Nein, liebe Chauffeure, dieser Welt, den Schlüssel zu einem Alpina B7 werdet ihr so schnell nicht in die Finger bekommen. In diesem Luxus-Überflieger gibt der Chef lieber selbst Gas, statt es sich hinten rechts bequem zu machen. Alpina, beheimatet in Buchloe im Ostallgäu, verfeinert seit 51 Jahren BMW, macht sie schneller, individueller und auf subtile Weise edler. Seit 33 Jahren ist Alpina eingetragener Autohersteller, der seine Modelle quasi Hand in Hand mit den Münchnern entwickelt und fertigt. Dabei baut Alpina keine Rennwagen für die Straße, sondern schnelle Reisewagen für Genießer. Etwa 1500 Fahrzeuge entstehen jedes Jahr, die wichtigsten Märkte sind Deutschland, die USA und Japan.

Im Bug des B7 wohnt ein mächtiges Motorenbiest

BMW Alpina B7
Dampfhammer: Hinter der Niere arbeitet ein doppelt aufgeladener 4,4-Liter-V8 mit satten 608 PS.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die jüngste Kreation und gleichzeitig das Flaggschiff der Palette heißt Alpina B7 Biturbo. Ein Obendrüber-Luxusliner, der Buchloe ausschließlich mit Allradantrieb und langem Radstand verlässt. Vier von fünf B7 werden in den USA verkauft – und im Land der unbegrenzten Möglichkeiten verlangt der Markt nach der Langversion. Als Basisfahrzeug dient ein BMW 750Li xDrive, aus dem mit tief greifenden Modifikationen ein 330 km/h schneller B7 Biturbo wird. In der jüngsten Ausbaustufe leistet das 4,4-Liter-Aggregat 608 PS und 800 Nm Drehmoment. Erreicht wird die Mehrleistung durch zwei größere Twinscroll-Turbolader mit 1,4 Bar Ladedruck, eine optimierte Kühlung sowie vergrößerte Querschnitte im Ansaugsystem und eine Edelstahlabgasanlage. Die serienmäßige Luftfederung, die Getriebesteuerung und die Bremsanlage sind der gestiegenen Leistung angepasst. Fahrdynamisch günstig wirken sich zudem die geschmiedeten Leichtmetallräder aus, die gegenüber Gussfelgen in Summe zehn Kilogramm Gewicht sparen.
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Mit dem Tuning verliert der Siebener nichts von senem Komfort

BMW Alpina B7
Sauber abgestimmt: Die Federung arbeitet in allen Fahrmodi kommod, ist dem Serien-7er ebenbürtig.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das klassische Felgendesign mit filigranen Speichen stellt neben dem politisch herrlich unkorrekten Deko-Set und dem tieferen Frontspoiler ein Kernelement des Alpina-Designs. Man kann die Zierstreifen und den Modellschriftzug natürlich abbestellen, aber der wahre Fan bevorzugt seinen Alpina in vollem Ornat. Beim Fahren überrascht der 5,25 Meter lange und gut 2,1 Tonnen schwere B7. Die leichtgängige, betont direkt ansprechende Allradlenkung lässt den Fahrer beinahe glauben, einen Mittelklassewagen im 3er-Format zu bewegen. Schnell lösen sich Bedenken auf, der veredelte 7er sei nur ein schwerer Autobahnrenner, der mit Kurven nichts anfangen kann. Ohne den B7 hier zum Kurvenräuber zu adeln, verdient seine Leichtfüßigkeit bei Richtungswechseln unseren Respekt. Dazu kommt der hohe Geräuschkomfort, der den Top-Alpina zum Reisewagen erster Güte macht. Die Federung arbeitet in allen Fahrmodi kommod, ist dem Serien-7er ebenbürtig. Sanft schwingend auf Comfort Plus, mit betont weicher Hinterachse – ein Tribut an den Fondkomfort. Für sehr schnelle Autobahnetappen empfiehlt sich der Sportmodus. Ab 230 km/h senkt sich das Fahrwerk automatisch um 20 Millimeter ab.

Die Fahrleistungen liegen auf Supersportler-Niveau

BMW Alpina B7
Rasanter Luxus: Den Sprint auf Tempo 100 bewältigt der B7 in 3,6 Sekunden, maximal sind 330 km/h drin.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Trotz des Überangebots an Leistung läuft der Alpina-Motor seidenweich und akustisch sehr zurückhaltend. Im dichten Stadtverkehr lässt er den Fahrer völlig im Unklaren über sein wahres Potenzial. Erreicht man einsame Landstraßen und kann den Motor auch mal ausdrehen, erhebt er erst ab 3500 Umdrehungen kernig seine Stimme, ohne allerdings in pubertäres Geblubber zu verfallen. Weniger zurückhaltend als die angenehme Akustik des B7 ist der stramme, ja beinahe gewalttätige Vortrieb. Beim Start mit Launch Control schüttelt die große Limousine ihr Gewicht förmlich ab und sprintet ansatzlos nach vorn. Wir haben 3,6 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h gemessen. Nach nur 11,8 Sekunden ist man bereits doppelt so schnell. Mit diesen Sprintwerten bewegt sich der B7 in der Gesellschaft echter Supersportler. Den Schlüssel für diesen Ausnahme-Alpina gibt wohl kein Chef freiwillig her.

Fazit

Die Zeit mit dem B7 war, das geben wir offen zu, purer Genuss. Man könnte fragen, ob so viel Leistung und so viel Auto Sinn ergeben. Natürlich nicht, aber es macht ungemein viel Spaß. Ein bis zu 330 km/h schneller 7er, luxuriös, edel und sogar sparsam, das ist ein Fest für alle Sinne. Leider verschlingen Anschaffung und Unterhalt enorme Summen. So bleibt ein Alpina B7 für die meisten nur ein Traum.