Die Krieger der Wikinger mussten erst ihr Leben lassen, um in den Himmel der Götter zu kommen. Doch Aston Martin macht es der eiligen Elite jetzt zumindest ein bisschen leichter. Dort kostet der Schlüssel zur Halle der Heiligen zwar auch einen hohen Preis und ziemlich genau eine Million Euro.
Aber dafür wird es danach umso lebendiger. Denn was uns die Briten jetzt als Valhalla verkaufen, ist kein ätherischer Ort im Nirgendwo, sondern der ultimative Sportwagen, in dem die Landstraße, die linke Spur und erst recht die Rennstrecke für Petrolheads zum Himmel auf Erden werden.
Aston Martin Valhalla
Der Aston Martin Valhalla bringt Formel-1-DNA auf die Straße.
Bild: Max Earey
Klar ist das arg dick aufgetragen. Doch wenn ein Aston Martin diese Ehre verdient, dann ist es der Valhalla. Denn abgehoben sind da nicht nur der Name und der Preis. Sondern statt wie sonst nur zum Niederknien auszusehen, fährt er – und das ist schon nicht mehr ganz so üblich – diesmal auch so. Und obendrein ist er technisch endlich mal voll und ganz auf der Höhe der Zeit, was fast schon eine Ausnahme ist bei Aston.

Hybrid-Power aus AMG-Technik

Ja, auch diesmal setzen sie in England wieder auf den AMG-Achtzylinder als Basis. Nur dass sie das vergnügungssteuerpflichtige Vier-Liter-Triebwerk beim Valhalla zum ersten Mal in über 100 Jahren hinter den Insassen einbauen und obendrein mit größeren Ladern und schärferen Nocken fast 100 PS mehr herausholen als in Affalterbach.
Und zu den dann schon allein 828 PS kommen – dem ersten Plug-in-Hybrid der Marke sei Dank – noch einmal drei E-Motoren mit 251 PS hinzu und katapultieren den Tiefflieger mit zusammen 1079 PS in eine neue Liga.
Aston Martin Valhalla
1079 PS katapultieren den Hybrid in die Hypercar-Liga.
Bild: Max Earey
Zugleich fungiert der Motor im – Achtung, eine weitere Premiere bei Aston – Doppelkupplungsgetriebe auch als Generator und lädt den 6,1 kWh großen AMG-Akku mit den extrem belastbaren Spezialzellen, die auf der Rundstrecke bei der elektrischen Kurskorrektur mehr bringen als auf den mickrigen 12 Kilometern im reinen EV-Modus.
Zwar hat der Valhalla – übrigens eine weitere Neuheit für die Briten – auch einen Stecker. Doch mag man sich schwer vorstellen, dass sich jemand wirklich die Mühe macht, den Boliden daheim einzustöpseln. Zumal es im Auto keinen Platz für das Kabel gibt.

Rennstrecke statt Boulevard: Fahrgefühl wie im Prototyp

Als potenter Plug-in-Hybrid für die eilige Elite wird der Valhalla zum heißesten Gegner für Lamborghini Revuelto und Ferrari Testarossa. Während die beiden Italiener allerdings schwer nach Straßensportwagen aussehen, ist der Valhalla der Langstrecke näher als der Landstraße und nur mühsam in das Korsett der Straßenverkehrsordnung gezwungen.
Das beginnt bei der aus Karbon gebackenen Wanne für die Insassen, geht über die im Dach angeschlagenen Türen, den im Vorderwagen versteckten Schwenkflügel mit einer Form wie in der Formel 1 und den beweglichen „Tresen“ auf dem Heck, und es gipfelt darin, dass man eher hinter dem Lenkrad im kanzelgleichen Cockpit liegt als sitzt. Kein Wunder, dass sich selbst eine spanische Provinz-Piste plötzlich anfühlt wie die Mulsanne-Gerade in Le Mans.
Aston Martin Valhalla
Bis zu 350 km/h wirken im Valhalla fast beiläufig.
Bild: Max Earey
Erst recht, wenn die Jungfernfahrt tatsächlich auf der Rennstrecke beginnt und der Beau seine biestige Seite zeigen darf. Als hätte man ein Raubtier von der Kette gelassen, verbeißt er sich in den Asphalt, fräst durch die Kurven und schießt über die Geraden, als wäre die Zeit tatsächlich relativ.

Elektronik als Komplize: Hightech treibt den Wahnsinn

Wenn es trotz des unsichtbaren Frontflügels und dem Bügelbrett am Heck doch mal eng wird, greift die Elektronik ein – nicht als Zuchtmeister, sondern als Komplize. Die E-Maschinen an der Vorderachse drehen bis zu 19.000 Touren und ziehen den Wagen auch durch Kurven, die eigentlich schon verloren scheinen. So wird die elektrische Unterstützung nicht zur Spaßbremse, sondern zum Brandbeschleuniger.
Aston Martin Valhalla
Im Valhalla verschmelzen Rennstrecken-Performance und erstaunliche Souveränität zum vielleicht komplettesten Aston aller Zeiten.
Bild: Max Earey
Der Blick springt dabei nervös zwischen drei Fixpunkten: dem kleinen Display hinter dem Lenkrad, dem Bremspunkt vor der nächsten Kehre und der Boxenmauer. Bitte, bitte, jetzt noch nicht. Eine Runde geht noch. Und noch eine. Und noch eine.

Gran Turismo mit Adrenalin: überraschend alltagstauglich

Zurück auf der Straße wirkt all das fast unwirklich. Als hätte man eben noch ein Raubtier geritten und säße plötzlich in einem Gran Turismo. Der Valhalla kann auch anders – und genau das macht ihn so faszinierend. Trotz der schieren Gewalt im Antrieb bleibt er erstaunlich gelassen.
Während andere Hypercars ihre Performance als großes Drama inszenieren, bleibt der Aston Martin fast beiläufig. Selbst bei bis zu 350 km/h wirkt das alles mühelos. Das Fahrwerk weiß, dass diesseits der Rennstrecke andere Regeln gelten, und fügt sich ihnen mit einer Souveränität, die man in dieser Liga selten findet.
Vergessen Sie 007! Normalerweise gibt es kein Auto von Aston Martin, bei dem man nicht unweigerlich an James Bond denken muss. Doch der Valhalla ist so stark, dass er keinen Kino-Mythos braucht, sondern selbst Star genug ist. Und trotzdem hat er Parallelen zum Leinwand-Helden: überraschend sanft und erschreckend brutal, bärenstark und messerscharf – und obendrein einfach spektakulär.