Im Ring für unseren Diesel-Coupé-Test stehen das nagelneue Mercedes CLE Coupé, das nicht minder neue BMW 4er-Coupé und der Audi A5, der schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Der Charakter, der selbstzündenden Straßenboliden lässt sich bereits am Design ausmachen.
Der Mercedes ist für die, die mal richtig auftrumpfen möchten. Er steht mit seinen 19-Zoll-Rädern in Mischbereifung, den Powerdomes auf der Motorhaube, der konsequentesten Coupé-Form und dem unglaublich breit wirkenden Heck, am sattesten auf der Straße.
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Der BMW setzt, ganz wie es die Philosophie der Bayern fordert, auf Sportlichkeit getrimmt. Schlank, fast schon drahtig wirkt das 4er-Coupé. Der Münchner zeigt seine großen Nieren, trägt schwungvolle Luftein- und -außlässe, die ihm der Sportdress im M-Format mitgibt, und rollt ebenfalls auf mischbereiften 19er-Gummis.
Schnittig und sportlich zeigt sich der BMW. Das Mercedes CLE Coupé setzt auf Eleganz, und das Audi A5 Coupé hat etwas Schlichtes.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD

Und der Audi A5? Nun, der Ingolstädter trägt seit 2019 sein elegantes, im Vergleich fast schon unauffälliges Kleid. Erfreut die Blicke des Kenners mit akkurater Verarbeitung beim Karosseriebau und dem Verzicht auf überflüssiges Chichi. Tatsächlich ist der Audi mit 4,70 Meter Länge das kürzeste Coupé. Der BMW misst sieben Zentimeter mehr und der Mercedes sogar 15.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder, Turbo, 12-V-Mildhybrid
Vierzylinder, Biturbo, 48-V-Mildhybrid
Vierzylinder, Turbo, 48-V-Mildhybrid
Einbaulage
vorn längs
vorn längs
vorn längs
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Zahnriemen
Kette
Kette
Hubraum
1968 cm³
1995 cm³
1993 cm³
kW (PS) bei 1/min
150 (204)/3800
140 + 8 (190 + 11)/4000
145 + 17 (197 + 23)/3600
Nm bei 1/min
400/1750
400/1750
440/1800
Vmax
242 km/h
240 km/h
238 km/h
Getriebe
Siebengang-Doppelkupplung
Achtstufenautomatik
Neunstufenautomatik
Antrieb
Allradantrieb
Hinterradantrieb
Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
245/40 R 18 Y
225/40–255/35 R 19 Y
245/40–275/35 R 19 Y
Reifentyp
Michelin Pilot Sport 4
Michelin Pilot Sport 4S
Pirelli P Zero
Radgröße
8,5 x 18"
8–8,5 x 19"
8–9 x 19"
Abgas CO2*
145 g/km
126 g/km
130 g/km
Verbrauch*
5,5 l/100 km
4,8 l/100 km
4,9 l/100 km
Tankinhalt
58 l
59 l
66 l
Kraftstoffsorte
Diesel
Diesel
Diesel
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt
Serie/12 l (optional 24 l)
Serie/k. A.
Serie/23 l
Vorbeifahrgeräusch
68 dB(A)
70 dB(A)
68 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1800/750 kg
1600/750 kg
1800/750 kg
Stützlast
80 kg
75 kg
75 kg
Kofferraumvolumen
450 l
440 l
420 l
Länge/Breite/Höhe
4701/1846–2029**/1367 mm
4768/1852–2081**/1383 mm
4850/1861–2042**/1423 mm
Radstand
2770 mm
2851 mm
2865 mm
Grundpreis
52.400 Euro
53.500 Euro
60.512 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
60.185 Euro
60.520 Euro
71.984 Euro

Audi mit wenig Platz für Fondpassagiere

Weil wir gerade über die Maße philosophieren, werfen wir einen Blick in den Fond der 2+2-Sitzer. In allen drei Fällen ist es trotz weit aufschwingender Türen nur mit etwas akrobatischem Geschick möglich, die Plätze zu erklimmen. Erst, wenn man Platz genommen hat, werden die Unterschiede deutlich. Im Audi fühlt man sich selbst als nicht hochgewachsener Mensch recht eingeengt. Mehr Platz bieten hier Mercedes und BMW. Wobei letztgenannter den Fahrgästen in Reihe zwei das beste Raumgefühl gibt.
Voll digitalisiert und sehr edel präsentiert sich der Innenraum des Mercedes CLE. Beim BMW 420i Coupé geht es gewohnt fahrerorientiert zu. Der Innenraum des Audi A5 Coupé präsentiert sich ohne Chichi.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD

Nun sind Coupés aber per se keine Familienkutschen, und insofern wird die Besetzung des Fonds kaum beim Langlauf genutzt werden, obgleich die Gepäckabteile durchaus dazu bereit wären. Der A5 überrascht mit üppigen 450 Litern, der 4er bringt es auf 440, und der Mercedes bietet immer noch 420 Liter. Natürlich lässt sich der Stauraum erweitern, wenn die Rückbanklehnen umgeklappt werden.
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Das geht im Audi und BMW über Züge im Kofferraum, beim Mercedes muss man sich umständlich in den Fond zwängen, um die Entriegelung zu betätigen. Unverständlich, denn im E-Klasse Coupé (C 238) gab es dieses nützliche Feature noch.

