Aston Martin Vanquish Volante: Fahrbericht
Ein Aston Martin für die Sonnenseite des Lebens

Wer es in einen Aston Martin geschafft hat, der fährt längst auf der Sonnenseite des Lebens. Im neuen Vanquish Volante kann man das jetzt gebührend genießen.
Bild: Aston Martin
Im normalen Leben mögen 14 Sekunden eine überschaubare Zeitspanne sein. Aber im neuen Vanquish Volante fühlen sie sich an wie eine Ewigkeit. Schließlich muss man sich so lange zügeln und das Tempo unter 50 halten, damit das Dach aufgeht und der Spaß eine neue Dimension erreicht.
Und das ist gar nicht so einfach. Denn unter der schier endlosen Haube giert einer der letzten V12-Motoren nach Gas und kann es kaum erwarten, seine für einen Frontmotor aktuell unerreichten 835 PS und 1000 Nm mit einem tiefen Grollen gebührend in Szene zu setzen.

Klassik trifft Komfort: Handgenähtes Leder, analoge Eleganz und ein V12, der nur darauf wartet, gehört zu werden.
Bild: Tobias Kempe
Wenn man ihn nur lassen würde, könnte er den Sonnenfänger in 3,4 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und mit bis zu 345 km/h auch aus den kürzesten Stoppeln eine Sturmfrisur zaubern oder jede Glatze mit Fliegen pflastern. Und stattdessen soll man hier ewige 14 Sekunden im Standgas bummeln. WTF!
Aston Martin Vanquish Volante für 417.000 Euro
Die zeitlose Eleganz, die erfreulich klassisch gehaltene Kabine und natürlich vor allem die faszinierenden Fahrleistungen – all das kennt man schon vom Vanquish Coupé, das noch nicht einmal ein Jahr im Handel ist. Aber wer den fast schon bescheidenen Aufpreis von kaum mehr als zehn Prozent und am Ende dann doch wieder gang und gar unbescheidene 417.000 Euro für den Volante bezahlt, der bekommt deutlich mehr geboten.

V12 mit 835 PS und 1000 Nm – der letzte seiner Art brüllt nicht, er dirigiert. Und jeder Takt geht unter die Haut.
Bild: Aston Martin
Denn mit dem Wind in den Haaren fühlt sich der Vanquish noch einmal schneller an, die Sessel werden zur Sonnenbank, auf denen die Haut nach wenigen Metern zu prickeln beginnt. Und statt nur durchs Blech hört man den V12 jetzt live und ohne Filter.
Das ist, als würde man das Streaming endlich ausschalten und selbst im Stadion sitzen bei einem Konzert von Bruce Springsteen, von Queen oder den Rolling Stones – und zwar in der ersten Reihe. Der Rest mag dann unter der Sonnenhitze glühen, aber auf dem Trommelfell ist Gänsehaut garantiert.
Start von Car Play Ultra
Apropos Streaming. Auch wenn der Vanquish ein wunderbar analoger Sportwagen ist, der einem den Fahrspaß weder mit Allradantrieb noch Hinterachslenkung verfälscht oder den Blick mit einem Head-up-Display fesselt, hat der Volante auch ein neues Extra zu bieten. Schließlich ist Aston Martin Apples exklusiver Partner für den Start von Car Play Ultra.
Deshalb kann man jetzt auf der Mittelkonsole aus dem Apple-Screen heraus auch direkt die Klima-Anlage steuern und – viel wichtiger noch – man kann sich den Telefon-Bildschirm auch komplett ins Kombi holen.
Die Apple-Karte, eingehende Anrufe oder eben das Streaming sind dann direkt im Blickfeld. Wobei letzteres mit jeder Fanfare aus den vier oberschenkeldicken Endrohren ad absurdum geführt wird. Wenn hier einer Musik macht, dann der V12.
Vanquish im GT-Modus – alles gut
Deshalb richtet sich der Blick jetzt schnell wieder auf die Straße, die mit ein paar schnellen Kehren vehement die uneingeschränkte Aufmerksamkeit einfordert. Denn so stark und präzise der Vanquish auch ist, so schwer und vor allem lang ist er auch und braucht deshalb einen wachen Blick und eine starke Hand.
Solange er im GT Modus fährt, ist alles gut, und der Volante gibt eher den Gran Turismo, der einem Bentley Continental gefährlich nahekommt. Nur dass er vorne halt vier Zylinder mehr und hinten zwei Sitze weniger hat, deshalb gleichermaßen intimer und intensiver ist.
Wehe, man wechselt in den Sport-Modus
Doch wehe, man wechselt in den Sport- oder gar den Sport plus-Modus – dann spannt der Vanquish die Muskeln und die Sehnen an, schärft die Sinne und stürmt dem Horizont mit einer Wucht und Wut entgegen, als gäbe es kein Morgen mehr. Dass einem dabei schnell ein bisschen heiß wird unter dem Hemd, macht gar nix. Einfach das Windschott umgeklappt und die Fenster runter, schon tobt der perfekte Sturm, und man ist im Nu wieder trocken.
Gut so, denn auf dem Rückweg in die Stadt erkennt man noch einen weiteren Vorteil des Volante: Im Cabrio werden Selbstdarsteller besser gesehen als im Coupé – und auch darauf kommt es bei so einem Auto schließlich an.

Wenn der Motor schweigt und das Dach sich schließt, bleibt nur eins: ein breites Grinsen – und das Gefühl, auf der Sonnenseite des Lebens angekommen zu sein.
Bild: Tobias Kempe
Kurz bevor der Aston nach seinem rasenden Sonnenbad mit vor Hitze knisternden Endrohren und dem süßen Geruch von heißem Gummi in den Schatten der Garage entschwindet, verlangt er von seinem Fahrer noch einmal Mäßigung – und davon sogar etwas mehr als zu Beginn der Fahrt. Schließlich dauert das Schließen des Verdecks nicht 14, sondern sogar 16 Sekunden.
Das macht aber genauso wenig wie der Schatten, der sich damit übers Haupt legt. Denn erstens schwimmt die Seele nach dieser Spritztour ohnehin in einem See aus Adrenalin und Glückshormonen, und der Fahrer strahlt ganz ohne Sonne. Und zweitens hat man es längst auf die Sonnenseite des Lebens geschafft, wenn man sich dieses Vergnügen leisten kann. Egal, ob der Blick zum Himmel nun frei ist oder nicht.
Fazit
Ein fetter Motor im Bug, den Antrieb nur über die Hinterachse und so wenig Blingbling wie möglich - der Vanquish ist ein wunderbar altmodischer Gran Tourismo, der als Volante noch mehr Erlebnis bietet und noch mehr Emotion. Und bevor die Generation Smartphone jetzt gelangweilt von den ewig Gestrigen redet, sei ihr ein Blick aufs Display empfohlen. Immerhin geht Aston nicht nur mit der Zeit, sondern ist ihr sogar ein bisschen voraus - und holt als erster und zunächst einziger Hersteller mit Apple Car Play Ultra das Handy auch hinter das Lenkrad. Dagegen sehen dann selbst Tesla & Co alt aus. Von Ferrari oder McLaren ganz zu schweigen.
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