Der Fahrer hat das edle Cockpit im sogenannten "Wave-Design" vor sich.
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Aston Martin zeigt uns neue Fotos vom Lagonda. Diesmal wird das Interieur ins rechte Licht gerückt und zeigt genau das, was die ausgesprochen solvente Kundschaft in den Emiraten am Golf sicher zu schätzen weiß. Mit edelsten Werkstoffen wird nicht gegeizt, Leder im Kroko-Look triff auf fein poliertes Metall und edles Holz. Wobei das nur eine Blaupause ist, denn auf Wunsch würden die Briten ihren Nobel-Hobel sicher auch in rosafarbenen Plüsch packen, wenn es entsprechend entlohnt wird. Auf jeden Fall können sich sich die Fondpassagiere über reichlich Platz freuen, der Abstand zu den vorderen Sitzen ist gewaltig. Die Perforation des Gestühls ist eindeutiger Hinweis auf eine Belüftung, rund um die Golf-Region auch durchaus ein wünschenswertes Feature.
Bei Hitzetests im Oman wird der Lagonda derzeit gegen Hitze gestählt.
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Der ungetarnte Prototyp durfte im Oman bereits ein Hitze-Testprogramm abspulen, bevor er irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft in einer Kleinserie von nur 100 Exemplaren durch die Hände kundiger Schrauber laufen soll. Schon bei der ersten Ankündigung, den viertürigen Luxus-Sportler wiederzubeleben, fielen Aston-Martin-Fans gleich zwei Steine vom Herzen. Der erste galt der Wiedergeburt der luxuriösen Tochter Lagonda, die damit offiziell bestätigt wurde. Und der zweite der Tatsache, dass dieses Comeback nicht mit der hässlichen SUV-Studie von 2009 geschehen wird – zumindest nicht sofort. Das, was die Briten jetzt auf Fotos zeigen, passt viel besser zur Tradition der Tochter, als das Nilpferd im Nerzmantel, das seinerzeit die Gäste in Genf verschreckt hatte: Aus dem Dickschiff fürs Gelände ist eine ebenso elegante wie exklusive Limousine geworden.
Die Kundschaft ist handverlesen
Der neue Lagonda tritt ganz klassisch auf: kaum Kanten, fließende Linien.
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Ähnlich wie beim Supersportwagen One-77 und dem V12 Zagato planen die Briten dabei nur mit kleinen Stückzahlen und einer handverlesenen Kundschaft, die den Wagen auch nicht einfach so kaufen kann. Den Lagonda darf man nur "by Invitation only" bestellen, meldet Aston Martin und will den Vertrieb zunächst auf die Golf-Region beschränken. Denn erstens haben die Scheichs offenbar ausreichend große Garagen für einen Luxusliner von gut und gerne sechs Metern und wollen mal was anderes sehen als Rolls-Royce oder Bentley. Und zweitens fragt dort auch keiner nach dem Preis, den Aston Martin ohnehin noch "strictly confidential" hält und dazu bislang nur so viel verrät: "Er wird der Exklusivität, der Qualität und dem Luxus des Lagonda angemessen sein." Im Klartext heißt das, dass er wohl eher bei einer als bei einer halben Million Euro liegen dürfte – oder bei entsprechend vielen Dirhams.
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Geliebte Geldvernichter: diese Oldtimer sind teuer im Unterhalt
Der V12-Motor kommt weiter von Ford
Große Räder auf edlen Felgen sind Pflicht, hinten sorgt ein Mini-Heckkantenspoiler für mehr Abtrieb.
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Technisch wird das neue Modell allerdings eher ein altes Auto werden. Denn neue Komponenten sind bei den Briten noch nicht in Sicht. Zwar gibt es mittlerweile eine Motoren- und Elektronik-Kooperation mit der Mercedes-Tochter AMG. Aber bis die fruchtet, gehen sicher noch zwei, drei Jahre ins Land. Deshalb baut auch der Lagonda auf der so genannten VH-Plattform auf, die bereits die gesamte Aston Martin-Palette trägt. Und natürlich wird er den 6,0 Liter großen V12-Motor übernehmen, den die Briten im Lohnauftrag bei Ford in Köln fertigen lassen. In der potentesten Ausbaustufe aktuell 573 PS stark, sollte er den Luxusliner locker auf mehr als 300 km/h katapultieren können. Doch nach dem Dreh an einigen Stellschrauben sollten bis zu 600 PS drin sein. Das Ergebnis: Der Spurt auf 100 km/h soll in 4,2 Sekunden erledigt sein. Doch bevor der edle Brite wieder in die Heimat zurückkehren darf, absolviert er aktuell rund 22.500 Test-Kilometer.
