Audi A6 Avant 40 TDI, Mercedes E 220 d T-Modell: Test
Luxuslaster: E-Klasse T-Modell und A6 Avant lassen kaum Wünsche offen

Nicht nur der Diesel wurde totgesagt, auch der Kombi. Doch sie leben noch – und wie! AUTO BILD vergleicht Mercedes E-Klasse T und Audi A6 Avant.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Es bleibt dabei: Im privaten Sektor hat der Kombi seine Zeit gehabt. Die Lust aufs Zuladen erfüllt das SUV inzwischen auch, und mit der richtigen Motorisierung geht es hier ebenso locker über die Langstrecke. Dennoch erfreuen sich die einstigen Lademeister mit der großen Klappe im Geschäftsbereich großer Beliebtheit.
Audi bleibt bei altem Feature
Viel Geld, aber dafür stehen hier auch zwei Autos auf ihren 20-Zoll-Rädern, die einiges zu bieten haben. Um dem umfänglich habhaft zu werden, muss man beim Audi allerdings aufmerksam die Optionsliste durchforsten und mit spitzem Bleistift rechnen, beim Mercedes ist vieles Serie, aber längst nicht jede Begehrlichkeit befriedigt.

Wer es möchte, bekommt im Mercedes E-Klasse T-Modell (oben) neben tollen Materialien auch noch die digitale Überdosis. Gute Verarbeitung und schlichte Eleganz zeichnet den Innenraum des Audi A6 Avant aus.
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Audi offeriert zum Beispiel noch den Nachtsichtassistenten, der dank eines Infrarot-Wärmebildes Tiere oder Fußgänger im Fahrerdisplay gelb markieren kann. Allerdings schlägt dieser nicht mehr ganz neue Luxus mit 2150 Euro zu Buche.
MBUX ist das überlegene System
Mercedes hat derartige Spielereien schon vor Jahren aus dem Programm genommen. Dafür kann der Interessent ähnlich viel Geld für den MBUX-Superscreen mit einer Selfi-Kamera auf der Armatur und einem Beifahrerdisplay ausgeben. Hier werden 1773 Euro fällig. Was besser oder relevanter ist, dürfte im Auge des Betrachters liegen. Am Ende muss man dem Daimler attestieren, dass er beim Infotainment die Nase ganz weit vorne hat.

Etwas aufgesetzt wirkt der Fahrermonitor in der Mercedes E-Klasse (oben), er brilliert aber mit seiner Grafik und Lesbarkeit. Der Superscreen im Benz ist schon etwas Besonderes, das mit 1773 Euro aber auch seinen Preis hat. Das Fahrerdisplay im Audi A6 Avant ist informativ und sehr gut ablesbar, der Monitor bietet auch animierte Rundinstrumente. Das MMI Touch Response im Audi, mit seinen zwei Monitoren, stammt aus dem Jahr 2018 und wirkt auch so.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Gerade der Sprachassistent ist in diesem Bereich bis dato unerreicht. Mit "Hallo Mercedes" angesprochen, kann er nicht nur virtuell unterstützen, sondern auch mechanisch bei der Sitzeinstellung, dem Öffnen der Fenster oder beim Bedienen der Klimaanlage helfen. Audi ist hier noch auf dem Stand von 2017. Ansprache auf Knopfdruck, arge Verständigungsschwierigkeiten, und die Antworten gibt es per Multiple Choice mit eins, zwei oder drei. Das ist weit von dem entfernt, was im Sternenkreuzer geboten wird.
Fahrzeugdaten
Modell | Audi A6 Avant 40 TDI quattro | Mercedes E 220 d 4Matic T-Modell |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn längs | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Zahnriemen | Kette |
Hubraum | 1968 cm³ | 1993 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 150 (204)/3800 | 145 + 17 (197 + 23)/3600 |
Nm bei 1/min | 400/1750 | 440/1800 |
Vmax | 241 km/h | 227 km/h |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung | Neunstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 255/40 R 20 Y | 245/40–275/35 R 20 Y |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport 4 | Pirelli P Zero |
Radgröße | 8,5 x 20" | 8,5–9,5 x 20" |
Abgas CO2* | 159 g/km | 151 g/km |
Verbrauch* | 6,1 l D/100 km | 5,7 l D/100 km |
Tankinhalt | 73 l | 66 l |
Kraftstoffsorte | Diesel | Diesel |
SCR-Kat/Ad-Blue-Tankinhalt | Serie/bis 22 l | Serie/24 l |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2000/750 kg | 2100/750 kg |
Stützlast | 95 kg | 84 kg |
Kofferraumvolumen | 565–1680 l | 615–1830 l |
Länge/Breite/Höhe | 4952/1886–2110**/1486 mm | 4949/1880–2065**/1469 mm |
Radstand | 2928 mm | 2961 mm |
Grundpreis | 61.950 Euro | 69.556 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 71.525 Euro | 90.066 Euro |
Tolle Verarbeitung auf beiden Seiten
Gar nicht weit sind die beiden Kontrahenten voneinander entfernt, wenn man die Verarbeitungsqualität und die verwendeten Materialien betrachtet. In beiden Fällen ist es ein haptisches Vergnügen, im Innenraum die Finger über Armatur, Türinnenverkleidung oder Mittelkonsole spielen zu lassen. Der Audi bietet noch die eine oder andere Taste mehr, im Daimler wird fast alles über den Superscreen geregelt. Das geht gut, am sehr griffigen Lenkrad mit den sensitiven Tasten wird es dann aber etwas zu viel des Guten. Leichteste Berührungen sorgen für nicht immer gewünschte Reaktionen.

