Ahorn Camp A 690: Fahrbericht
Der Ahorn Camp A 690 macht Familienurlaub bezahlbar

Wer als Laie Wohnmobil sagt, hat oft einen Alkoven vor Augen. Für Familien ist das klassische Format bis heute unschlagbar, wie der durchdachte Ahorn Camp A 690 im Praxistest beweist.
Bild: Christian Herb
Wenn man den A 690 mathematisch betrachten wollte, könnte man fragen: Wo erhalte ich mehr Raum für mein Geld? Ohne jetzt hier tatsächlich den exakten Preis pro Kubikmeter ausgerechnet zu haben, sind wir uns aus unserer Erfahrung heraus sicher: Der Ahorn Camp würde im Ranking weit vorn liegen.
Großes Auto, kleiner Preis. Wo ist der Trick? Die Frage ist berechtigt. Schauen wir einfach genau hin.
Ein Klassiker, neu definiert
Ahorn Camp ist ein Vollsortimenter, nur das Experiment mit den subkompakten Urban-Campern hat das Team aus Speyer wieder beendet. Was dagegen bleibt, sind Alkoven-Modelle, obwohl sich auch hier die Nachfrage zugunsten Teilintegrierter verschoben hat. Schon aus einem Grund will Ahorn Camp nicht auf diesen Klassiker verzichten: Vermieter lieben ihn, weil dieses Format für Familien (oder zwei Paare) maximale Vorteile bietet. Nur bei ihm kommen vier Personen ohne jeden Umbau in ihr Bett.

Die Vordersitze sind drehbar, ohne die Türen zu öffnen – wenn man weiß, wie. So bietet die einladende Sitzgruppe bis zu sechs Personen Platz.
Bild: Christian Herb
Also ein Reisemobil, das in bester Tradition der Branche steht. Doch Ahorn Camp bleibt speziell: Die Pfälzer verbinden Know-how aus Deutschland, dem größten und wichtigsten Reisemobilmarkt Europas, mit dem französischen Hersteller Renault, der den 2025 als "Van of the Year" ausgezeichneten Master zuliefert. Dazu kommen die handwerkliche Expertise und das Produktionswissen Italiens.
Technische Daten | Ahorn Camp A 690 |
|---|---|
Motorisierung | Blue dCi 130 (Euro 6e) |
Leistung | 95 kW (130 PS) bei 3500/min |
Hubraum | 1997 cm3 |
Drehmoment | 350 Nm bei 1500/min |
Höchstgeschwindigkeit | ca. 160 km/h |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang/Vorderrad |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 80 l/Diesel |
Länge/Breite/Höhe | 6990/2320/3140 mm |
Radstand/Bereifung | 4213 mm/215/75 R 16 C |
Masse fahrbereit/Zuladung | ca. 2980/520 kg |
Anhängelast gebremst/ungebremst | 2000/750 kg |
Außenmaterial Wand/Dach/Boden | GFK/GFK/GFK |
Stärke Wand/Dach/Boden | 30/30/34 mm |
Isoliermaterial Wand/Dach/Boden | EPS/EPS/EPS (ab 2027: XPS) |
Liegefläche Alkoven L x B | 2110 x 1470 mm |
Liegefläche Heck L x B | 1990 x 800 mm (r.), 2070 x 800 mm (l.) |
Liegefläche Dinette L x B | (optional) 2000 x 800 mm |
Innenhöhe/-breite | max. 2100/2180 mm |
Kühlschrank/Eisfach | 89/11 l |
Herd | Gas, 2 Flammen |
Bordbatterie | AGM, 12 V/95 Ah |
Frisch-/Abwassertank | 110/80 l |
Gasvorrat/Heizung | 2 x 11 kg/Truma Combi C4 |
Grundpreis/Testwagenpreis | 62.500 Euro/k. A. |
Dort entstehen die Reisemobile in einem 2016 eröffneten, immer noch hochmodernen Werk der Erwin Hymer Group. Dass der große Konzern aus Bad Waldsee mit seinen Möglichkeiten für die Konkurrenz im Auftrag fertigt, mag zunächst verwundern. Doch der Hintergrund ist simpel: Das Werk in San Casciano war bei Weitem nicht ausgelastet. Insider sprechen von deutlich unter 50 Prozent.
Komfortabler Renault als Basis
Trotz der italienischen Herkunft bleibt Ahorn Camp dem Renault Master weiter treu. Nicht ohne Grund: Am Steuer überzeugt der Franzose mit äußerst angenehmem Fahrkomfort, zudem stehen immerhin 350 Newtonmeter Drehmoment irgendwo bei 1500 Umdrehungen bereit. Nur 130 PS? Genügen bei dieser Konfiguration vollauf, doch wer sich mit 170 PS wohler fühlt, bekommt das Leistungsplus für moderate 1690 Euro Aufpreis.

