Audi A4 (B8) mit über 350.000 km
Tschüss, Walther!

Ein Auto wie ein Familienmitglied: Fast zehn Jahre lang war "Walther", ein Audi A4 B8, treuer Begleiter auf über 350.000 Kilometern. Jetzt ist es Zeit, Abschied zu nehmen – mit einem Blick zurück.
Bild: AUTO BILD
Wir bei AUTO BILD berichten gern über Autos mit hohen Laufleistungen. Immer wieder gibt es diese Exemplare, die 300.000, 400.000 oder sogar 500.000 Kilometer schaffen. Und dieser Audi A4 der Generation B8 ist ein ganz besonderes: Er hat zwar "nur" die 350.000 km geknackt, aber er stammt aus unseren eigenen Reihen.

An der Front ist der Langstreckenbetrieb gut zu erkennen: einige Lackabplatzer und Steinschläge an Stoßfänger und Motorhaube.
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Als treues Familienauto hat "Walther" mich und meine Familie die vergangenen zehn Jahre begleitet. Nun geht für ihn die Reise weiter. Die 350.000 Kilometer sind also längst nicht das Ende – für uns aber der Moment, "Tschüss" zu sagen. Und wie ginge das besser, als ihn mit einem eigenen Artikel ein wenig zu feiern?
Immer ohne Probleme: Zweiliter-TDI mit CVT-Getriebe
Kommen wir zu den harten Fakten: Dieser Audi A4 der Generation B8 wurde im Frühjahr 2012 erstmals zugelassen. Im Januar 2016 kauften wir ihn als Gebrauchtwagen, damals mit rund 100.000 Kilometern auf der Uhr. Für den Zweiliter-TDI mit 177 PS eine solide Laufleistung. Ein Grund für die Kaufentscheidung: die CVT-Automatik, bei Audi Multitronic genannt. Für mich die perfekte Kombination. Durch die stufenlosen "Schaltvorgänge" fährt der Wagen fast immer im niedrigen Drehzahlbereich, ideal für den Diesel, das Drehmoment liegt so die meiste Zeit optimal an.

Dem Innenraum ist die hohe Laufleistung kaum anzusehen. Selbst das Lederlenkrad wirkt noch frisch und nicht abgegriffen.
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Viele stehen der Multitronic skeptisch gegenüber (gilt als anfällig und kostspielig). Ich kann aber schon mal spoilern: Das Getriebe hat nicht ein einziges Mal Ärger gemacht, wurde aber auch immer gut gepflegt. Auch der Motor läuft weiter problemlos. Lediglich Bauteile drumherum mussten mal erneuert werden, etwa die Motorlager oder die Ölpumpe.
Erste hohe Rechnung: defekte Ölpumpe
Letztere war es auch, die den ersten Gedanken an einen Verkauf gepflanzt hat. Denn als sie den Geist aufgab, standen wir mitten im Stau auf der A7. Bei Kilometerstand 337.833 ploppte die Fehlermeldung "Öldruck zu niedrig" auf. Also sofort rechts ran, Pannendienst anrufen. Denn mit dieser Meldung fährt man besser keinen Meter mehr: Eine defekte Ölpumpe kann in Sekunden einen kapitalen Motorschaden verursachen.

Öldruck zu niedrig: Da konnte nur der ADAC helfen, um Schlimmeres zu vermeiden.
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Die Rechnung für Ölpumpe und Motorlager: 1750 Euro in einer freien Werkstatt. Zum ersten Mal tauchte damit ein richtig großer Posten auf einer Rechnung auf. Der Rest über die Jahre war dem üblichen Verschleiß geschuldet: Bremsen, Zahnriemen, Fahrwerksfedern, Radlager, ausgeschlagene Achsgelenke. Bei 224.323 Kilometern kam die Magnetkupplung des Klimakompressors neu, bei 228.357 Kilometern ein Thermostat.
15.000 Euro Werkstattkosten in fast 10 Jahren
Insgesamt hat "Walther" in all der Zeit inklusive Wartungen und Services rund 15.000 Euro Werkstattkosten verursacht. Davon fiel ein Drittel aber erst auf den letzten 15.000 Kilometern an. Besonders schmerzhaft: zuletzt 3600 Euro für eine Fahrwerkssanierung. Neues Querlenkerset vorne, neue Stoßdämpfer, hinten links eine Antriebswelle, die laut Werkstatt "praktisch zerbröselt" war. Da war klar: Walther, wir müssen uns bald trennen.
Der Gebrauchtwagenpreis damals: 20.000 Euro. Dafür gab es eine Topausstattung mit Ledersitzen, Tempomat und zeitgemäßem Entertainmentsystem. Den CD-Wechsler im Kofferraum haben wir zwar nie benutzt, dafür aber die Bluetooth-Verbindung zum Abspielen von Musik vom Smartphone umso mehr. Walther war für uns Straßenkreuzer, Packesel und Konzerthalle.

Der finale Kilometerstand bei Abgabe des Autos: 350.440 Kilometer.
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Heute, bei über 350.000 Kilometern, spuckt die DAT-Datenbank wegen der hohen Laufleistung bei der Restwert-Prognose nur noch eine Fehlermeldung aus. Beim Händler gibt es immerhin 3500 Euro für die Inzahlungnahme. Also fast die Kosten für die Fahrwerkssanierung. Bei Kilometer 350.440 sagen wir deswegen jetzt: tschüss, Walther.
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