In vielen Wohngebieten, vor allem in Großstädten, ist das Parken nur mit einem Bewohnerparkausweis erlaubt. Anwohner sollen dadurch ihre Wohnung fußläufig erreichen können. Diese Anwohnerparkausweise werden in manchen deutschen Städten bald um ein Vielfaches teurer (das kostet Falschparken seit der StVO-Reform).
Vor allem in Baden-Württemberg müssen Parkende mancherorts für das Abstellen ihres Autos nahe der eigenen Haustür deutlich tiefer in die Tasche greifen. Dort hatte die Landesregierung im Sommer 2021 den Weg für höhere Gebühren freigemacht. Viele Kommunen setzen das jetzt um. (Lesen Sie auch, wie Sie Knöllchen auf dem Supermarkt-Parkplatz vermeiden.)

Tübingen: Bis zu 180 Euro nach Gewicht

In Tübingen war Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) mit seinem Vorstoß von bis zu 360 Euro pro Jahr am Gemeinderat gescheitert. Dennoch müssen Autobesitzende in der Universitätsstadt ab 2022 für einen Anwohnerparkausweis mehr zahlen. Los geht es künftig bei 120 statt 30 Euro jährlich, für schwerere Autos wie zum Beispiel SUVs werden 180 Euro fällig. Bei E-Autos steigt die Gewichtsgrenze wegen der schweren Batterie von 1,8 auf 2 Tonnen Leergewicht, zudem gibt es für manche Anwohner sozialverträgliche Sonderlösungen. Mit den erwarteten Mehreinnahmen von über einer halben Million Euro im Jahr sollen klimaschonende Maßnahmen unter anderem im Öffentlichen Nahverkehr bezahlt werden.
Anwohnerparken in Tübingen
In Tübingen kostet das Parken von großen und schweren Autos bald besonders viel.

Heidelberg: Zehn statt drei Euro im Monat

In Heidelberg kostet das Anwohnerparken ab dem 1. Januar 2022 zehn statt drei Euro pro Monat. Das hatte der Heidelberger Gemeinderat am 9. Dezember beschlossen. Ausgenommen von der Gebührenerhebung sind einkommensschwache Fahrzeughalter, die Inhaber eines Heidelberg-Passes oder Heidelberg-Passes+ sind.

Freiburg: Preisexplosion mit sozialer Staffelung

In Freiburg im Breisgau kostet ein Anwohnerparkausweis ab April 2022 im Schnitt 360 Euro pro Jahr (bislang 30 Euro) – bis technisch eine feinere Abstimmung nach Kriterien möglich ist. Bis dahin werden die Preise gestaffelt: Für Autos unter 4,21 Meter Länge werden 240 Euro im Jahr fällig, für Autos zwischen 4,21 und 4,70 Meter sind es 360 und für Autos über 4,70 Meter 480 Euro. Für ein halbes Jahr wird jeweils die Hälfte der Jahresgebühr fällig. Menschen, die Sozialleistungen beziehen, Wohngeld erhalten oder aufgrund ihrer Behinderung einen orangefarbenen Parkausweis haben, zahlen nur 25 Prozent der jeweiligen Gebühr. Für Personen mit schweren Behinderungen und blauem Parkausweis entfällt die Gebühr. 

Karlsruhe: Schrittweise Versechsfachung

Karlsruhe erhöht die Gebühren für die Jahre 2022 und 2023 jeweils von 30 Euro auf 180 Euro pro Jahr, unabhängig vom Fahrzeug.
 

Stuttgart: Diskussion noch nicht gestartet

Die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart verfolgt das Geschehen weiter aufmerksam. Zurzeit werde aber noch debattiert, sagte ein Sprecher der dpa. Sobald ein Verwaltungsvorschlag erarbeitet sei, solle die politische Diskussion angestoßen werden. Rund 50.000 Bewohnerparkplätze von einer Erhöhung betroffen. 