Aston Martin verspricht technische Innovationen
Die hinteren Türen sind sehr groß, damit der Einstieg ohne Verrenkungen gelingt. Der Brite ist fast sechs Meter lang.
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Aber nur alte Technik geht nicht. Erst recht nicht bei einem Lagonda. Denn dass die letzte, von 1976 bis 1990 gebaute Lagonda Limousine zur Legende wurde, lag nicht allein am spektakulären Design von William Towns. Sondern vor allem an damals spektakulären Neuerungen wie den Sensortasten und dem LED-Display im Cockpit. Das hat auch Aston Martin nicht vergessen und verspricht deshalb wieder technische Lösungen, die ihrer Zeit voraus sind. Und damit meinen die Briten offenbar nicht allein die Karosserieteile aus Carbon.
Der Lagonda verkürzt die Wartezeit zum geplanten SUV
Zwar ist mit der Limousine das protzige SUV erst einmal vom Tisch. Doch nachdem sich Aston Martin gerade frisches Geld besorgt und schon das Lagonda-Markenzeichen modernisiert hat, könnte der Luxusliner auch nur der Auftakt für das große Comeback der Marke sein und die Zeit bis zum Debüt des Geländewagen überbrücken. Immerhin wären die Briten dann in guter Gesellschaft. Denn bis der Allradler 2016 oder 2017 über Boulevard und Buckelpiste stolzieren könnte, ist die Konkurrenz von Bentley schon da und die von Rolls-Royce wahrscheinlich nicht mehr fern.
Geliebte Geldvernichter: diese Oldtimer sind teuer im Unterhalt
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Geld verbrennen kann so schön sein: AUTO BILD KLASSIK stellt vier Klassiker und ihre Besitzer vor, bei denen Geld keine Rolle spielt. Wie für Hartmut Rauter, der ein schlagendes Argument hat für seinen Mercedes-Benz 450 SEL 6.9: "Mehr Mercedes geht einfach nicht!" Der 6.9er markierte 1975 einen hell leuchtenden Fixstern am S-Klasse-Himmel. Fast sieben Liter Hubraum, schlappe 560 Nm Drehmoment und 286 PS machten den 450 SEL 6.9 zur schnellsten Serienlimousine der Welt.
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Die monumentale Krönung der W116-Baureihe symbolisiert komplette Machtfülle: "Das beste Auto der Welt" nannten ihn einhellig Fachjournalisten aus aller Welt bei seinem Debüt 1975. Kein anderer Nachkriegs-Mercedes hatte mehr Hubraum, konsequent versenkten die Ingenieure im Technologieträger der Marke alles, was an Technik machbar war.
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6.9er-Besitzer Hartmut Rauter, Betriebswirt und Autohändler aus Wetzlar, wollte zu Studienzeiten Anfang der 90er-Jahre endlich einen Mercedes-V8. Damals waren die sanften Riesen für junge Selberschrauber noch bezahlbar. Die Betonung liegt auf "damals". "Heute ist ein 6.9er in schlechtem Zustand ein Fass ohne Boden."
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Ein mangelhaftes Triebwerk ist der Gau. Um die 20.000 Euro kann eine Motor-Revision beim Profi kosten, ordentliche Autos gibt es komplett für die gleiche Summe. Hartmut Rauter kann euphorisierte 123er-Fahrer nur warnen, die der Verlockung des Über-Benz für relativ wenig Geld erliegen. Um anschließend langsam dem finanziellen Verderben entgegenzusteuern.
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High-Tech-Detail anno 1975: die serienmäßige Reinigungsanlage für die Breitbandscheinwerfer. Betätigt wird sie automatisch, sobald man bei eingeschaltetem Abblendlicht die Waschanlage für die Scheibenwischer betätigt.
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Große Leuchte: Die Rücklichter der 116er sind erheblich größer als beim vergleichsweise filigranen Vorgänger W108/109. Die Rippen in den Leuchten waren laut Mercedes selbstverständlich kein reiner Styling-Gag. Sie sollten vielmehr verhindern, dass die Rückleuchten nicht so schnell durch Gischt oder aufgewirbelten Staub verschmutzen.