Hell, modern und freundlich wirkt der Innenraum.
Bild: Christian Herb
Beiden genügen zwei Liter Hubraum. Renault weiß, wie man Turbolader, Einspritzung und Motormanagement so abstimmt, dass der Verbrauch trotz der großen Karosserie überschaubar bleibt. Auch mit Neunstufenautomatik lässt sich der A 690 ordern: 1990 Euro kostet diese Option, die jedoch ausschließlich in Verbindung mit dem 170-PS-Motor erhältlich ist.
Moderner Aufbau mit GFK und XPS
Ahorn Camp lässt die Karosserie rundum aus GFK fertigen, neu ist XPS als Isolationsmaterial. Bisher war EPS, vulgo Styropor, zum Einsatz gekommen. An der Dauerhaftigkeit lässt der Hersteller keinen Zweifel aufkommen: Sieben Jahre lang garantiert Ahorn Camp die Dichtigkeit des Aufbaus, eine Prüfung jährlich ist Pflicht.

Zwei Stufen führen zu den beiden Einzelbetten. Das rechte lässt sich seitlich hochklappen und bietet Zugang zum Stauraum.
Bild: Christian Herb
Der Weg ins Innere des 6,99 Meter langen Reisemobils führt durch eine brutto 60 Zentimeter breite Aufbautür des namhaften Herstellers Hartal. Sie sitzt so tief, dass Ahorn Camp auf eine ausfahrbare Trittstufe verzichtet. Dennoch bleiben 35 Zentimeter Höhe zu überwinden, ein Griff im Inneren hilft. Wer genau hinschaut, erkennt die Einpunktverriegelung der Tür. Das ist der geringste Sicherheitsstandard.
Heller Innenraum mit viel Platzgefühl
Klassisch und bewährt fällt der Grundriss des Alkovens aus, modern die Optik. Die vielen hellen Flächen in gebrochenem Weiß, das helle Grau der Polster, dazu ein Anthrazitton auf den Fensterblenden und dem Küchenblock strukturieren gemeinsam mit dem hellen Holzton den Raum. Diese Kontraste wirken nicht nur sehr zeitgemäß und freundlich, sondern vermitteln trotz der nur knapp sieben Meter Außenlänge eine erstaunliche Weitläufigkeit.

Unter der Sitzbank versteckt sich die Truma Combi C4. Die Version mit 6 kW kostet extra.
Bild: Christian Herb
Das spiegelt sich auch in der L-förmigen Sitzgruppe wider. Sie bietet Platz für bis zu sechs Personen, der große Tisch ist dreh- und verschiebbar. Wenn gerade niemand im Alkoven schlummert, lässt sich das Bett mit einem Handgriff nach oben drücken, Gasdruckdämpfer halten es dann in seiner Position. Auch das schafft Raum.
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Sollen die hinteren Gurtplätze genutzt werden, ist die schmale Sitzbank auf der linken Seite schnell zurückgebaut. Wer zudem einen fünften Gurtplatz benötigt, kann diesen hinter dem Beifahrersitz dazubuchen (790 Euro). Ebenso ein fünftes Bett, das nach Umbau der Dinette entsteht (390 Euro).
Solider Möbelbau, gute Zuladung
Der gesamte Möbelbau hinterlässt einen soliden Eindruck, die Verarbeitung wirkt routiniert wie durchdacht. In Verbindung mit der sorgfältig ausgearbeiteten Lichtarchitektur ergibt sich ein hochwertiges, stimmiges Gesamtbild, das in dieser Preisklasse durchaus nicht selbstverständlich ist.
Dazu darf ein Aspekt nicht vergessen werden: Serienmäßig liegt der A 690 bei rund drei Tonnen Leergewicht, eine respektable Leistung für ein Auto dieser Größe. Wem dennoch die rund 500 Kilogramm Zuladung nicht genügen, der ordert das Modell auf Wunsch und gegen 690 Euro Aufpreis mit einer Auflastung auf vier Tonnen.
Kompromisse bei Küche und Bad
Doch irgendwo muss auch Ahorn Camp Kompromisse eingehen. So fällt die Küche recht kompakt aus, auch der Absorberkühlschrank bleibt mit 89 Litern Kapazität klein für diese Klasse und zwingt, wenn man zu viert unterwegs ist, zu häufigen Einkäufen. Zudem ist das Stauraumvolumen nicht üppig, ebenso knapp ist die Arbeitsfläche bemessen.

Die Küche fällt kompakt aus, immerhin bietet die Platte etwas Arbeitsfläche. Spüle und Herd lassen sich zudem einzeln abdecken.
Bild: Christian Herb
Recht eng geht es auch im Bad zu. Zwar ist die Schwenkwandlösung clever, weil sie ein Duschen ohne Vorhang ermöglicht, doch zum Umbau muss man zur Tür hinaus. Eine Raumbad-Option bietet der A 690 nicht.
Viel Wohnmobil fürs Geld
Klar, das sind Kompromisse, die unterm Strich den recht kompakten Außenmaßen geschuldet sind. Wer mit diesen Punkten leben kann, bekommt mit dem A 690 ein rundum sympathisches, gut gebautes Wohnmobil – und zudem sehr viel für das eingesetzte Geld, sofern er nicht allzu viele Optionen hinzubucht.
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