Die Multikontursitze für 3921 Euro extra sind extrem teuer, aber auch unschlagbar bequem in der Mercedes E-Klasse (links). Die Sportsitze im Audi A6 Avant kosten 635 Euro extra, sind ihr Geld aber auf jedem Kilometer wert.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das ist bei Audi mit den herkömmlichen Lenkradtasten zielgenauer, weniger fehlerbehaftet und dennoch premium. Ansonsten fühlt man sich in beiden Fahrzeugen fein in die Sport- und Komfortpolster integriert. Hier wie da werden guter Seitenhalt und ausgezeichneter Langstreckenkomfort geboten. Wer groß gewachsen ist, dürfte sich in der zweiten Reihe des Mercedes noch ein bisschen besser aufgehoben fühlen.
T-Modell ist der fähigere Lademeister
Und ja, wer das maximale Ladetalent braucht, der wird mit den 615 bis 1830 Litern und einer maximalen Zuladung von 615 Kilogramm im T-Modell besser klarkommen als mit den 565 bis 1680 Litern und 520 Kilogramm Nutzlast im Avant. Und um die Sache an dieser Stelle rund zu machen, sei auch noch die mögliche Anhängelast erwähnt.Zwei Tonnen darf der Audi an den Haken nehmen, 2100 Kilogramm der Benz.
E-Klasse verteilt die Kraft virtuoser
So gerüstet kann es dann mit den zwei Vierzylinder-Dieseltriebwerken auch auf Reisen gehen. Im Audi werkelt ein Mildhybrid-System mit 12 Volt, den nahezu hubraumgleichen Selbstzünder im E 220 d unterstützt eine 48-Volt-Batterie mit integriertem Startergenerator. In beiden Fällen arbeiten die Triebwerke absolut unaufgeregt und mit 400 Newtonmetern im A6 und 440 Newtonmetern in der E-Klasse ausreichend kraftvoll.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im Benz erfolgt die Kraftverteilung über eine Neunstufen-Wandlerautomatik noch einen Tick virtuoser als durch das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe im Ingolstädter Kollegen. Aber weder Motor noch Getriebe und Allradantrieb machen die beiden edlen Lader zu Sportwagen. Daran ändert weder das Dynamic-Fahrprogramm im A6 noch das Sportprogramm in der E-Klasse etwas, obgleich beide das im jeweiligen Fahrzeug gerne suggerieren möchten. Zugegeben, die etwas leichtgängige Lenkung im Audi strafft sich im DynamicModus angenehm, und es bleibt zu überlegen, ob man diese Einstellung neben "Comfort" für das Fahrwerk in den individuellen Ein - stellungen hinterlegt.
Vmax bei beiden völlig ausreichend
Mit seinen 204 PS beschleunigt der Audi in von uns gemessenen 8,2 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, der Benz schafft den Standardsprint mit 197 PS und den zusätzlichen 23 PS des E-Motors im Boost in 8,3 Sekunden. Wer lange genug auf dem Gas stehen bleibt, wird mit dem Avant bis zu 241 km/h schnell, im Daimler reicht es nur bis Tempo 227.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
In beiden Fällen sind das Geschwindigkeiten, die völlig ausreichen und wahrscheinlich nicht so häufig ausgereizt werden. Denn zum einen wird dann selbst der Diesel durstig und zum anderen passt dieses Tempo nicht mehr zum gepflegten Dauerlauf. Wobei der E 220 d hier noch etwas leiser agiert und die Rollgeräusche besser zu verbergen versteht als der Kollege aus Ingolstadt.