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Man muss es einmal erlebt haben: Wenn der 6.9er in der Tiefgarage startet, und der mächtige M100 sein bassig-kultiviertes Stakkato zelebriert.
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Den Rückspiegel brauchten 6.9er-Piloten eher selten. Bei Beschleunigungszeiten von 0 auf 100 km/h in unter acht Sekunden und 230 km/h Spitze waren adäquate Gegner auf der Autobahn rar. Für einen rechten Außenspiegel waren 1975 übrigens 94,35 D-Mark extra fällig.
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Eine S-Klasse ohne Schiebedach ist wie ein Briefkasten ohne Schlitz. Für den Frischluft-Luxus zahlten auch solvente 6.9er-Käufer 987,90 D-Mark zusätzlich zum Grundpreis von 69.930 D-Mark (Preisliste vom 1.9.1975). Dafür war die Klimaanlage beim Sechspunktneun Serie.
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Die seltenen Hochgeschwindigkeitsreifen des Formats 215/70 VR 14 kosten heute rund 500 Euro – pro Stück. "Um Geld beim Reifenkauf zu sparen, habe ich vier Barockfelgen einer extra nachgefertigten Serie im 15-Zoll-Format gekauft. Hat aber auch 2000 Euro gekostet", erzählt Hartmut Rauter.
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Ein derartiger Anblick löst bei 116er-Jüngern Glücksgefühle aus: Möglichst viele Sonderausstattungen sind gefragt. Die 6.9er waren schon serienmäßig recht gut ausgestattet. Fensterheber vierfach, Zentralverriegelung, Velourspolster, Klimaanlage, Tempomat und wärmedämmendes Glas sind Serie.
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Zischt beim Betätigen der Temperaturregler vornehm: die unter anderem unterdruckgesteuerte Heizungs- und Klimaanlage. Die Temperatur von Fahrer und Beifahrerseite ist getrennt regelbar. Das war jedoch schon in den 50er-Jahren Standard in jedem Mercedes-Pkw.
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Zusatzinstrumente aus dem Zubehör schmücken die Mittelkonsole aus edlem Wurzelnussholz.
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Sonderausstattungscode 259: Der Verkehrsfunk-Kurier 5 sucht sich den Verkehrsfunksender über das Becker-Radio mit automatischem Sendersuchlauf selbst. Beim Verlassen des Sendegebietes sucht der Verkehrsfunk-Kurier einen neuen Sender. Bei Kassettengeräten unterbricht er außerdem während der Verkehrsfunkdurchsage den Kassettenbetrieb.
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6.9er-Erkennungsmerkmal: Tacho bis 260 km/h. Den Drehzahlmesser lieferte Daimler gratis. Dabei ist es völlig egal, in welchem Drehzahlbereich der V8 agiert. Kraft ist jederzeit im Überfluss vorhanden.
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Zauber-Zugschalter: Zieht man bei laufendem Motor an diesem Schalter, hebt sich der Benz innerhalb von 30 Sekunden um vier Zentimeter an. Falls mal eine Landpartie über Hoppel-Pisten ansteht. Im Normalbetrieb sorgt die komplexe hydropneumatische Federung für exquisiten Federungskomfort.
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Zwei Chefsessel in der ersten Reihe: Den 6.9 gab es ausschließlich mit Velours (Serie) oder Leder (Aufpreis). Die Stoffausstattung wie in Hartmut Rauters 6.9er war nur auf speziellen Sonderwunsch zu haben.
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So lässt sich in den 70er-Jahren der Vorstand fahren: Vorhänge und Leseleuchten im weiten SEL-Fond sorgen für eine ruhige Atmosphäre beim Studium der hektografierten Akten.
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Hans-Peter van Dorp hat einen Hang zu italienischen Autos mit V8-Motor. "Bitte bloß kein Jedermanns-Auto", sagt der Apotheker aus Künzelsau. Er hat sein Herz an die einzige viertürige Limousine mit Ferrari-V8 verloren: den Lancia Thema 8.32.
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Lancia by Ferrari: Der Umbau des 308-GTB-Achtzylinders für den Einsatz in der Frontantriebs-Limousine verschlang Unsummen. Aber er dreht und klingt wie eine Rennmaschine, herrlich!
