Drei englische Supersportler

Aston Martin DB11, Jaguar F-Type R, McLaren GT: Test, V8

Drei englische V8-Supersportler im Test

Britain ist immer noch ziemlich great. Das beweist die verschärfte Ausfahrt mit den Ausnahmetalenten Aston Martin DB11, Jaguar F-Type R und McLaren GT.
Vorbereitung ist ja das halbe Leben. Nachbereitung auch. Während ich diese Zeilen tippe, knabbere ich Highlander Shortbread von Walkers, schlürfe einen 15-Uhr-Tee – dabei ist Tee eigentlich gar nicht mein Ding. Großbritannien und besonders dessen nördliche Provinz dagegen sehr wohl. Und daher fahren wir jetzt einfach mal gegen den drohenden Brexit an – mit Aston Martin DB11, Jaguar F-Type R und McLaren GT .

Die Schönheit des DB ist zum Niederknien

Elegant und schnell: Der Aston Martin DB11 gehört zu den schönsten Autos – und kann es auch sportlich.

Vor allem der Aston Martin hat es mir schon im Vorfeld angetan – das Bond-Auto schlechthin. Ich stehe vor dem DB11 und frage mich, ob dies das schönste Auto ist, vor dem ich jemals stand. Grazil, elegant und doch drahtig. Weiß mit dem schwarz abgesetzten Dach steht ihm hervorragend. Was an einem Seat Arona billig wirkt, strahlt hier eine Eleganz aus, dass es einem kurzzeitig die Sprache verschlägt. Hier fahren wir MittelmotorFront-Mittelmotor. Der Vorderwagen ist so endlos lang, dass sich der Vierliter aus AMG-Zucht hinter die Vorderachse kauert. Der Vorteil dieser Konstruktion zeigt sich auf der Landstraße in einem extrem stabilen Vorderwagen, wohingegen die Hinterhand gern mal das Weite sucht. Massive Domstreben zwischen den vorderen Aufhängungen minimieren Verwindungen, die 20-zölligen Bridgestone Potenza S007 auf 10-speichigen Alus tun ihr Übriges.

Akustisch ist der F-Type R ganz weit vorne

Jaguar F-Type R (2019): Test - Fahrbericht - Sportwagen - Coupé

Erste Fahrt im frischen Top-F-Type

Innen fläzen wir uns auf bequemen Sitzen, die es mit der Seitenführung nicht ganz so genau nehmen, und flippern uns per Tastendruck am wulstig gepolsterten Volant durch die Settings für motorische Akustik und fahrwerksseitige Verrenkungen. So gediegen der DB11 auch ist – wenn er soll, kann er auch infernalisch fauchen und bockelhart abrollen. Das toppen beide Landsmänner nochmals – der McLaren in Sachen Härte, der Jaguar akustisch. Allerdings nur akustisch, denn im Vergleich wirkt er im Geschlängel der Landstraße wie ein zahmer Stubentiger, neigt sich selbst im sportlichsten Modus merklicher und muss sich vor dem Herausbeschleunigen erst mal sortieren, bis wieder genug Ruhe im Chassis herrscht. Öffnen wir die Klappen der vierflutigen Abgasanlage, ist schlagartig Schluss mit Ruhe; dann lässt der Jag auf Befehl den Shir Khan raushängen. Leistungsseitig stiehlt dem Jaguar nur noch der 620 PS starke McLaren die Schau – übrigens auch in allen anderen Belangen, abgesehen von der Lackierung vielleicht. Hier versucht der GT, mit einem eleganten Weinrot unter dem Radar zu fliegen. Ein sinnloses Unterfangen. Erstaunlich: Der McLaren gibt sich erst mal handzahmer als optisch erwartet. Das mag auch daran liegen, dass wir im GT sitzen, nein, liegen wie in einem Rennwagen, die Erwartungen also andere sind.

