Ahorn Camp T 640 im Test
Dieser Teilintegrierte macht vieles anders als die Konkurrenz

Wer scharfe Kontraste mag, wird diesen Ahorn lieben: Was den schmalen, kurzen T 640 so besonders macht, ist sein supergroßes Bad im Heck.
Bild: Christian Herb
Manchmal versteckt sich das Gewöhnliche im Ungewöhnlichen. Dann lockt außen wilde Exotik, während bei näherem Hinschauen dahinter alles nur der gewohnte Standard bleibt.
Das macht Ahorn Camp anders. Die Speyerer Truppe überrascht, weil sie aus tiefer Überzeugung auf den Außenseiter Renault Master setzt, ein Auto, das bereits alle ab Sommer 2026 gültigen General Safety Regulations II (GSR II) erfüllt, einschließlich der neuen Vorgaben zur Cyber Security und dem Update-Management für Software. Klingt alles kompliziert, ist es auch. Aber der aktuelle Renault Master kann es bereits.
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Neu für Ahorn Camp ist der Produktionsort. Die Fahrzeuge entstehen in San Casciano in Val di Pesa, wo ein modernes Werk der Erwin Hymer Group steht. Vor allem Laika ist hier zu Hause, aber auch die Reisemobile der Marken Etrusco und Corigon rollen aus diesen Hallen. In Speyer betonen sie jedoch: Ideen und Planung stammen weiterhin aus dem eigenen Haus.

Bei geschlossener Schiebetür endet der Blick vor dem Bad. So wirkt der T 640 sehr wohnlich.
Bild: Christian Herb
Wenn der T 640 vorbeirollt, fallen sofort verschiedene Punkte auf. Zum einen ist es der starke Kontrast aus dem schwarzen Fahrerhaus (Pearl Black, 890 Euro) und dem weißen Aufbau, der die betont maskulin-kantige Frontfassade des Renault Master noch unterstreicht. Scharf geschnitten wirkt sein Gesicht, nichts Liebliches ist an ihm.
Markantes Design und schlanke Maße
Der zweite Fakt betrifft die Maße. Der T 640 wirkt so schlank und kurz, wie er tatsächlich ist. Nichts Üppiges oder Ausladendes lastet auf ihm, allein der lange Radstand fällt auf. Der Preis: Ahorn Camp nennt als (illusorische) Basis 59.500 Euro, in der von uns gefahrenen First-Edition-Ausstattung, die nicht nur rundum praktikabel, sondern auch umfangreich ausgestattet ist, sind es 69.380 Euro.
Fahrzeugdaten | Ahorn Camp T 640 |
|---|---|
Motorisierung | Renault Blue 2.0 dCi |
Leistung | 96 kW (130 PS) bei 3500/min |
Hubraum | 1997 cm3 |
Drehmoment | 350 Nm bei 1500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 161 km/h |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang/Vorderrad |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 80 l/Diesel + 20 l AdBlue |
Länge/Breite/Höhe | 6497/2320/2900 mm |
Radstand/Bereifung | 4332 mm/215/75 R 16 |
Masse fahrbereit/Zuladung ca. | 2957/453 kg (optional: 853 kg) |
Anhängelast (gebremst/ ungebremst) | 2000 kg/750 kg |
Außenmaterial Wand/Dach/ Boden | GFK/GFK/GFK |
Stärke Wand/Dach/Boden | 34/34/42 mm |
Liegefläche Mitte L x B | 2000 x 1250–1400 mm |
Liegefläche Heck L x B | entfällt |
Innenhöhe/-breite max. | 1900–2110/2120 mm |
Kühlschrank/Eisfach | Gas, 137/12 l |
Herd | Gas, 2 Flammen |
Bordbatterie | 1x AGM, 12 V/95 Ah |
Frisch-/Abwassertank | 90/80 l |
Gasvorrat/Heizung | 2x 11 kg/Truma Combi 4 |
Grundpreis/Testwagenpreis | 59.500 Euro / 69.380 Euro |
Alles für ein Paar, das sich auf eine spezielle Sicht der Dinge einlassen will. Warum speziell? Weil der T 640 innen manches anders macht als andere. Das beginnt schon beim Einstieg durch die 60 Zentimeter breite Tür, die auf eine ausfahrbare Stufe verzichtet. Das wiederum fordert einen Tritt über immerhin 35 Zentimeter Höhe, gar nicht wenig.
Viel Platz und flexible Sitzlösung
Wer dann den Blick durch das Innere schweifen lässt, sieht ein modern gestaltetes, helles Mobiliar, zu dem dunkle Flächen einen Gegenpol setzen. Doch vor allem beeindruckt es durch seine Weite: Nichts wirkt eng oder optimiert, es ist üppig viel Raum vorhanden.
Besonders die großzügige Sitzgruppe mit ihren beiden Vis-à-vis-Bänken lädt ein, dazu verspricht der Tisch mit seiner auf 85 mal 80 Zentimeter auffaltbaren, verschiebbaren Platte, auch ein ordentliches Abendessen für bis zu sechs Personen aufzunehmen. Und wer in die Tiefen der Bänke abtaucht und Teile aus der Garage nach vorn holt, kann hier tatsächlich zwei weitere Sitze mit Gurten aufbauen (und Isofix, 390 Euro). Der Gast auf der Beifahrerseite reist jedoch mit dem Rücken nach vorn, das ist nicht jedermanns Sache.

