Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio: Fahrbericht
Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio: der letzte Macho im Querverkehr

– Als Quadrifoglio ist der Alfa Romeo Giulia im besten Sinne ungehobelt. Mit bärenstarkem Motor, spannender Technik und mächtig viel Fahrspaß.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Möglich, dass ein M3 schneller ist. Vielleicht umrundet der Mercedes- AMG C 63 einen Rennkurs in kürzerer Zeit. Und ein Audi RS 4 tobt mit mehr Prestigewucht über Boulevards und Autobahnen.
Schon die Optik sorgt für Aufsehen
Es geht härter. Es geht kantiger, derber, echter. Wir meinen es im technisch authentischen Sinne – weil es hier um einen erstklassig durchtrainierten Alfa Romeo geht. Als 520 PS starke Giulia Quadrifoglio ist sie die Krone unter den Sportlimos. Wir behaupten mal ganz frei: Das ist der letzte Typ alter Schule überhaupt.

Böser Blick: Der Alfa macht mit seinen "Dreifach-Scheinwerfern" auch optisch keinen Hehl aus seiner Leistung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Finster schauend und drahtig angezogen flaniert der Kerl über die Straße, drängelt sich immer einen Tick zu auffällig durch die StVO, hat im Sinne der CO2-Diskussionen einen viel zu rüpelhaften Durst, pfeift auf 48-Volt-Benetzung oder Akkus im Antriebsstrang – und all das ist gut so. Wo kämen wir (Benzinköpfe!) denn hin, wenn alles nur noch sanft summen, piekfein pendeln und leise herumhybriden würde? Diese Art der Fortbewegung kommt ja eh mächtigen Schrittes auf uns alle zu.
Das Herz des Quadrifoglio ist ein Kunstwerk
Bis dahin fühlen wir der stärksten Giulia also gern noch mal so richtig auf den Zahn. Zumal Alfa Romeo der drallen Limousine jüngst eine Überarbeitung gegönnt hat, "Dreifach-Scheinwerfer" in die Frontmaske gesetzt, ein moderneres Multimediasystem eingebaut und dem Motor 10 PS mehr eingehaucht hat.

Maschinenraum: Prall vollgestopftes Abteil, darin ein vom Ferrari V8 abgeleiteter 2.9er mit 520 PS und grandiosem Charakter.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Bene, il motore ist das Stichwort: Das ist kein Motor. Das ist Kunst! Ein V6 mit 2,9 Liter Hubraum, an dessen äußeren Bankflanken zwei IHI-Abgaslader Prozessluft pumpen, die zuvor durch flüssigkeitsgekühlte Ladeluftkühler rauscht. So gedopt, prügelt Signor Quadrifoglio stolze 650 Newtonmeter ins Getriebe. Die Maschine hat Verve und Leumund gleichermaßen: Ferrari leitet den Alublock (Typ F 154, ursprünglich ein V8) von Typen wie dem California T ab, liefert somit die stichmaßidentische Basis für den QV, hinzu kommen Kurbelwelle und Nebenaggregate plus weiterer Feinschliff durch Alfa Romeo.
Fahrzeugdaten
Modell | Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio |
|---|---|
Motor | V6, Biturbo, vorn längs |
Hubraum | 2981 cm³ |
Leistung | 382 kW (520 PS) bei 6500/min |
Max. Drehmoment | 600 Nm bei 2500/min |
Antrieb | Achtstufenautomatik, Hinterrad |
Länge/Breite/Höhe | 4639/1874/1433 mm |
Leergewicht | 1735 kg (EU) |
0–100 km/h | 3,9 s |
Vmax | 307 km/h |
Verbrauch* | 10,1 l SP/100 km |
Abgas CO2* | 229 g/km |
Preis | ab 92.500 Euro |
Herausgekommen ist ein Triebwerk, das so nur aus Italien kommen kann, darf, muss. Mit leichter Kante in der Laufkultur (Bankwinkel 90 Grad) kann der V6 von unten pressen und oben bürsten wie kein anderer. Das Maximal-Kraft-Pfund liegt bei lässigen 2500 Touren an, erst bei 7000 Touren flaut der Schub merklich ab. Wer das Auswringen des Sechszylinders bis in den letzten Gang treibt, erntet 310 km/h Spitze nach Tacho.
Verbrauch jenseits von Gut und Böse
Wer es an dieser Stelle ebenfalls wissen will und erträgt: Rund 30 Liter Super auf 100 Kilometer rauschen dann ganz locker durch die zwölf Einspritzdüsen. Wir meinen aber: Bei 92.500 Euro Grundpreis und entsprechend homöopathischen Verkaufszahlen können wir das hier mal gelassen in einen Freispruch verwandeln.
Der Klang macht Gänsehaut
In den beiden sportlicheren Fahrprogrammen "Dynamic" und "Race" rumort der von seiner Auspuffklappe gelöste Turbobenziner rauchig-vulgär in den Innenraum, tönt grantig-grummelnd in Richtung Außenwelt. Klasse: Das Klangspektrum des Quadrifoglio sortieren wir in puncto Authentizität oberhalb der pubertär sprotzelnden AMG- und jenseits der sonor rauschenden BMW-M-Modelle ein.

