Als die Amerikaner als Hingucker vor bald 20 Jahren seltsame Zwitterfahrzeuge auf ihre Messestände stellten, fand man das hierzulande in erster Linie lustig. Sportlastwagen, Straßenoffroader und Geländekombis: Wozu denn so was? Doch Subaru brachte 1996 in Gestalt des Legacy Outback den ersten auch äußerlich auf Gelände getrimmten Pkw-Kombi in Serie – und hatte Erfolg. Volvo zog mit dem V70 XC nach, Audi 1999 mit dem ersten allroad quattro. Der brachte am meisten Schlechtwege-, ja sogar richtige Geländetauglichkeit mit: Höheneinstellbare Luftfederung und optionales Untersetzungsgetriebe halfen über Stock und Stein. Das ist heute nicht mehr nötig. Denn heute hat Audi für Leute, die etwas mehr Offroader wollen, drei eigenständige SUV-Baureihen im Programm.
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Video: Audi A6 Allroad 3.0 TDI

Edler Gelände-Kombi

So kann sich der A6 allroad ganz auf die Straße konzentrieren. Vom normalen A6 Avant quattro unterscheidet er sich durch die bis auf immerhin 190 mm hochfahrbare Bodenfreiheit, außerdem durch die typischen aufgesetzten Radausschnitte und andere kleine Änderungen der Karosserie. Innen erfreut ein recht fürstliches Raumangebot. Auf eine SUV-spezifisch hohe Sitzposition muss man natürlich verzichten; man sitzt nicht anders als im normalen A6: Pkw-typisch tief – aber gut. Auch lange Lulatsche finden genug Platz: Sie müssen eben den Sitz ganz nach unten fahren, damit die Kopffreiheit reicht. Auch im Fond reist man bequem, fast herrschaftlich – außer auf dem weniger opulent gepolsterten Mittelplatz. Der große Kofferraum wird durch (einfaches) Umklappen der Rückbanklehnen und (weniger einfaches) Ausbauen der Kofferraumabdeckung zum noch größeren Laderaum. Lieferwagenqualitäten standen offenbar nicht im Vordergrund: keine ebene Ladefläche, sehr schräge Heckscheibe.

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Audi A6 Allroad 3.0 TDI
Schiebt und schiebt und schiebt: Mit 650 Nm Drehmoment steht der Dreiliter-Diesel gut im Futter.
Bild: Christian Bittmann
Macht nichts; die eindeutige Schokoladenseite des allroad findet man ohnehin am anderen Ende: unter der Motorhaube. Wer sich das stärkste Triebwerk gönnt, erhält einen mit allen Tricks der modernen Motorentechnik ausgerüsteten Sechszylinder-Turbodiesel. Und was für einen! 650 Nm Drehmoment bauen sich zügig auf und schieben mächtig an; und 313 PS sorgen dafür, dass die Beschleunigung nach dem Durchbruch der 200-km/h-Marke noch lange nicht aufhört. Dabei schafft es ein sorgsamer Fahrer, beeindruckenden Schub mit recht lässigen Drehzahlen zu erzielen. Erst bei entschlossenem Pedaltritt schaltet die Achtstufen-Wandlerautomatik zurück – dann aber sehr flink. Wer auf Beschleunigsungsorgien und Autobahnvollgas verzichtet, kann den 313-PS-Boliden erstaunlich sparsam bewegen: Verbräuche um 8 l/100 km sind realistisch – und man kommt dennoch flott voran.
Die höheneinstellbare Luftfederung ist serienmäßig an Bord. Außer dem erhöhten "Allroad-Modus" für mehr Bodenfreiheit erlaubt sie, das Fahrzeugniveau bei schneller Fahrt abzusenken; das senkt Luftwiderstand und Kraftstoffverbauch und macht das Handling noch direkter, geht aber auf Kosten der Federwege. Wer es gern bequemer hat, kann auf "Comfort" stellen, so die automatische Tieferlegung unterbinden und sich dann in allen Tempobereichen über den angenehmen Federungskomfort freuen. Die beiden Hoch-Modi reichen für Feldwege; echter Gelände- oder Schlechtwegeeinsatz ist weniger die Domäne des neuen A6 allroad – da schrappen vor allem die langen und tiefen Überhänge und wegen des langen Radstands auch der Fahrzeugbauch gern am Boden.

Fazit

von

Thomas Rönnberg
Mit dem V6-Superdiesel dringt der Audi A6 Allroad in neue Performance- Regionen vor. Für Schlechtwegeeinsatz ist er nur noch beschränkt geeignet; die 190 mm Bodenfreiheit erweitern aber immerhin die Mobilität gegenüber dem normalen A6 quattro spürbar. Motorsound und Straßenperformance sind eine Wucht.