Berlin: Verzwölffachung bis 2023 geplant

In Berlin soll laut Koalitionsvertrag des neuen Senats die Gebühr fürs Anwohnerparken bis spätestens 2023 auf zehn Euro pro Monat steigen. Bislang sind es 10,20 Euro pro Jahr oder 20,40 Euro für zwei Jahre. Ermäßigungen nach sozialen und ökologischen Kriterien würden geprüft, heißt es. Im Gegenzug soll der Öffentliche Personennahverkehr massiv ausgebaut werden, zudem soll es 2024 ein verpflichtendes Nahverkehr-Gästeticket für Touristen geben.

Hamburg: Anwohnerparken bald 20 Euro teurer

In Hamburg steigt die Gebühr für einen Anwohnerparkausweis 2022 von 50 auf 65 Euro jährlich. Zusätzliches Ärgernis für Autofahrer: In vielen Bezirken werden deutlich mehr Ausweise ausgestellt als Parkplätze vorhanden sind. Lastenfahrräder können in den Bewohnerparkzonen laut einem NDR-Bericht kostenfrei auf den Parkplätzen abgestellt werden.
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Köln: Höhere Gebühren erwartet

In Nordrhein-Westfalen hat deutlich mehr als jeder zweite Einwohner ein Auto, Tendenz steigend. Entsprechend wird auch hier in Großstädten die Parkplatznot immer größer. Nach der zeitnah zu erwartenden Ermächtigung der Kommunen durch das Land, die Preise selbst zu gestalten, wird auch für Köln für das Jahr 2022 mit einer deutlichen Erhöhung der Anwohnerparkgebühren gerechnet. In Düsseldorf werden 13 Zonen eingerichtet, in Dortmund sollen weitere hinzukommen.

Frankfurt/Main: Flächendeckende Parkraumbewirtschaftung geplant

In Frankfurt am Main kostet ein Bewohnerparkausweis 50 Euro für zwei Jahre. Noch. Denn in Hessens Bankenmetropole ist für das Jahr 2022 eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung geplant. Die Gebühren fürs Anwohnerparken könnten nach dem Vorbild Tübingens steigen, berichtete die "Frankfurter Rundschau". Dafür muss jedoch erst Paragraf 15 der hessischen Delegationsverordnung ergänzt, sprich ein Landesgesetz geändert werden. Dieses Gesetzgebungsverfahren soll zeitnah abgeschlossen sein.

München: Mehr Anwohnerparkzonen - auch bald teurer?

In München sollen bis 2023 zu den 69 existierenden Parklizenzgebieten acht Zonen mit Anwohnerparken hinzukommen. Eine Erhöhung der Gebühren von 30 Euro pro Jahr ist möglich, allerdings noch nicht vom Stadtrat beschlossen.

Leipzig: Waldstraßenviertel wieder Bewohnerparkzone

In Leipzig ist das belebte und stark verkehrsbelastete Waldstraßenviertel seit dem 1. Oktober 2021 im zweiten Anlauf eine Bewohnerparkzone. Ein erster Versuch war im Herbst 2019 an massiven Protesten und schließlich sogar vor Gericht gescheitert. Die Verwaltungsgebühr beträgt 30,70 Euro pro Jahr. Wie in den meisten mitteldeutschen Städten auch ist laut einer MDR-Umfrage eine Erhöhung auf Dauer möglich, aktuell aber nicht geplant.
Anwohnerparken Anwohner Parkplatz
Lange Zeit lag die Obergrenze für einen Bewohnerparkausweis bei 30,70 Euro pro Jahr.

Deckelung von 30,70 Euro nicht mehr vorgegeben

Mitte 2020 hatten Bundestag und Bundesrat einer Gesetzesänderung zugestimmt, wonach die Bundesländer die Gebührenordnung anpassen beziehungsweise den Städten und Kommunen freie Hand bei den Kosten für Anwohnerparkausweise geben können. Bis dato schrieb die Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr (GebOSt) den Kommunen eine Bandbreite von 10,20 Euro bis 30,70 Euro pro Jahr vor. Hintergrund der Neuregelung: Zum einen konnten viele Verwaltungen zu diesen Tarifen nicht mehr kostendeckend arbeiten. Zum anderen soll angesichts einer weiter steigenden Anzahl an Autos in Großstädten die Verkehrswende hin zum nicht motorisierten Individualverkehr unterstützt werden.
Mit Material von dpa