Klangkörper: Abgasanlage mit vier Endrohren, akustisch erstaunlich erwachsen abgestimmt.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Schmerzhaft brutal kantet dann das Achtstufen-Automatikgetriebe die Gänge ein, sodass die hinteren Achswellen mit wechselwirkender Torsion die gesamte Fuhre kurz zum Schaudern bringen. Bitte nicht falsch verstehen: Das wirkt nicht instabil oder defekt, sondern sinnlich, direkt, hellwach. So wie das gesamte Auto.
Spontane Drifts sind kein Problem
Trocken verbeißen sich die Pirelli-P-Zero-Corsa-Reifen mit der Fahrbahn, 50:50 ausbalanciert packt die Giulia ihre Radlasten auf die Straße, fühlt sich entsprechend trittsicher und austariert an, ein mechanisches Sperrdifferenzial verwaltet die Kräfte an den hinteren Antriebsrädern.

Querverkehr: An sich kleben die Pirelli-Pneus ganz ordentlich, bei vollem Leistungseinsatz verlieren sie aber ihre Haftung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das Gripniveau variiert allerdings zwischen erschrecktem Verlust der Seitenführung bei kalten Temperaturen, klebriger Verbindung mit angewärmter Lauffläche und rauchendem Wahnsinn bei voller Last in den unteren Gängen.
Im Fahrprogramm "Neutral" wird der Alfa zahm
Daraus resultiert dann auch der größte Spaß (für Könner): Der QV mutiert im "Race"-Modus zur Driftmaschine, lässt sich während dieser Querlenkerei mittels feststehender Schaltwippe in höhere Gänge treiben, gibt dann ein einziges blaues Qualminferno von sich. Sinnvoll? Assolutamente no! Aber göttlich aufregend.

Man mag es kaum glauben: Neben spektakulären Drifts kann es der Alfa auch ganz zahm angehen lassen – wenn man es denn möchte.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Und jetzt kommt das Tollste: Dieser Berserker kann tatsächlich auch barmherzig. Wenn er im bravsten der drei Fahrprogramme ("Neutral") vor sich hin bummelt, unter zartem Zug sachte die Fahrstufen durchwechselt, erstaunlich lammfromm federt und – bei sachte aufgelegten Fingerspitzen am Lenkrad – ganz fein und zielgenau der Fahrspur folgt, dann geht jedem und jeder das Herz auf. Dann ist die Giulia wie feinste Pannacotta auf dem Dessertlöffel – und das schmeckt uns besser als Weißwurst oder Maultaschen zum Nachtisch.
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