Messwerte
Modell | Audi A6 Avant 40 TDI quattro | Mercedes E 220 d 4Matic T-Modell |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,7 s | 2,7 s |
0–100 km/h | 8,2 s | 8,3 s |
0–130 km/h | 13,6 s | 13,7 s |
0–160 km/h | 21,8 s | 22,0 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 4,7 s | 4,8 s |
80–120 km/h | 6,0 s | 5,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 1905/520 kg | 2035/615 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 54/46 % | 52/48 % |
Wendekreis links/rechts | 11,2/11,2 m | 11,9/12,0 m |
Sitzhöhe | 515 mm | 525 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 33,2 m | 33,6 m |
aus 100 km/h warm | 32,9 m | 31,6 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 57 dB(A) | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) | 62 dB(A) |
bei 130 km/h | 66 dB(A) | 65 dB(A) |
bei 160 km/h | 69 dB(A) | 67 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 6,2 l D/100 km | 5,6 l D/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 7,6 l D/100 km (+24 %) | 7,1 l D/100 km (+24 %) |
Sportverbrauch | 10,5 l D/100 km | 10,2 l D/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 202 g/km | 189 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 960 km | 925 km |
Beim Verbrauch siegt der Benz
Im Normalbetrieb ist der Audi mit im Schnitt verbrauchten 7,6 Litern und der Mercedes mit 7,1 Litern dann auch angenehm sparsam. Wer den Zwischensprint auf der Autobahn weglässt, der kann natürlich auch mit im Sparverbrauch erfahrenen 6,2 Litern im A6 und 5,7 Litern in der E-Klasse unterwegs sein.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dieser Verbrauch passt dann auch ganz hervorragend zu den Fahreigenschaften. Das T-Modell ist mit seiner Luftfederung sanfter unterwegs als der Audi mit dem Standardfahrwerk und einer adaptiven Dämpferregelung. Diese Kombination drückt Bodenunebenheiten gekonnt weg, während der Mercedes im leichten Nachschwingen die Insassen darüber informiert, was hier alles an Ungemach in die Dämpfer geschickt wird.
Unterschiedliche Philosophie
Was der Fahrgast als angenehmer empfindet, muss er für sich entscheiden. Beides ist konsequent komfortabel, entspringt aber einer unterschiedlichen Philosophie. Bei der Lenkung ist das nicht so, hier gefällt der Mercedes, was Direktheit und Handmoment betrifft, etwas mehr als der Audi. Der hat wiederum den Vorteil einer mitlenkenden Hinterachse, was ihn bei Kurvenfahrten leichtfüßiger und agiler macht. Zudem wiegt er mit 1905 Kilogramm 130 Kilogramm weniger als das T-Modell.
Platzierung
Modell | Mercedes E 220 d 4Matic T-Modell | Audi A6 Avant 40 TDI quattro, |
|---|---|---|
Punkte* | 593 | 587 |
Platz | 1 | 2 |
Fazit | Ein sparsamer Gleiter für die Langstrecke, der alles kann – aber auch sündhaft viel Geld kostet. | Ein Kombi, den seine Reife auch heute noch mithalten lässt. Lediglich beim Infotainment reicht es nicht mehr ganz. |
Ansonsten gibt es auch bei schneller gefahrenen Kurven kein Vertun. Beide Probanden ziehen einen sauberen Strich, geben dem Fahrer in jeder Sekunde das Gefühl, das Geschehen zu 100 Prozent im Griff zu haben. Und muss tatsächlich mal der Anker geworfen werden, dann steht der Audi mit warmen Bremsen nach 32,9 Metern still, der Mercedes schafft es unter gleichen Bedingungen in brillanten 31,6 Metern.
An der Kasse langt Mercedes zu
Auch was die Assistenzsysteme betrifft, muss sich hier keiner vor dem anderen verstecken. Hier wie dort ist der Lenkradeingriff beim Verlassen der Spur sanft, aber konsequent, wird die Bremsunterstützung zügig, aber nicht brachial eingeleitet, arbeitet der Stauassistent präzise und mit Bedacht. Wenngleich – und das sei bitte als subjektives Gefühl verstanden – das Ganze im Daimler noch etwas zartfühlender, mit einer größeren Spreizung zu geschehen scheint. Bleibt am Ende der Blick auf den Preis. Beim Mercedes ist bis 100.000 Euro alles möglich. Allein die Ausstattungslinie AMG Line Premium hebt den Einstiegspreis von 69.560 Euro um 11.365 Euro an. Kommen dann noch Superscreen, Luftfederung, Multikontursitze und 20-Zoll-Räder dazu, sind die 90.000 Euro schnell erreicht.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Aber auch im Audi kann man mit vielen Kreuzen in der Optionsliste den Preis in die Höhe treiben. Selbst das namenlose Audiosystem muss mit 380 Euro und das Smartphone-Interface mit 420 Euro extra bezahlt werden. Was den Ingolstädter dann wieder attraktiv macht, sind die Wartungsintervalle. Alle 30.000 Kilometer will ihn Audi in der Werkstatt sehen. Mercedes bestellt die EKlasse 5000 Kilometer früher ein. Und im Allgemeinen liegen die Werkstattpreise bei Mercedes noch etwas höher als bei Audi. Beide Luxuslaster verlangen also in jeder Hinsicht eine gewisse finanzielle Flexibilität, gewähren aber dennoch nur schlappe zwei Jahre Garantie. Als "Langstrecke" geht das nun wirklich nicht durch.
Fazit
Das Mercedes T-Modell siegt, weil es bei der serienmäßigen Komfortausstattung und vor allem beim Thema Connected Car ordentlich punktet. Aber wer rechnen muss, wird abseits dieser beiden Themen mit dem Audi nichts verkehrt machen. Der A6 ist zwar schon fast sieben Jahre alt, schlägt sich aber sehr ordentlich.
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