Speisen lässt sich zu sechst, doch schlafen nur zu zweit.
Bild: Christian Herb
Doch das wird nicht die Regel sein im T 640. Schließlich gibt es serienmäßig nur ein Bett, das zudem erst entdeckt werden muss: Es schmiegt sich diskret unter das Dach, von wo es ein Motor auf die Sitzgruppe hinabsenkt.
Per Leiter geht es dann empor: Mit einer Breite zwischen 1,25 und 1,40 Meter sind seine Matratzenmaße nicht üppig, zudem blockiert es in Schlafposition nicht nur die Nutzung der darunterliegenden Sitzgruppe, sondern auch den Eingang. Auch der 22 Zoll große Smart-TV, am Eingang hochkant und drehbar montiert, ist vom Bett aus nicht nutzbar. Schlafen oder leben heißt also die Devise.
Großes Bad als Highlight
Was jetzt nach vielen Kompromissen klingt, erlaubt jedoch auch ein gewaltiges Plus. Der große Aha-Effekt des T 640 wartet im Heck: Hier spannt sich, von einer Schiebetür nach vorn abtrennbar, ein großzügiges Bad quer durchs Auto.
Die Dusche ist in einer separaten Kabine auf der linken Seite untergebracht, Waschbecken und Toilette rechts. Dazwischen gibt es viel Platz zum Bewegen und Umziehen. Besonders praktisch ist, dass sich hier auch mehrere Schränke finden – Kleidung, Wäsche und Handtücher sind also im Bad stets zur Hand.

Großzügig zeigt sich das Bad, das sich quer durchs Heck spannt.
Bild: Christian Herb
Weil das Heck vom Bad belegt wird, fällt die Garage zwingend kleiner aus als bei anderen Grundrissen. Auf der linken Seite gibt es zwar eine große Klappe, und Sportgerät von Golfern oder Skifahrern findet seinen Platz. Fahrräder jedoch müssten auf einem eigenen Träger außen mitreisen.
Zwischen dem Riesenbad und der üppigen Sitzgruppe hat Ahorn Camp noch die Küche platziert. Sie fällt eher kompakt aus, ist jedoch durchweg funktional. An den Zweiflammenherd schließt sich eine eckige Spüle an, deren Abdeckung zugleich als Schneidbrett dient und somit die etwas knappe Fläche optimal nutzt. Der hohe, schlanke Kühlschrank steht griffgünstig auf der anderen Seite – einmal umdrehen genügt.
So fährt der Ahorn Camp T 640
Wer vom Ducato umsteigt, vermisst nichts, gewinnt aber an Komfort, an feinfühligerem Abrollen, vielen Ablagen und einem Cockpit, das den Fahrer konsequent in den Mittelpunkt nimmt. Der Zehn-Zoll-Monitor bildet die Schnittstelle zum Multimediasystem, in das sich kabellos Smartphones einbinden lassen.
Als Basis liefert Ahorn Camp den Renault Master mit dem 130-PS-Zweiliter aus. Er hat mit dem leer um die drei Tonnen schweren T 640 keinerlei Probleme, zeigt sich sparsam und antrittsstark. Wer es flotter und bequemer mag, erhält den schlanken Teilintegrierten auch mit starken 170 PS (1690 Euro) und Neunstufenautomatik (1990 Euro) – macht Spaß, nötig ist es nicht. Was beiden Varianten bleibt, ist ein langer Radstand von immerhin 4,33 Metern. Beim Rangieren erspart das zwar die Beaufsichtigung eines allzu ausladenden Hecks, macht den T 640 allerdings in engen Kurvenparcours und Stadtdurchfahrten nicht allzu handlich.

Der Aufbau bleibt angenehm überschaubar, der Überhang hinten kurz.
Bild: Christian Herb
In die First-Edition-Auflage hat Ahorn Camp Pakete inkludiert, ohne die es in der Praxis kaum geht. Zum Beispiel das "Renault Chassis Pack" (1900 Euro). Erst mit ihm kommt eine Fahrerhaus-Klimaanlage an Bord. Mit dabei sind dann, unter anderem, ein Geschwindigkeitsregler, LED-Scheinwerfer und Allwetterreifen.
Schlanke 390 Euro Aufpreis kostet das 2Assistance Pack Renault", in der First Edition ebenfalls enthalten. Mit ihm kümmert sich das Auto um Notbremsungen, Notrufe und überprüft die Spurhaltung. Und warnt den Fahrer, wenn er nach langer Strecke zu müde wird, – nur für den Fall, er würde das nicht selbst bemerken.
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