Ein Faible für Technik und Luxus hatten sie in Bayern schon, als das Auto noch gar nicht erfunden war. Wenn Märchenkönig Ludwig II. (1845–1886) in seiner Partygrotte Lohengrin spielte, erzeugte ein Dynamo-Kraftwerk Strom fürs farbenfrohe Licht. Das Volk darbte derweil bei Kerzenschimmer. Hightech war ein Privileg der reichen Leute. So wie heute noch beim Autofahren. Nur dass keiner mehr auf die Idee käme, die BMW- und Audi-Bosse wegen ihres Fortschrittsdrangs für verrückt zu erklären wie damals den "Kini". Internet im Wagen und ein Touchpad, das Chinesisch kann, mögen Otto Normalfahrer zwar ziemlich abgedreht erscheinen, Luxusauto-Käufer muss man allerdings bei Laune halten.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi A8

Audi A8
Kein Wunder also, dass bei Bayerns Top-Herstellern eine Innovation die andere jagt – egal ob sie sich der Freude am Fahren verschrieben haben oder mit Vorsprung durch Technik glänzen wollen. Oder beides – wie der neue Audi A8. Forsch ruft er sich zur größten Sportkanone seiner Klasse aus und will damit den 7er von BMW entmachten. Schau'n wir mal, ob er wirklich das Zeug zum Bayernkönig hat. Dezenter Look und perfekt austarierte Proportionen kaschieren seine wahre Größe, doch mit 5,14 Metern macht sich der Audi fast sieben Zentimeter länger als der BMW. Das Plus im Innenraum lässt sich allerdings eher am Maßband ablesen als erfühlen, denn auch im 7er genießt man üppige Bewegungsfreiheit. Sitze, bei denen sich vom Knickwinkel bis zur Lehnenbreite fast alles elektrisch justieren lässt, kosten zwar Zuschläge in satter vierstelliger Höhe, sind für anspruchsvolle Vielfahrer aber ihr Geld wert.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW 7er

BMW 7er
Die Kunst, eine Fülle von Funktionen mit wenigen Handgriffen zu steuern, beherrschen beide Kontrahenten bravourös. Mit dem iDrive-Drücker des BMW kommen inzwischen auch Technik-Trottel gut zurecht, was unter anderem daran liegt, dass sich die Münchner bei der Renovierung ihrer Benutzerlogik von Audi inspirieren ließen. Einheitliche, von oben nach unten durchzublätternde Menüs und leicht verständliche Klick-Kreise mit Buchstaben und Zahlen mindern das Risiko, sich im Multimedia-Dschungel zu verheddern. Und wenn es doch passiert, stellt die "Back"-Taste rasch wieder alles auf Anfang. Bei Audi ist das Bedienfeld der MMI-Oberfläche ein Stück nach vorn gewandert und dadurch mit den Fingern jetzt besser erreichbar. Als erstes Serienauto bietet der A8 zusätzlich ein Touchpad. Die berührungsempfindliche Fläche auf dem Mitteltunnel erlaubt die handschriftliche Eingabe von Navi-Zielen oder Telefonnummern und entziffert auch das schludrigste Gekritzel. Nett gemacht, in dieser ersten Ausbaustufe allerdings noch keine Bedien-Revolution, denn die Anwahl der Hauptmenüs muss weiterhin per Spracheingabe oder Tasten erfolgen.
Das Touchpad kommt somit erst ganz zum Schluss ins Spiel. Das Thema Internet im Auto kennen BMW-Fahrer schon länger. Nun holt auch Audi die Datenautobahn ins Cockpit, allerdings zu anderen Konditionen. 7er-Besitzer können für 12,50 Euro Monats-Flatrate online gehen und zahlen ab dem vierten Jahr zusätzlich 250 Euro Jahresgebühr. Bei Audi werden die Web-Dienste über die Mobilfunkkarte abgerechnet; die Kosten hängen vom Vertrag des Nutzers ab. A8-Fahrern stehen zwar nur ausgewählte Infos offen. BMW-Fahrer können unbegrenzt surfen, zumindest im Stand. Dafür legt sich im A8 aber eine Google-Map-Darstellung auf die Navi-Karte und ermöglicht neben der Wegfindung mit fotorealistischer Vogelperspektive auch die Suche nach Sonderzielen wie Hotels oder Geschäften.

Der leichtere Audi A8 hängt den BMW 7er bei den Fahrleistungen ab

Audi A8 BMW 7er
Da seine Karosserie aus Aluminium besteht, bleibt der A8 unter zwei Tonnen. Das fühlt man. Der BMW schleppt 220 Kilo mehr Gewicht mit sich herum und drängt dadurch in schnell gefahrenen Kurven früher nach außen. Ansonsten mag man angesichts der Mühelosigkeit, mit der ihn sein 407 PS starker Biturbo-V8 durch den Verkehr bolzt, kaum glauben, dass hier fast 2,2 Tonnen bewegt werden. Wie die Messwerte zeigen, werden die Mehrleistung und das Drehmomentplus beim BMW aber von seiner höheren Masse aufgezehrt: Der 35 PS schwächere Audi hat die Nase vorn, zudem verbraucht er deutlich weniger. Auf 100 Kilometer düsen beim BMW 14,1 Liter durch die Einspritzanlage, beim Audi nur 11,4. Dem A8 kommt dabei auch das niedrigere Drehzahlniveau seiner Automatik zugute, die über acht Fahrstufen verfügt (zwei mehr als das BMW-Getriebe), aber bei sportlicher Fahrweise leider ruckartiger schaltet.
Weitere Details zu Audi A8 und BMW 7er finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.

A8 und 7er stehen für Luxus auf höchstem Niveau. In vielen Punkten trennt die beiden nur ein Hauch. Das Duell der Bayern-Bomber kennt somit keinen wirklichen Verlierer. Ein Sieger ist hier auch der BMW – wenn auch nur zweiter, weil er dem Audi bei Verbrauch und Kosten hinterherfährt. Der A8 wuchert wirkungsvoll mit dem Pfund seines geringeren Gewichts und fährt mit diesem Technikvorsprung effizient und dynamisch auf Platz eins.