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Das Auto Lancia-Ferrari zu nennen, hatte Enzo Ferrari persönlich untersagt. Nur 3973 Thema 8.32 wurden zwischen 1986 und 1992 gebaut.
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Als Hans-Peter van Dorp seinen Thema 8.32 kaufte, kam zunächst die 40.000-km-Inspektion. Niemand hatte ihn gewarnt. "Über 3500 D-Mark! Ich habe meinen Händler angerufen, was alles kaputt sei. Nix, sagte er. Aber zum Zahnriemenwechsel müsse eben der ganze Motor raus", erklärt van Dorp. Doch das ist noch nicht alles: Der Wechsel steht alle 20.000 km an!
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Allen Werkstattrechnungen zum Trotz: Als der erste Thema 8.32 ausgerechnet im Italien-Urlaub gestohlen wurde, kaufte van Dorp wieder einen Thema 8.32. Einen exklusiven Gebrauchten, die Nummer 15 einer auf 32 Autos limitierten Sonderserie, die zum Ende der Bauzeit aufgelegt wurde.
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Es sind kleine Details, die den 8.32 von den bürgerlicheren Thema-Versionen unterscheiden. Im Kofferraumdeckel integriert ist ein ...
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... Heckspoiler, der per Drehknopf elektrisch ausgefahren werden kann. Ursprünglich war eine automatische, geschwindigkeitsabhängige Betätigung vorgesehen, doch die Lancia-Techniker bekamen das nicht zuverlässig in den Griff.
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Kein Grund zum Abheben: Spezielle 8.32-Ersatzteile gibt es gar nicht mehr. Van Dorp hat vorgesorgt: Als das Fiat-Zentrallager aufgelöst wurde, kaufte er für 5500 D-Mark einen neuen Motor auf Vorrat. Der ehemals über 50.000 D-Mark teure Motor wartet jetzt auf seinen Einsatz – und schmückt einstweilen den Wintergarten.
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Exklusives 8.32-Erkennungsmerkmal: Schmaler Zierstreifen an den Flanken und am Heck.
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Der Thema 8.32 von van Dorp glänzt im Ferrari-Lack "Rosso Corsa", der ausschließlich der finalen Sonderserie des 8.32 vorbehalten war.
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So unauffällig der Thema 8.32 optisch ist, spätestens wenn der Ferrari-V8 sein heiser-sonores Brabbeln aus der zweiflutigen Anlage entlässt, verdrehen Passanten die Köpfe. Der Sound macht so glücklich, dass man keine Sekunde mehr ans Geld denkt!
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Acht Rundinstrumente eingelassen in afrikanisches Rosenholz, dickes Edel-Leder auf allen Plätzen – was ist da schon Geld?
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Der 8.32 trägt den Nerz nach innen: Handvernähtes Leder an Lenkrad, Armaturentafel, Mittelkonsole, Schaltknauf und Handbremshebel.
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In die Röhre gucken: Es ist eine wahre Freude, dem Drehzahlmesser beim Tanzen über die Skala zuzusehen. Erst bei 5000 Touren erreicht der Dreiliter-V8 sein höchstes Drehmoment von 263 Nm, bei knapp 7000 Umdrehungen liegen 205 PS an. Eine echte Drehorgel!
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Auch im über 70.000 D-Mark teuren Top-Thema kostete die Klimaautomatik rund 3000 D-Mark extra.
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Edel-Gestühl: Die handvernähten Lederpolster kommen vom italienischen Edelhersteller Paltrona Frau – und kosteten auch rund 3000 D-Mark Aufpreis.
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Rosenholz und Leder auch an den Türverkleidungen.
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Wer sich lästige Muskelkraft bei der Sitzverstellung sparen wollte, musste in der Optionsliste ein weiteres Kreuzchen bei der elektrischen Verstellung machen.
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Kein Motor, sondern Kunstwerk: der quer eingebaute Ferrari-V8 mit vier Ventilen, doppelter Nockenwelle und einem nicht enden wollenden Drehvermögen sowie betörendem Klang.
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Deniz Demirkaya wollte vor einigen Jahren unbedingt einen klassischen Porsche. Der Pädagogik- und Psychologiestudent machte eine Rechnung auf: Der Porsche 912 war von 1965 bis 1969 billiges Einstiegsmodell. Wer also heute einen 912 kauft, wird dafür weniger ausgeben müssen als für einen 911. Dachte sich Demirkaya und kaufte für 6000 Euro einen 912.
