Leicht gilt mittlerweile ja als Allheilmittel. Beim Essen darf es schon länger gern fettarm sein, Bier gibt's seit Jahren in einem kalorienarmen Aufguss, selbst Telefontarife heißen neuerdings mit Beinamen flat light – oder so ähnlich. Unsere Autos werden dagegen immer breiter, kräftiger, üppiger. Also schwerer. Oder? Nicht, wenn es nach Audi geht. Der neue A6 hat eine strenge Entwicklungs-Diät hinter sich, soll nun nach sechs Generationen konsequenter Oberklasse-Mästung wieder leicht gelockert vorfahren. Reichlich Aluminium an Hauben, Türen und Fahrwerk soll es richten, den Verbrauch drücken, den Fahrspaß steigern. Gehaltsarm an Technik und Ausstattung wird der A6 dabei nicht.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi A6

Dem Top-Diesel mit 245 PS stehen ab Werk Allradantrieb und ein Siebengang-DSG zur Seite, für Passagiere gibt es dank längeren Radstands zudem mehr Platz als im Vorgänger. Und zum Thema CO2 hat die Audi-Crew die Köpfe wohl besonders häufig zusammengesteckt. Der 3.0 TDI hält ein äußerst schlaues Effizienz-Fahrprogramm bereit, das Leistung kappt (minus 20 Prozent), die Karosserie absenkt, Klimaanlage und Co weniger schuften lässt. Am Ende trinkt die so gedrillte Luxuslimousine dann weniger. Ja, so schmeckt uns light. Aber reicht das alles, um an die Spitze der Oberklasse zu schweben? Schließlich machen sich hier auch Typen wie der 5er-BMW breit. Die Münchener Limousine kann sich zum Beispiel mit zusätzlicher Leistung (258 PS), ebenfalls variablem Allradantrieb und sogar einer Achtstufenautomatik dagegenstemmen. Wir vergleichen die beiden Businessliner – nach hartem AUTO BILD-Punkte-Programm. Damit das gleich klar ist: Beim Preis fällt die Diät flach. Mindestens 51.200 Euro sind für einen A6 3.0 TDI quattro fällig. Kommen – wie in unserem Testwagen – große 19-Zoll-Räder, ein adaptives Luftfederfahrwerk und die schallschluckende Akustik-Verglasung hinzu, schnellt der Preis auf mindestens 56.140 Euro hoch.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW 5er

5er BMW 530d xDrive
Wie eine Sänfte: Der BMW 5er schluckt jede Welle mit sanftem Durchschwingen.
Bild: Uli Sonntag
Bei BMW sieht es ähnlich aus. Zu den 54.850 Euro Grundpreis addieren wir gut 4000 Euro für Extras. Dazu zählen die Getriebe-Automatik (bei Audi ab Werk), ein Adaptiv-Fahrwerk und immerhin 18 Zoll dicke Aluräder. Die mögliche Sturmflut an Assistenzsystemen lassen wir hier mal lieber weg. Denn für beide Autos gibt es topaktuelle Elektronik-Helfer wie Spurhalte-Systeme, Head-up-Displays, radargestützte Temporegler – ein fünfstelliger Aufpreis wäre leicht machbar. Einen dicken Posten des Preises machen also Fahrwerke und Reifen aus. Klar, hier treffen sich schließlich Fahrer und Fahrbahn. Beim BMW ist es dabei egal, in welchem Zustand die Piste ist. In Stellung Comfort legen die Federn gefühlt eine dicke Daunendecke zwischen Asphalt und Auto. Der 5er schluckt jede Welle mit sanftem Durchschwingen, ignoriert sämtliche Querfugen, schwebt beinahe arrogant teilnahmslos über welligen Teer. Und er kann auch anders. In den strammeren Programmen der Dämpferkontrolle verwandelt er sich in einen typischen BMW. Kurvenstark und fahrstabil zieht er dann seine Bahn.
Audi hat den A6 grundsätzlich steifer abgestimmt. So trittsicher und sportlich er an der Straße klebt, so respektlos geht er mit der Komforteinstellung der Adaptive Air Suspension um. Selbst in diesem Modus will er sich mit kleinen Unebenheiten überhaupt nicht abgeben, auf extrem schlechter Fahrbahn gerät die Karosserie in eine stetige, unpassend hektische Unruhe. Vorteil dieser eisernen Maxime: Beim Einlenken, in Kurven, auf enger Piste vermittelt der rund 100 Kilogramm leichtere A6 ein agiles Fahrgefühl wie aus einer anderen, kleineren Klasse. Respekt. Gleichzeitig führen die steifen Sportreifen des A6 zu beeindruckenden Bremswegen. Mit kalten Scheiben nimmt der Audi dem BMW zwei Meter ab – im Übrigen knacken beide Autos beim Bestwert die 34-Meter-Grenze. Porsche können das kaum besser. Audi zeigt jetzt auch ein Herz für Sportfahrer. Vielleicht zu viel Herz? Denn die spitzer ausgelegte Tendenz zum Eindrehen bei einem Lastwechsel fordert den Piloten. Ein zackiger Heckschwenk nach dem Gaswegnehmen in der Autobahnausfahrt ist unserer Meinung nach nicht jedermanns Sache.

Überblick: Alle News und Tests zu Audi und BMW

5er BMW 530d xDrive Audi A6 3.0 TDI quattro
Zwei gute Diesel: Bei der Antriebsquelle zeigen A6 und 5er keine großen Unterschiede.
Bild: Uli Sonntag
Hier geht der 5er umsichtiger ans Werk, lässt ESP und Seitenführung der Reifen enger zusammenarbeiten – sprich: Er bleibt sauberer in der Spur. Derart deutliche Charakterunterschiede wie beim Fahrverhalten offenbarten die beiden beim Antrieb nicht. Zwar patzt das Getriebe des Audi bei wenigen Gelegenheiten, rückt schon mal unsanft die Kupplung ein oder lässt sich beim Kickdown mehr Zeit. Dafür glänzt der feine TDI mit allerbesten Diesel-Manieren. Er dreht ungehemmt hoch, wirkt trotz nominal weniger Mumm (500 Nm statt 560 Nm im 530d) genauso druckvoll wie die Maschine des obenherum offeneren 5ers. Dabei läuft der Audi-V6 sogar sparsamer und unter Last sanfter, gefühlt leiser. Im Gegensatz zum Rest vom A6. Hochgewirbelte Steinchen knistern in den Radhäusern, Rollgeräusche dringen stärker ans Ohr, bei hohem Tempo wimmert es leise aus den Türdichtungen. Aber diese Nuancen wiegen weniger schwer – letztlich entscheidet der Preis, wie dieser Vergleich ausgeht: für Audi.

Fazit

Unsere Testwertung zeigt nahezu Punktegleichstand. Heißt im Grunde: Es gibt hier kein "besser" oder "schlechter" – eher ein "anders". Der Audi hat das Sportlerherz, der BMW ist der agile Soueräne mit Hang zur Fahrdynamik. Alles Charaktersache oder Frage des Fahreranspruchs? Nicht, wenn auch Kosten zählen. Dann kann ich den neuen A6 empfehlen. Der Vergleich mit dem 5er kann mit anderen Motoren auch anders ausgehen.