Drei tolle Dieselmotoren

Aber wie gesagt, die Wahrscheinlichkeit, dass einer der drei schnittigen Sportler beim Möbelkauf zum Einsatz kommt, ist gering. Eher geht es mit kleinem Gepäck und sportlichen Ambitionen auf die Langstrecke. Der Treibsatz jedenfalls verspricht Fahrspaß bei geringem Durst. Im CLE 220d werkelt ein intern als OM 654 M bezeichneter Vierzylinder-Diesel. Er wird von einem einstufigen Abgasturbolader mit variabler Turbinengeometrie und reibungsoptimierter Wälzlagerung aufgeladen.
Zudem sorgt im niedrigen Drehzahlbereich der integrierte Starter-Generator (ISG) für eine verbesserte Leistungsentfaltung. Dank einer neuen Batterie erhöht sich die Leistung des Elektromotors von 20 auf 23 PS, und beim Boosten werden weitere 200 Newtonmeter bereitgestellt. So angetrieben steht der CLE 220d mit maximal 190 + 23 PS und 440 Newtonmeter Drehmoment richtig gut im Saft.
Natürlich kennt auch die Konkurrenz das Geheimnis der 48-Volt-Mild-Hybrid-Technologie. Im BMW 420d arbeitet ebenfalls ein Vierzylinder-Diesel, der nach einem ähnlichen Prinzip von einem E-Motor unterstützt wird. Auch hier geht es mit 190 + 11 PS und maximal 400 Newtonmetern zur Sache. Wie beim Daimler sorgt das System neben dem Quäntchen mehr an Kraft auch dafür, dass der Motor häufiger in einem optimierten Lastbereich läuft.
Tolle Sitze gibt es in allen drei Coupés. Die halten die Fahrer in der schnellen Kurve fest und lassen auch ein Verweilen auf der Langstrecke zu.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Beim Vierzylinder-Diesel des Audi A5 40 TDI quattro fällt die Unterstützung mit 12 Volt geringer aus. In den Leistungsdaten schlägt sich das nicht nieder. Der Ingolstädter tritt mit 204 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern an, das anders als bei den Testkollegen, die mit knackigem Heckantrieb unterwegs sind, an alle vier Räder verteilt wird.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,3 s
2,5 s
2,5 s
0–100 km/h
7,0 s
7,3 s
7,8 s
0–130 km/h
11,8 s
12,2 s
12,8 s
0–160 km/h
18,5 s
19,8 s
19,8 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,0 s
4,0 s
4,5 s
80–120 km/h
5,2 s
5,4 s
5,7 s
Leergewicht/Zuladung
1637/448 kg
1653/442 kg
1866/479 kg
Gewichtsverteilung v./h.
57/43 %
51/49 %
53/47 %
Wendekreis links/rechts
11,4/11,5 m
11,2/11,3 m
10,5/10,6 m
Sitzhöhe
485 mm
505 mm
490 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
33,8 m
36,0 m
33,8 m
aus 100 km/h warm
33,2 m
34,9 m
32,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
56 dB(A)
55 dB(A)
55 dB(A)
bei 100 km/h
61 dB(A)
60 dB(A)
60 dB(A)
bei 130 km/h
64 dB(A)
65 dB(A)
65 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
5,2 l D/100 km
5,0 l D/100 km
5,0 l D/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
5,9 l D/100 km
(+7 %)
5,7 l D/100 km
(+19 %)
5,7 l D/100 km
(+16 %)
Sportverbrauch
7,3 l D/100 km
7,1 l D/100 km
7,2 l D/100 km
CO2 (Testverbrauch)
157 g/km
152 g/km
152 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
980 km
1030 km
1150 km
Angesichts der Antriebe überrascht es nicht, dass die drei Selbstzünder auf Augenhöhe fahren. Nach AUTO-BILD-Messungen beschleunigt der Audi in 7,0 Sekunden vor dem BMW mit 7,3 und dem Mercedes mit 7,8 Sekunden am schnellsten. Grund dafür dürfte am Ende das Gewicht sein. Mit 2,3 Tonnen hat der CLE 220d knapp 200 Kilogramm mehr zu tragen als die Konkurrenz.
Dafür muss der Sportfreund beim Kauf des Audi darauf achten, dass er, will er wie BMW und Mercedes mit maximal 240 km/h über die Autobahn fliegen, bei der Konfiguration seines A5 40 TDI die rollwiderstandsoptimierten Reifen aus der Ausstattungsliste zu streichen. Sind die nämlich auf den 18-Zoll-Felgen, wird die Höchstgeschwindigkeit elektronisch auf 210 km/h begrenzt.