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Der Porsche 912 mit 90 PS starkem Boxer aus dem 356, ein Schnäppchen? Leider nicht. 912 und 911 restaurieren kostet fast das Gleiche. Deniz Demirkaya kann's bestätigen. "Ich wollte jetzt einen klassischen Porsche, nicht erst in 20 Jahren. Und weil das Geld nicht für einen 911 rechte, habe ich eben einen 912 genommen", erklärt Deniz.
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Als der Student den Rechenfehler bemerkte, waren 6000 Euro für den Restaurierungsfall schon weg. "10.000 Euro hatte ich noch in der Hinterhand", sagt Deniz mit schiefem Lächeln. "Die haben natürlich hinten und vorn nicht gereicht."
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Nüchterne Bilanz nach der ersten Bestandsaufnahme: Fuchsräder fehlten, Schweller und Bodenbleche des 912 von 1967 waren durch, das Fahrwerk war ausgenudelt, der Innenraum verwohnt, einige sündhaft teure Zierteile waren verloren gegangen, der Lack ruiniert und der Motor leider auch.
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"Also musste ich selbst ran. Ich hab' bei null angefangen und restaurieren gelernt." Mit Hilfe einiger Freunde vom Fach, einem Spezialisten für den Motor und vieler Nebenjobs biss sich der Student aus Bielefeld durch und wurde nebenbei noch zum Puristen. Original sollte der 912 werden. Zwei Jahre Arbeit stecken in Deniz' Porsche – und viel mehr Geld als geplant.
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Keine Abstriche beim Überholprestige: Äußerlich unterscheiden sich 912 und 911 hauptsächlich durch den Schriftzug. Ab April 1965 wurde der 912 für 16.250 D-Mark verkauft – mit durchschlagendem Erfolg. Mit 6401 Exemplaren verkaufte sich der Porsche 912 im ersten Verkaufsjahr doppelt so gut wie der stärkere Bruder 911.
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Das Ende des Porsche 912: Als Porsche 1969 den Einstiegs-Elfer 911 T mit auf 110 PS gedrosseltem Sechszylinder-Boxer nachschob, war kein Platz mehr für den 912. Zumal auch der Porsche 914 vor der Markteinführung stand. Nach rund 30.000 Porsche 912 war im August 1969 Schluss.
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Ausnahmsweise mal günstig zu haben: Reproduzierte Außenspiegel gibt es bei freien Teilehändlern bereits für unter 100 Euro.
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Käfer-Klang: Der 912 mit dem 90-PS-Herz aus dem 356 klingt zwar wie ein Käfer, ist dennoch keine lahme Ente. Mit einer Spitze von 184 km/h konnte der 912er-Pilot 1965 den meisten anderen Autofahrern den schönen Porsche-Rücken zeigen.
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Der 1,6-Liter Boxer mit vier Zylindern und 90 PS entspricht dem Vorgänger 356 SC. Übrigens ist die Instandsetzung eines 912-Triebwerks nicht viel billiger als die eines Sechszylinder-Boxers.
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Begehrtes Extra bei Porsche-Fans: die Fuchsfelgen aus geschmiedetem Aluminium. Über Porsche Classic ist sie immer noch neu lieferbar. Der Preis für das Format 6Jx15: 763,34 Euro – pro Stück.
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Für die Summe, die mittlerweile im burgundroten 912er steckt, hätte Deniz Demirkaya von vornherein einen richtig guten Porsche 912 kaufen können. Doch das Geld ist vergessen, das Glück überwiegt – ein anderes Auto neben dem 912 hat Deniz bis heute nicht. Nur im Winter leiht er sich den Tigra seiner Freundin.
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Wieder im Originalzustand: das Interieur mit schwarzen Ledersitzen und spindeldürrem Vierspeichenlenkrad.
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Vieles, was der 911 ab Werk besaß, kostete beim kleinen Bruder extra. Der Erstbesitzer aus den USA spendierte diesem 912 die große Uhren-Sammlung mit fünf statt nur drei Instrumenten und ein Fünfganggetriebe.
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Traditionelle Porsche-Uhrensammlung mit fünf Rundinstrumenten.
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Ganz einfach steht die Sache beim VW Karmann Ghia Typ 34. Besitzer Gerd Grebbin erläutert: "Einfach ist beim Typ 34 nur eines: Alles, was man sieht, kostet ein Vermögen. Der Rest ist verfügbar, aber auch nicht mehr billig."
