Basis, mit etwas früherem Drehmomentaufbau und leichtem Nachlassen jenseits von 5500/min. Besonders auf der Autobahn darf der siebte Gang dank der 500 Nm Drehmoment spürbar öfter und länger eingelegt bleiben.
Beim Fahrwerk verändert Abt nur die Stabis
Leicht modifiziert: Mit den härteren Sportstabilisatoren liegt der Abt einen Hauch satter in der Hand.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
Und trotzdem: Ein von uns gemessener Golf R von Tuner APR mit 380 PS schaffte den Sprint auf 200 km/h in 14,1 s und war damit 2,4 Sekunden schneller als der Abt. Schneller als die Serie ja, aber 400 PS? Gemessen am selbstbewussten Preis für das Leistungskit hätten wir schon noch etwas mehr erwartet. Das Serienfahrwerk des Golf R kann die Mehrleistung jedenfalls locker verkraften. Trotzdem installiert Abt straffere Sportstabilisatoren an beiden Achsen. Die teuren Schmiederäder im 19-Zoll-Format mit 235er-Conti-Gummis ringsum reduzieren die ungefederten Massen und sollen so das Fahrverhalten verbessern. Tatsächlich liegt der Abt einen Hauch satter in der Hand, krallt sich fest in den Asphalt und bleibt selbst im härtesten Dämpfermodus des Adaptivfahrwerks überraschend kommod.
An der Kasse langt Abt ordentlich zu
Auch preislich veredelt: Allein für Leistungssteigerung und Schmiederäder werden fast 15.000 Euro fällig.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
Ohne zusätzlichen Tiefgang gibt sich der Golf in puncto Bodenfreiheit voll alltagstauglich, auch wenn die Räder optisch noch etwas draller im Radhaus stehen dürften. So lässt es sich genüsslich über Landstraßen gaunern, wo man den Sound des Abt-Endschalldämpfers ohne Zurückhaltung genießen kann: Herrlich ungeniert spratzelt der Golf beim Lupfen und Runterschalten durch die schwarz verchromten Endrohre und trifft bei der Lautstärke jenen Grenzbereich, den das Ohr gerade noch als angenehm empfindet. Wer Wert auf guten Auspuffsound legt, ist mit der Abt-Anlage weitaus besser und vor allem günstiger bedient als mit den 3800 Euro teuren und milder klingenden Akrapovic-Titanendschalldämpfern aus der VW-Preisliste. Umbau und die Garantieleistung für das Abt-Tuning über das VW-Händlernetz schaffen Vertrauen. Weit über 60.000 Euro für den ab Werk komfortabel ausgestatteten Testwagen sind aber (zu) viel Geld.
Fazit
von Guido Komp
Spürbar mehr Leistung, fetziger Sound und das straffere Handling ohne störende Komforteinbußen stehen auf der Habenseite des Abt-Tunings. Hinzu kommt der komfortable Umbau direkt beim VW-Händler mit entsprechender Garantie. Dafür lassen die Allgäuer ihre Kunden gehörig zahlen: Die hohen Preise sind im Vergleich mit der Konkurrenz mehr als selbstbewusst gewählt.