BMW 420d voll auf Sport getrimmt

Wer sein sportliches Mütchen kühlen will, ist beim 420d am besten aufgehoben. Der Bayer glänzt mit seiner sehr direkten Lenkung, gibt sich absolut verwindungssteif und kann dank seines sehr knackigen Fahrwerks am dynamischsten ums Eck geführt werden. Der CLE 220d steht ihm da in wenig nach, erfreut den Dynamiker mit seinem zuckenden Heck, einer sehr feinfühligen Lenkung und dank seines Fahrwerks mit Luftfederung mit dem besten Fahrkomfort. Einzig in engen Kurven wird sein Gewicht spürbar.
Mit 450 Litern bietet der Audi A5 Coupé den größten Stauraum. Im BMW 420d Coupé sind es 440 Liter. Der Mercedes CLE hat mit 420 Litern den kleinsten Kofferraum.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Natürlich kann auch der A5 40 TDI schnell in die Kehre stechen. Fahrwerksseitig gibt es da kein Vertun, aber man merkt im direkten Vergleich, dass die Ingolstädter das Motto "Vorsprung durch Technik" nicht mehr mit 100-prozentigem Engagement folgen. Dank des Allradantriebs bleibt der Audi in schnell gefahrenen langen Kurven stabil, aber die recht leichtgängige Lenkung lässt hier die Rückmeldung vermissen.
Ansonsten kann man dem Ingolstädter nichts vorwerfen. Er wirkt im Innenraum mit Blick auf die voll ausgestattete Konkurrenz etwas schlichter. Man hat das Gefühl, Audi setzt nicht so sehr auf asiatische oder nordamerikanische Akzeptanz, wie BMW und Mercedes. Die beiden Testwagen trumpfen nicht nur mit mächtigen Digitaldisplays auf. Die neu entwickelten Sportsitze sind im Test-Benz mit rotem Leder in aufwendiger Steppung bezogen. Im BMW gibt es ebenfalls Sportsitze mit gestepptem Leder in Cognac. Und bei Audi? Eine schlicht schwarze Stoff-Leder-Mischung.

Wenig Durst auf der ganzen Linie

Doch egal in welches Gestühl man sich fallen lässt. Alle drei bieten ausgezeichneten Seitenhalt und Langstreckenkomfort. Und genau das ist es, was der Kunde eines Diesel-Coupés neben der Sportlichkeit sucht. Die Verbräuche sind nahezu identisch, pegeln sich auf unserer Teststrecke bei 5,7 und 5,9 Liter im Drittelmix ein. 1000 Kilometer am Stück? Kein Problem.
Die Sitze sind gut, im Fond möchte man nicht reisen, weil es hiuer schon sehr eng zugehet.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Und das begleitet von einer Armada an elektronischen Helferlein. Sensible, aber in keinem Fall aufdringliche Assistenten halten die Fahrzeuge in der Spur, beachten den Abstand zum Vordermann oder führen durch den Stau. Bei direkter Ansprache zeigen sich alle drei verständig. Das beste Ergebnis zeigt Mercedes mit seinem MBUX-System, BMW ist aber ganz dicht dran. Audi muss bei diesem Thema zurückstecken.

Mehr oder weniger digitale Welten

Das gilt nicht für die Bedienung. Audi setzt bei den Hauptfunktionen auf analoge Knöpfe und Schalter und im 10,1 Zoll großen Touchscreen auf eine reduzierte Grafik. Auch im Touchscreen des CLE hat Mercedes die Optik verändert. Die Icons wirken jetzt verspielter, aber nicht mehr so edel. Die Bedienung ist intuitiv, lässt Tasten und Schalter kaum vermissen. BMW setzt im 420d weiterhin auf den iDrive Controller, der nach wie vor über jeden Zweifel erhaben ist.
Das Diesel-Triebwerke in sportlichen Autos funktionieren, stellen BMW, Mercedes und Audi erneut unter Beweis. Die Unterschiede liegen am Ende lediglich in Nuancen. Wirklich falsch, macht man bei keinem etwas. Wer Geld sparen will, der muss jedenfalls bei der Sportlichkeit und beim geringen Durst keine Abstriche machen.