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Preis-Beispiele aus dem einschlägigen Internet-Auktionshaus: "Blinkerpaar komplett: 500 Euro. Frontmaske: 2950 Euro. Stoßstange vorn: 1450 Euro. Kotflügel vorn: 2050 Euro. Leuchten hinten: 349 Euro." Und so weiter. Es sind die Startpreise, wohlgemerkt. Ersatzteilpreise für einen Volkswagen, der seinen Markennamen verspottet, den Karmann-Ghia Typ 34.
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Gerd Grebbin aus Goslar hat sich intensiv mit dem großen Karmann beschäftigt, fast 40 Jahre lang. 1968 bewunderte er einen Typ 34 beim VW-Autohaus in Salzgitter, kaufte aber doch einen lichtgrauen 1500er-Käfer. Es folgten VW K70, Passat, ein paar Audi 100. Vernünftige Autos, vom Industriekaufmann Grebbin kühl kalkuliert ausgesucht.
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"Erst 2005, als Rentner, habe ich mir den alten Traum erfüllt und für 16.000 Euro endlich einen Karmann gekauft. Kindlich naiv bin ich an die Sache rangegangen, ohne vorher einen Experten gefragt zu haben."
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Grebbin taufte seinen Karmann "Carlos", weil das Coupé früher mal in Spanien lief. Zum Glück machte nur die Technik Mucken. Eine marode Hülle ist der wirtschaftliche Totalschaden. Denn der Typ 34 ist ein exzessiver Roster, noch dazu schwer reparierbar: alles geschweißt, fast nichts verschraubt, null Rostschutz.
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Dass der Typ 34 nur rassig aussieht, aber in der Tiefe seines Hubraums ein kreuzbraver Typ 3 mit sanften 54 PS ist, stört Gerd Grebbin nicht. Die anmutigen Karosserielinien reißen alles raus. Und was ist schöner, als sich einen Traum zu erfüllen?
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"Porsche-356-Fahren ist billiger, davon gab es mehr", sagt Grebbin. "Noch nicht einmal die VW-Scheinwerfer stammen aus der Großserie."
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Dreiste Kopie: Die Karosserieform mit umlaufender Bügelfalte, Doppelscheinwerfern und runden Rücklichtern hatte Karmann so dreist bei Chevrolets Corvair abgekupfert, dass der Typ 34 offiziell nie in den USA verkauft wurde: GM drohte mit Plagiatsklagen.
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Unter dem zweiten Kofferraum ...
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... sitzt der Flachboxer des VW 1600 mit 54 PS. Er verhilft dem nur 910 kg schweren Karmann zu einer Höchstgeschwindigkeit von immerhin 150 km/h.
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Damen-Wahl: VW vermarktete den großen Karmann als Zweitwagen und exklusives Stück für die Dame des Hauses. Das Wort "Sportwagen" fiel nie – kein Wunder bei anfangs 45 PS Leistung, 1965 wurden es neun mehr.
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Der Drehzahlmesser im Armaturenbrett ist eine Nachfertigung, originale Tourenzähler sind kostbare Raritäten.
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Ein paar bezahlbare Teile haben es dann doch in die Karmann-Produktion geschafft: Außenspiegel, Fensterkurbel und Türöffner kommen aus dem VW-Baukasten.
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Aerosilber gab es eigentlich nur beim kleinen Karmann-Ghia Typ 14, es passt aber prächtig zum roten Interieur.
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Die Versuchung kennt jeder: Schön, exklusiv, schnell – und gar nicht sooo teuer. Der große Schock kommt oft erst nach dem Kauf: Wenn die Kosten für Ersatzteile, Werkstatt und Karosseriebauer den vermeintlich günstigen Einstiegspreis in den tiefroten Bereich drehen. Auch der Alfa Montreal hat das Zeug zum großen Geldvernichter.
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Hier folgen weitere Geldvernichte. Wie der Glas V8: Ersatzteile? Fehlanzeige. Auch mit BMW-Logo.
Daimler 2.5 V8: exklusiver Jaguar Mk II mit teurem V8-Motor. Noch mehr Autos gefällig, die Ihnen das Geld aus der Tasche ziehen? Hier geht es zu den durstigsten Autos aller Zeiten.