Beim McLaren sollte man sich nicht vom Namen täuschen lassen

McLaren GT (2019): Test - Fahrbericht - Motor - Infos

Erste Fahrt im McLaren GT

Eingebettet in verblüffend restbequeme Schalen, verschmolzen mit dem Kohlefaser- Monocoque, in der Hand ein kleines Lenkrad ohne Firlefanz, hinter dem sich eine Schaltwippe querspannt, die ihren Namen verdient: Die linke Hand schaltet entweder nach hinten runter oder nach vorn hoch, vis-à-vis verhält es sich umgekehrt. Mit links hochschalten, während Sie der Beifahrerin beruhigend die Hand halten? No problem. Die nötige Beruhigung verrät auch schon, dass der GT mit seinem eigenen Kürzel reichlich wenig am Hut hat. Klar, zur Not passt ein bisschen Gepäck ins Heck – wir haben den GT sogar für einen kleinen Not-Abstecher zum Baumarkt missbraucht –, aber das war's dann auch schon. Das Triebwerk hinter den Sitzen entspricht konstruktiv dem des 720S, nur haben sie den Vierliter-Biturbo-V8 für den GT um 100 PS gezähmt und lassen ihn sanfter ansprechen. Gezähmt ist auch der Innenraum, die Verarbeitung unseres Testwagens ist über alle Zweifel erhaben. Allein die Volllederausstattung inklusive mit Tierhaut bespanntem Dachhimmel ist ein Kunstwerk.
Auf der Straße täuscht der theoretische Eindruck nicht: Die hydraulisch unterstützte Servolenkung spricht extrem direkt an und gibt mit Abstand das präziseste Feedback dieses Trios. Das verhaltene Temperament des Vierliters hatten wir anfangs ja schon angedeutet, wobei verhalten hier im Kontext zu sehen ist. Wer Spaß will, muss ganz GT-untypisch die Drehorgel anwerfen, im unteren Tourenbereich liegt der handzahme Teil der McLaren-Persönlichkeit. Falls Sie jetzt mit einem der drei liebäugeln, sollten Sie mal mit ihrem Kumpel bei der Bank verhandeln. Nur so zur Vorbereitung.
Technische Daten Aston Martin DB11 • Motor: V8, Biturbo, vorn längs • Hubraum: 3982 cm³ • Leistung: 375 kW (510 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment: 675 Nm bei 2000/min • Antrieb: Hinterradantrieb, Achtstufenautomatik • Länge/Breite/Höhe: 4750/1950/1290 mm • Leergewicht: 1685 kg (DIN) • Kofferraum: 270 l • 0–100 km/h: 4,3 s • Vmax: 300 km/h • Verbrauch: 9,9 l/100 km SP • Abgas CO2: 230 g/km • Preis ab 187.700 Euro.
Technische Daten Jaguar F-Type R • Motor: V8-Kompressor, vorn längs • Hubraum: 5000 cm³ • Leistung: 423 kW (575 PS) bei 6500/min • max. Drehmoment: 700 Nm bei 3500/min • Antrieb: Allradantrieb, Achtstufenautomatik • Länge/Breite/Höhe: 4470/1923/1311 mm • Leergewicht: 1668 kg (DIN) • Kofferraum: 299–509 l • 0–100 km/h: 3,7 s • Vmax: 300 km/h • Verbrauch: 11,0 l/100 km SP • Abgas CO2: 252 g/km • Preis ab 125.600 Euro.
Technische Daten McLaren GT • Motor: V8, Biturbo, Mittelmotor • Hubraum: 3994 cm³ • Leistung: 456 kW (620 PS) bei 7500/min • max. Drehmoment: 630 Nm bei 5500/min • Antrieb: Hinterradantrieb, Siebengang-Doppelkupplung • Länge/Breite/Höhe: 4683/1930/1213 mm • Leergewicht: 1530 kg (DIN) • Kofferraum: 150 l (vorne), 420 l (hinten) • 0–100 km/h: 3,2 s • Vmax: 326 km/h • Verbrauch: 11,9 l/100 km SP • Abgas CO2: 270 g/km • Preis ab 198.000 Euro.

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Supersportwagen

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